Zollfreie Gedanken

Zur Sache bitte

Print-Ausgabe 2. Dezember 2016

Zwei Ereignisse markieren alljährlich den Beginn der Wintersaison. Zum einen sind es jubelnd begrüßte Schneefälle im November, die mancherorts sogar zur Vorverlegung der Ski-Openings führen. Die dann jedes Jahr anschließend verlässlich einsetzende Föhnperiode wird locker durchgetaucht, nachdem die Beschneiungsanlagen bereits ganze Arbeit geleistet haben. Gibt es dann weiteren Schneefall noch rechtzeitig vor Weihnachten, steht einer guten Saison nichts mehr im Wege. Auch nicht die mediale Begleitungsmusik, die laut das Klagelied von Energieverschwendung und Wasserverbrauch durch den Betrieb von Schneekanonen anstimmt. Als ob es irgendeine wirtschaftliche Tätigkeit gäbe, die nicht mit Energieeinsatz verbunden ist und als ob gefrorenes Wasser nicht irgendwann einmal wieder in den Kreislauf der Natur zurückkäme.

Dass einer guten Saison nichts mehr im Wege steht, stimmt freilich nicht ganz. Und damit kommen wir zum zweiten Ereignis, das mit schöner Regelmäßigkeit den Tourismuswinter einbegleitet: Die Beschwerden der Hotellerie über fehlendes Personal in Küche und Service. Heuer mit so viel ernsthafter Besorgnis vorgebracht, dass sie sogar den Weg in die Hauptnachrichten des Fernsehens gefunden haben. Dort diskutierte dann ein prominenter Hotelier mit einem Vertreter der Arbeiterkammer, moderiert von einem im Laufe des Gesprächs immer ratloser werdenden Fernsehsprecher. Ihn verwirrte es ganz offensichtlich, dass beide Kontrahenten gleichzeitig Recht hatten. Der eine, wenn er die vorbildlichen Arbeitsbedingungen in seinen Betrieben, der andere wenn er die hohe Zahl Jobsuchender ins Treffen führte, für die es augenscheinlich keine akzeptablen Angebote gäbe.

Dieses Match wird nun schon seit Jahren mit diesen und ähnlichen Argumenten, darunter auch etlichen unzulässigen Verallgemeinerungen von Einzelfällen, geführt. Es gibt dabei niemals Sieger, sondern nur einen Verlierer – den österreichischen Tourismus. Eigentlich unverständlich in einem Tourismusland, wo es zwei große Wirtschaftsforschungsinstitute, eine renommierte Wirtschaftsuniversität und einen von den Sozialpartnern beschickten Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen gibt, der sich genau solchen Themen widmen müsste. Laut Eigendefinition zählt zu seinen vornehmlichen Aufgaben nämlich das Erarbeiten von Vorschlägen für eine bessere Koordinierung wirtschafts- und sozialpolitischer Maßnahmen durch das außer Streit stellen von Daten und Fakten. An die Arbeit also, gemeinsam wird es allen genannten Institutionen doch gelingen, die Debatte soweit zu versachlichen, dass von allen Betroffenen gemeinsam getragene Empfehlungen an die Wirtschaftspolitik herauskommen. Sinnvoller Weise gleich nach Ende der jetzt anlaufenden Wintersaison. Damit die nächste dann so richtig gut durchstarten kann.

Helmut Zolles
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Erstellt am: 02. Dezember 2016

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