Zollfreie Gedanken

Winter mal zwei

Print-Ausgabe 14. Jänner 2016

Ausgeprägte Investitions-Zurückhaltung war laut ÖHT letztes Jahr festzustellen. Statt weiterhin in Golfplätze und Wellness-Anlagen wurde von den Betrieben – wenn überhaupt – Geld in die Optimierung der Betriebsgrößen gesteckt. Bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 45 Betten eine betriebswirtschaftlich vernünftige Vorgangsweise, haben doch erst Hotels mit deutlich mehr als der doppelten Bettenanzahl reelle Chancen auf nachhaltig gute Ergebnisse. Das soll nicht heißen, dass es kleinere Häuser nicht auch schaffen, doch meist nur unter massiver Selbstausbeutung der Betreiberfamilie, deren jüngere Mitglieder dann sehr oft ihr zukünftiges berufliches Heil fernab vom Tourismus suchen.

Wenn die ÖHT in ihrem Bericht als Erfolgsrezept der Top-Unternehmen eine eindeutige Positionierung im Wellness- bzw. Wintertourismus anführt, so werden hier die zwei erfolgreichsten Innovationen des Tourismuslandes Österreich der letzten Jahrzehnte angesprochen. Beides beileibe keine Selbstläufer mehr: die Wellness-Anbieter müssen sich gegen zunehmende Konkurrenz im In- und Ausland wehren und  der Winter ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Wobei hier ausnahmsweise einmal nicht die Schneesituation gemeint ist (wenngleich es schon spannend sein könnte, die Konsequenzen einer bleibenden Verschiebung der Schneefälle weg von Weihnachten in Richtung Ostern für die umsatzträchtigste Sparte des österreichischen Tourismus zu untersuchen). Die Zukunft des Skisports überhaupt ist das große Thema. Auf jeden Fall für Österreich als europäischen Marktführer, der sowohl für die Destination als auch für den Skisport als solchen werben muss, weil er von einer Ausweitung des Marktes automatisch am meisten profitiert.

Doch gibt es laut einer aktuellen Studie der ÖW daneben eine ausbaufähige Nische, die bei entsprechender Pflege schöne zusätzliche Resultate bringen kann: den Wintergenuss-Urlaub. Er hat mit Wintersport in jeder Form absolut nichts zu tun, sondern ist als Gegenwelt dazu ausgeprägt. Mit Winterwandern, Winterromantik, winterlichen Städten und winterlichen Traditionen. Eine Bearbeitung dieser Nische würde für Österreich nicht mehr oder weniger bedeuten, als zukünftig eine Zwei-Marken-Strategie fahren zu müssen. Komplett mit jeweils völlig verschiedenen Angeboten, Werbeaussagen, Bildwelten und sogar Farben: Gelb- und Rottöne für das Genussangebot, Blau und Weiß als Farbdominaten für den Wintersport. Unnötig hinzuzufügen, dass die Pflege von zwei Marken parallel nebeneinander auch entsprechende Budgetmittel erfordert. Eines freilich verbindet beide Ansätze doch untrennbar miteinander: Schnee wird hier wie dort gebraucht. Egal, ob als Unterlage für Pisten- und Tourenfans oder als reizvolle Umgebung einer gemütlichen Hütte mit knisterndem Holzfeuer im Kamin.

Helmut Zolles
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Erstellt am: 14. Jänner 2016

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