Zollfreie Gedanken

Weihnachten und Ostern

Print-Ausgabe 23. Februar 2018

Es war so etwas wie der Jackpot für unseren Wintertourismus: Am Hahnenkamm siegte beim spektakulärsten Skirennen der Welt ein deutscher Abfahrtsläufer. Thomas Dreßen machte damit im wichtigsten Auslandsmarkt Österreichs unbezahlbare Werbung fürs Skilaufen, das dort einen kräftigen Popularitätsschub durchaus vertragen kann. Er tat das darüber hinaus vor großartiger Kulisse auf einer trotz widriger Wetterumstände perfekt präparierten Strecke, was die Kompetenz der Gamsstadt und des ganzen Landes in allem, was mit Wintersport zusammenhängt, eindrucksvoll unter Beweis stellte. Die einem heimischen Triumph nachtrauernden Patrioten können sich zumindest damit trösten, dass der Sieger durch zarte Bande sowieso starken Bezug zu Österreich hat.

Aber auch sonst läuft es für die Branche derzeit gut. Sie erfreut sich des Zuspruchs der höchsten politischen Autoritäten, die gerade beim ÖHV-Kongress das Bündel von Entlastungen wie im Regierungsprogramm angekündigt nochmals bestätigt haben. Selbst der Vorsitzende der zuständigen Gewerkschaft streut Rosen, wenn er von einer wirklich gelungenen Tagung spricht und die Bereitschaft seiner Seite betont, gemeinsam die Bedingungen für die arbeitenden Menschen zu verbessern und der Branche – wörtlich! – noch mehr Seele und Herz zu geben. Alles in allem ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern auf einmal, nur der neue Finanzminister wirkte bei seiner Erwähnung dieser Feste etwas nachdenklich. Wahrscheinlich, weil er nicht so sehr an die bei solchen Gelegenheiten geäußerten Wünsche als an die Spuren im Budget dachte, die sie in der Regel zu hinterlassen pflegen. Aber versprochen ist versprochen, warum sollte das nicht auch einmal in der Politik gelten.

Die allseits ausgebrochene Freudenstimmung dürfen auch kleine Wermutstropfen nicht trüben. Etwa der, dass die Wirtin eines gediegenen Vierstern-Hotels im Pinzgau, das bekannt für seine gute Küche ist, eine Reservierung für fünf Gäste zum Abendessen à la Carte leider ablehnen muss. Weil sie partout keinen Koch bekommen kann und ihr in der Küche stehender Mann durch die Menus für die Pensionsgäste des voll belegten Hauses mit Arbeit eingedeckt ist. Das Problem ist nicht neu und in vielen Tourismushochburgen virulent. Da würde selbst der Besuch einer kleinen Delegation wichtiger Entscheidungsträger im Tourismus, damit sie sich an Ort und Stelle ein Bild der Situation im Gespräch mit der tapfer kämpfenden Wirtsfrau machen können, nicht gleich etwas ändern. Freuen würde es sie mit Sicherheit schon. Mehr noch freilich, wenn im Sinne der allseits beschworenen Harmonie die leidige Personalfrage bis zum Beginn der nächsten Wintersaison endlich gelöst wäre. Damit die Freunde des Hauses dann auch einmal wieder der dortigen Küchenfreuden teilhaftig werden können.

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Erstellt am: 23. Februar 2018

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