Zollfreie Gedanken

Beziehungsabbruch

Print-Ausgabe 30. Juni 2017

Wenn es um die Beziehungen zwischen einzelnen Staaten geht gibt es allgemein anerkannte diplomatische Vorgangsweisen, um eine Verschlechterung des gegenseitigen Verhältnisses zu signalisieren: Wird ein Botschafter zurückberufen, bedeutet das soviel wie einen ernsten Rüffel der Art „Wenn ihr so weiter macht, gehört ihr nicht mehr zu unseren besten Freunden, eher im Gegenteil“ Die Steigerungsstufe dazu ist die Schließung einer Botschaft. Darauf folgte in früheren Zeiten zumeist eine Kriegserklärung, heutzutage kommen in der Regel gelindere feindselige Akte wie die Ausrufung von wirtschaftlichen und sonstigen Sanktionen zum Einsatz. In der Welt des Tourismus, die sich ja überhaupt durch einen zivilisierteren Umgang untereinander auszeichnet, ist das offensichtlich ganz anders. Wäre es sonst möglich, in Österreich nacheinander gleich zwei ausländische Tourismusbüros, das ungarische und das rumänische, zu schließen, ohne die möglichen negativen Auswirkungen auf den Reiseverkehr aus einem ganz wichtigen Markt in diese Länder zu bedenken. Oder sie bewusst in Kauf zu nehmen, weil die Regierungen, die sie zu verantworten haben, voraussichtlich nicht im Amt sein werden, wenn in einiger Zeit die Konsequenzen ihrer Entscheidung so richtig durchschlagen.

Die Rolle touristischer Auslandsvertretungen kann am Besten mit dem Wort „Beziehungsmanagement“ beschrieben werden. Selbstverständlich nicht mehr in Richtung der Reisenden selbst, das besorgen Internet, Callcenter und Versandhäuser mittlerweile bestens. Wohl aber zur Reisebranche, die auf Stärken und Neuerungen des Angebotes erst einmal aufmerksam gemacht, durch Studienreisen davon überzeugt und beim Absatz des Produktes durch verkaufsfördernde Aktionen unterstützt werden muss. Ähnliches gilt für die für ein Reiseland lebensnotwendigen Beziehungen zu den Medien, die letztlich über den Stellenwert auf der touristischen Weltlandkarte entscheiden. Und letztlich sind auch die Verbindungen zu den Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung ausschlaggebend, wenn es etwa darauf ankommt, wo im Ausland Kuraufenthalte noch bezuschusst werden oder welche Reiseeinschränkungen gerade noch verhindert werden konnten.

All diese Tätigkeiten beruhen auf langjährig aufgebauten persönlichen Kontakten. Die Tourismusvertreter Ungarns und Rumäniens haben zusammen mit ihren kleinen Teams dabei hervorragende Arbeit geleistet. Genau so, wie es ihre Kollegen und Kolleginnen nach wie vor machen und damit die chronische Unterdotierung ihrer Werbebudgets, so gut es eben geht, kompensieren. Der unermüdliche Einsatz hat ihnen allerdings, wie es scheint, keine Zeit gelassen, zu Hause den Mächtigen in der Politik unentwegt zu erklären, was effiziente touristische Auslandsvertretungen den ganzen lieben Tag so tun. Ein klarer Nachteil, wie es sich jetzt, sehr zum großen Bedauern in Österreich, herausstellt.

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Erstellt am: 30. Juni 2017

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