Zollfreie Gedanken

Auf geht´s

Print-Ausgabe 4. November 2016

In den Medien werden wieder die Liftpreise diskutiert; die deutsche Umweltministerin erklärt öffentlich, es dürfe auf Dauer keinen Skibetrieb mit Schneekanonen geben und handelt sich damit den Unmut des obersten Vertreters der österreichischen Seilbahnwirtschaft ein; der eben noch größte Skiverbund Österreichs wird durch einen noch größeren in den Schatten gestellt, während in akademischen Zirkeln das Pro und Contra immer größerer Skigebiete erörtert wird; Professorenteams zerbrechen sich, wie jüngst in Innsbruck, den Kopf über die Zukunft von Winterreisen und stellen an die Spitze ihrer Ausführungen eine Erkenntnis, die Touristiker irgendwie immer schon geahnt haben: Schnee ist der zentrale Erlebnisfaktor für den Alpenwinter. Mit einem Wort: die Skisaison 2016/17 steht vor der Tür. Aufs eindrucksvollste eingeläutet mit einem perfekt orchestrierten Auftakt in Sölden, wo Landschaft, Wetter und  Stimmung die genau richtigen Bilder geliefert haben, um auch die letzten Schwankenden zu ihrem Smartphone greifen und einen Urlaub in den winterlichen Bergen Österreichs buchen zu lassen.

Angefeuert von den Ergebnissen des vergangenen Sommers und der vorhergehenden, allen Schneesorgen zum Trotz höchst erfolgreichen Wintersaison wird auch diesmal die Gästebranche Österreichs in gewohnter Weise ihr Bestes geben und damit den Ruf des Landes als führende Winterdestination weiter festigen. Diesen Anspruch zu wahren bedeutet nichts anderes als, unbeirrt von mehr oder weniger kompetenten Zurufen, einfach alles zu bieten, was ein Welt- Champion in der Sparte Wintertourismus haben muss. Und das in bester Qualität. Also ebenso große, luxuriöse wie kleine, gemütliche Skigebiete, je nach Bedarf und Zahlungsbereitschaft des Publikums. (Wobei es wirklich unfair ist, mit der Sensationsmeldung von 50€ für eine Tageskarte in den Top-Regionen gegen den Skitourismus insgesamt Stimmung zu machen. Die Masse der Mittelwagenkäufer interessiert es ja auch nicht sonderlich, ob die Preise bei Rolls-Royce wieder einmal gestiegen sind). Außerdem braucht es selbstverständlich günstige Angebote für Kinder, für Familien und für Wiedereinsteiger, aber genauso auch den Pistenbutler und die gepolsterten Liftsessel für all jene, denen Komfort und Prestige etwas wert sind.

Ein Aspekt übrigens, der beim Zukunftssymposium von den mit der grundlegenden Studie beauftragten Forschern hervorgehoben wurde, verdient besondere Beachtung – die Forderung nach alpenübergreifenden Strategien. Eine davon müsste  unbedingt sein, das Skifahren überhaupt als reizvolle, naturnahe und gesunde Freizeitbetätigung gemeinsam zu fördern und zu propagieren. Damit könnte der in ganz Europa nachlassenden Begeisterung für den Skisport entgegengearbeitet werden, womit letztlich alle Alpenländer gleichermaßen Gewinner wären.

Helmut Zolles
Artikel teilen per Mail verschicken ausdrucken

Erstellt am: 04. November 2016

Kommentar schreiben

Bitte die Netiquette einhalten. * Pflichtfelder

Nach oben