Standpunkt

Hänselchen und Gretelchen

Print-Ausgabe 30. November 2018

Herbstzeit ist Präsentationszeit in Österreichs Touristik. Die Vielzahl an Veranstaltungen ist schon fast erdrückend, gar nicht zu reden von den dabei vorgestellten Programmen und Angeboten. Dasselbe gilt im Medienbereich für die Pressekonferenzen. Nicht einmal Genies schaffen es, alles im Kopf zu behalten. Bestenfalls Alexa, doch die kann auch nur das wiedergeben, wonach man sie fragt.

Was bleibt also hängen? Vor allem die unendlich langweiligen Vorträge. Deren Inhalte plätschern einschläfernd vorüber, ohne dass man am Ende weiß, was gesagt wurde. Woran man sich hingegen erinnert, ist die Eintönigkeit. Die bleibt hängen, sonst nichts. Weniger wäre besser, das dafür umso pointierter.

Wie dies konkret funktionieren kann, dafür lieferte der „Orpheum-­Abend“ von Jahn Reisen gleich mehrere grandiose Kostproben. Für den Auftakt sorgte Robert Bunzl, Gebietsleiter der Europäischen Reiseversicherung: Er verpackte das – sorry, liebe Reise­versicherer – nicht wirklich knackige Versicherungs-Thema in ein „Hänsel und Gretl“-Märchen. Um dabei nicht mit der Datenschutzgrundverordnung in Konflikt zu geraten, so Bunzl schmunzelnd, wandelte er die Namen auf Hänselchen und Gretelchen ab, verlegte die Handlung in eine Pauschalreise in die Türkei und sorgte damit für Lachorgien sowie Szenen-Applaus bei den Agents. Am Ende brachte Bunzl seine Key Massage und die verstand jeder: Wie wichtig es ist, eine Reiseversicherung abzuschließen und sich nicht auf vermeintlich ausreichenden Schutz von Kreditkarten & Co. zu verlassen.

Das Highlight beim „Orpheum-Abend“ kam von Mary Lemonis und ihrem Kollegen Ioannis Rafalias von der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr. Die beiden liefen – nach einleitenden Worten von Direktorin Helena Melita – in ihrer witzig-spontanen Doppelconférence zur Höchstform auf, womit sie Griechenland mehr in den Köpfen der Agents verankerten, als es die aufwendigste Powerpoint-Slideshow geschafft hätte.

Zu guter Letzt schaffte es Jahn Reisen Gebietsleiter Christian Harrer noch, das neue Reiseziel Albanien mit einem Hoteltipp nachhaltig ins Rampenlicht zu rücken: „Ich kann euch nichts über das Hotel erzählen, weil ich es nicht kenne. Aber die Bilder im Katalog schauen wirklich schön aus!“ Es folgte tosender Applaus für dieses ehrliche Statement.

Alles zusammen war das mehr als nur ein Vorprogramm für Kabarett-Star Thomas Stipsits, dem Highlight des „Orpheum-­Abends“: Es wurde gezeigt, wie kurzweilig und mit ein wenig Augenzwinkern Hard Facts so rübergebracht werden können, dass die Zuhörer aufmerksam zuhören und die wichtigsten Botschaften auch tatsächlich in Erinnerung bleiben. Bitte mehr davon und das nicht nur im Rahmen des „Orpheum-Abends“, wünscht sich angesichts der vielen einschläfernden, im Null-acht-fünfzehn-Schema abgehaltenen Veranstaltungen sicher nicht alleine der

Peter

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Erstellt am: 30. November 2018

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