Rottenbergs Roadbook

Gepanscht

Print-Ausgabe 8. April 2016

Fast wäre mir die Limo wieder hochgekommen. Weil: Damit rechnet man nicht. Schon gar nicht, wenn man durstig ist: Ich war vorletzten Sonntag, nach dem Linz-Marathon, verschwitzt, glücklich und dehydriert ins Hotelzimmer gekommen, hatte nach der Flasche in der Minibar gegriffen – und erst nach dem dritten Schluck gemerkt, dass da etwas nicht stimmte. Und dass der Verschluss sich eben doch zu leicht hatte öffnen lassen. Statt prickelnder Frische rann bräsig-abgestandenes Zeug meine Kehle hinunter – und der Blick auf den Verschluss, verriet: Dieser Deckel gehörte nicht auf diese Flasche. Und das, was da drin war, war nicht, was das Etikett versprach. Da hatte ein Gast vor mir die angebrochene Flasche nicht einfach wieder in den Eiskasten gestellt, sondern sie zuvor wieder aufgefüllt. Ich kann nur hoffen, dass es Leitungswasser war. Würg.

Zimmerdamen oder Roomservice da einen Vorwurf zu machen, wäre unfair: Die Chance, auf diesen Schwindel drauf zu kommen, ist minimal. Der Ekel des Gefoppten dafür umso größer.

Beim Ins-Klo-Leeren der Flasche reckte es mich dann: Nein, Leitungswasser riecht nicht so. Um mich vor meinem eigenen Ekel zu schützen, verdrängte ich das Erlebte – und vergaß, beim Auschecken, bei der Frage nach zu bezahlenden Artikeln aus der Minibar, auf die leere aber eben nicht ausgetrunkene Flasche hinzuweisen. Jetzt habe ich Gewissensbisse. Nicht wegen der – formalen – Zechprellerei: Ich weiß nicht, ob das die einzige „präparierte“ Flasche war. Und das grausige Draufkommen auf diesen „Scherz“ wünsche ich niemandem.

Thomas Rottenberg
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Erstellt am: 08. April 2016

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