Jänner-Tief ändert nichts am Kreuzfahrt-Boom
Carnival und RCCL berichten über starke Buchungseinbrüche, doch die dürften nur kurzfristiger Natur gewesen sein – sogar die Concordia könnte wieder in See stechen – Costa-Chef überlegt Marken-Wechsel
Das Unglück mit der Concordia hat bei Costa Kreuzfahrten in den zurückliegenden Wochen die volle Aufmerksamkeit auf die Opfer, deren Angehörige, und auf die zu Schaden gekommenen Passagiere gelenkt. Parallel dazu wurde aber auch Kurs auf die kommende Kreuzfahrtsaison genommen, über der derzeit – nicht nur bei Costa – noch viele Fragzeichen stehen. Denn ob und welche Schrammen die Kreuzfahrtbranche davontragen wird, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Costa-Chef Pier Luigi Foschi sprach dieser Tage von einem 35-prozentigen Buchungsrückgang des Unternehmens seit dem Unglück am 13. Jänner. Er glaubt auch, dass das Image der Marke zerstört worden ist, was einen Neubeginn unter anderem Namen möglich erscheinen lässt. Wie sich das Buchungsverhalten in der Kreuzfahrt-Branche generell entwickelt, dazu lieferten Ende Jänner bzw. Anfang Februar die beiden Weltmarktführer Carnival Corporation (sie ist die Mutter von Costa und hält mit 101 Schiffen bei einem Weltmarktanteil von 49,2 Prozent) und die Royal Caribbean Cruises (RCCL; 44 Schiffe, 24,6 Prozent Marktanteil) erste konkrete Statements.
Carnival sprach am 31. Jänner über Buchungsrückgänge nach dem Unglück im mittleren Zehnerprozentbereich, welche die gesamte Gruppe betrafen. Der Tiefpunkt war am 16. Jänner erreicht, am stärksten war von den Buchungsrückgängen laut Carnival-Aussagen Europa betroffen und hier vor allem Costa. Carnival ist aber davon überzeugt, dass es sich um keinen langfristigen Trend handelt. Der Konzern erwirtschaftet rund 38 Prozent seines Umsatzes in Europa.
Royal Caribbean Cruises (RCCL) berichtete am 1. Februar ebenfalls über Buchungsrückgänge nach dem Concordia-Unglück im mittleren Zehnerprozentbereich. In Europa war dieser Trend ausgeprägter, als in Nordamerika, wobei es Unterschiede je nach Land gab. Es kam aber zu keinem Anstieg bei den Stornos. Mitte Jänner waren die Buchungen noch um rund 5 Prozent über dem Vorjahr gelegen.
Laut einem Bericht von „Travel Weekly“ fielen die Kreuzfahrtbuchungen in Großbritannien (Europas größter Kreuzfahrt-Markt) in der Woche nach dem Unglück um 29 Prozent in den Keller, haben sich aber seither wieder erholt und lagen danach 15 Prozent unter den Vergleichswerten vom Vorjahr. In Summe liegt das Niveau jetzt um lediglich 2 Prozent unter dem Vorjahrs-Buchungsstand (zum Vergleich: die gesamten Buchungen der britischen Reisebranche liegen um 9 Prozent unter dem Vorjahr, die Kreuzfahrten entwickeln sich demnach erheblich besser).
Jetzt zeichnet sich eine Erholung ab. Anfang Februar wurde bei RCCL wieder ein Anstieg der Buchungen registriert, vor allem in Nordamerika. Auch RCCL geht ebenso wie Carnival nicht von einer längerfristigen Beeinträchtigung des Kreuzfahrt-Interesses durch das Concordia-Unglück aus.
Zurück zu Carnival: dort wird der Ertragsausfall der Costa Concordia das Konzernergebnis 2012 nach Angaben des Konzerns mit 85 bis 95 Mio. US-Dollar belasten, dazu kommen weitere 30 bis 40 Mio. US-Dollar an Kosten, die mit dem Unglück in Zusammenhang stehen. Bezüglich des direkten Schadens am Schiff sei das Unternehmen ausreichend versichert.
Wobei die Costa Concordia möglicher Weise sogar wieder auf die Weltmeere zurückkehren wird: derzeit ist ein Untersuchungs-Team von Carnival vor Ort, das prüft, ob das Schiff repariert und wieder in Dienst gestellt werden kann.
Vorerst muss Costa aber mit 15 – anstatt wie geplant heuer mit 16 Schiffen – das Auslangen finden. Der Katalog für 2012 beinhaltet zahlreiche Routenneuheiten, darunter eine Weltreise sowie die im Sommer bei Österreichern beliebten Abfahrtshäfen Venedig (Costa Favolosa, Costa Fascinosa) und Triest (Costa Classica). Auf 400 Seiten bieten die 15 Schiffe der Flotte 130 Routen zu mehr als 250 Destinationen weltweit.
Neben dem Dauerbrenner Mittelmeer stehen auch der Hohe Norden Europas, die Vereinigten Arabischen Emirate (neu ist dort mit Abu Dhabi ein zweiter Basishafen neben Dubai), China, der Ferne Osten, Südamerika sowie Inselparadiese im Indischen Ozean und die Karibik auf dem Programm. Das Angebot ist gegenüber dem Vorjahr um rund 12 Prozent gewachsen.
Ein neues Preissystem mit Vorteilen bei Buchungen bis zu vier Monate vor Abfahrt sowie die Fortführung des „Kids & Teens Gratis“-Angebots (Kinder bis 18 Jahre gratis) zählen zu den weiteren Höhepunkten des Kreuzfahrten Kataloges 2012.
Da der eigene Costa-Terminal in Savona mittlerweile an seine Kapazitätsgrenze gestoßen ist, hat die Reederei im Jänner mit Bauarbeiten für einen zweiten Terminal (Investitionsvolumen ca. 9 Mio. Euro) begonnen. Dessen Eröffnung ist im März 2013 geplant. Heuer werden 13 der 15 Costa Schiffe mindestens einmal den Hafen anlaufen. Insgesamt sind 2012 in Savonna 230 Anläufe mit einem Passagieraufkommen von mehr als einer Million vorgesehen.
2010 reisten insgesamt 2,2 Mio. Passagiere mit Costa und der Umsatz lag bei 2,9 Mrd. Euro, 2011 stieg das Passagieraufkommen um 50 Prozent, der Umsatz wurde noch nicht veröffentlicht.
Faszinierende Fascinosa
Es gibt auch einen Neuzugang bei Costa: Die 510 Millionen Euro teure Costa Fascinosa. Sie ist 114.500 BRT groß, bietet in 1.500 Kabinen Platz für bis zu 3.780 Gäste und wird am 6. Mai 2012 in Savona getauft. Das Kreuzfahrtschiff ist der Welt des Films und der Literatur gewidmet. Im Sommer kreuzt die Fascinosa durchs östliche Mittelmeer nach Griechenland und Kroatien ab/bis Venedig.
Mit der Costa Fascinosa findet die im Jahr 2000 begonnene Flottenexpansion der Reederei mit Investitionen von rund 5,5 Mrd. Euro ihren vorläufigen Höhepunkt. Das nächste Schiff ist schon bestellt und soll im Oktober 2014 in Dienst gestellt werden. Mit einem Volumen von 132.500 BRT und einer Gesamtkapazität von 4.928 Passagieren ist es dann das größte Schiff der Costa-Flotte.


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