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(Kein) Abschied! Lauda geht, Niki bleibt

Österreichs Luftfahrt ohne Österreichlauda

Nein, neue Airline wird Niki Lauda keine mehr Gründen: „Mir gehen die Namen aus“, bemerkte er scherzhaft am Dienstag dieser Woche gegen Ende jenes gemeinsam mit Airberlin-CEO Hartmut Mehdorn gestalteten Fachgesprächs, im Zuge dessen der Verkauf der restlichen 50,1 Prozent Anteile an die Air Berlin PLC kommuniziert wurde, welche die Lauda Privatstiftung noch an der Niki Luftfahrt GmbH hielt. 40,5 Mio. Euro ist diese Transaktion der Airberlin wert. Die Tragweite des Deals ist nicht zu unterschätzen: auch wenn beide Seiten nicht müde werden zu betonen, dass Niki Lauda weiterhin als Non-Executive Director des 13-köpfigen Boards der Air Berlin PLC die Geschicke des Unternehmens mitbestimmen wird, steht fest, dass nach dem (Not)Verkauf der AUA an Lufthansa Ende 2009 mit FlyNiki nun das letzte große Stück österreichischer Luftfahrtgeschichte zur Gänze an das Ausland abgegeben wurde.

Um trotzdem nicht die Flugrechte gegenüber jenen Ländern zu verlieren, welche noch nicht die „Principal-Place-of-Business”-Regelung anerkennen (dabei steht nicht mehr das Eigentum an einer Fluggesellschaft im Vordergrund, sondern der Ort, an dem eine Fluggesellschaft den Hauptsitz ihrer geschäftlichen Tätigkeiten hat), wird jetzt ähnlich wie von Lufthansa im Falle der AUA eine Stiftung nach österreichischem Recht gegründet (Stichwort: österreichischer Mehrheitseigentümer). Wie diese Konstruktion aussehen soll, muss noch im Detail geklärt werden: „Ich kann noch nicht sagen, wer der Stifter sein wird“, so Lauda.

Er wird jedenfalls „nach wie vor von Oben für Niki verantwortlich“ sein, betonte Lauda und fügte ergänzend hinzu: „Alle, die sich freuen, dass dieser komische Molch jetzt weg ist, muss ich enttäuschen.“ Niki bleibt Niki und Lauda mehr als nur Gallionsfigur. Seine Rolle nach Innen und Außen wird sich nicht viel von der derzeitigen unterscheiden. Schon bisher fungierte er „nur“ als President der Niki Luftfahrt GmbH. Die Geschäftsführung besteht unverändert aus Otmar Lenz und Gottfried Neumeister.

Geld fließt bei dem Verkauf übrigens keines, denn der Betrag von 40,5 Mio. Euro entspricht exakt jenem Darlehen, das Lauda im Februar 2010 als „Betriebsmittelkredit“ im Zuge der damals erfolgten Aufstockung der Airberlin-Anteile von 24,0 auf 49,9 Prozent erhalten hatte mit der Option, das Darlehen entweder in drei Jahren in bar oder durch Übereignung der verbliebenen 50,1 Prozent zurückzuzahlen. Lauda: „Das Geld wurde bis heute nicht angerührt.“

Zusammen mit den im Vorjahr erhaltenen 21 Mio. Euro für den 25,9-prozentigen Anteil erhielt Niki Lauda somit 71,5 Mio. Euro (fast 1 Mrd. in alten Schilling) für seine vor acht Jahren aus den Resten der österreichischen Aero Lloyd-Tochter gegründete FlyNiki. Das entspricht ziemlich exakt jenen 75 Mio. Euro, die FlyNiki in den zurückliegenden sieben Jahren an Gewinnen erwirtschaftete. Kein schlechter Deal also, verglichen mit den 16,1 Mio. Euro, die Laudas Privatstiftung von der AUA im Frühjahr 2001 für ihre damals rund 30 Prozent Anteile an der Lauda Air erhalten hatte; und ein Zeichen dafür, dass er es diesmal deutlich besser gemacht hat.

Auch das laufende Geschäftsjahr wird die Lauda Luftfahrt GmbH trotz allseits bekannter Hürden wie Ölpreis (plus 20 Prozent), Euro-Krise und Ägypten positiv abschließen. Niki Lauda sprach von einem Gewinn in zweistelliger Millionen-Höhe, was später auf ein Betriebsergebnis (Ebit) von 12 Mio. Euro konkretisiert wurde. FlyNiki wird jüngsten Hochrechnungen zufolge 2011 rund 4,3 Millionen Fluggäste befördern (Vorjahr 3,378 Millionen) und einen Umsatz von ca. 430 Millionen Euro erwirtschaften (2010 waren es 337,4 Millionen Euro). Ein sattes Wachstum also von je 27 Prozent. Es hätte noch stärker ausfallen können, aber der erwähnte politische Umsturz in Ägypten kostet die Airline laut Niki Lauda rund 14 Millionen Euro an Umsatz.

FlyNiki bleibt ungeachtet des jetzt vereinbarten Deals auf Wachstumskurs. Gemeinsam mit Airberlin konnte der Österreich-Marktanteil laut Hartmut Mehdorn bereits auf 20 Prozent gesteigert werden. 21 Flugzeuge umfasst aktuell die Niki-Flotte, 2012 werden es 23 Maschinen sein. Das Drehkreuz Wien erhält in der neu ausgerichteten Airberlin-Strategie einen höheren Stellenwert: Der Flugplan wurde und wird so verändert, dass jetzt optimale Anschlüsse in Nord-Süd bzw. Ost-West-Richtung bestehen (T.A.I. berichtete bereits darüber). Lauda: „Der Osteuropaverkehr aus Deutschland kommt in der Früh mit Air Berlin nach Wien, am Abend ist es umgekehrt.“ Im kommenden Sommer werden auch Griechenlands Inseln stärker in den Niki-Fokus genommen und ebenfalls über Airberlin-Zubringer gefüttert.

In Zukunft wird auch die Oneworld Allianz eine Rolle spielen, der Airberlin und damit Niki ab 2012 angehören. Mehdorn geht sogar davon aus, dass „wir die eine oder andere Airline aus dem Verbund im Laufe der Zeit auch nach Wien bekommen.“ Österreichs Luftfahrt ohne Österreich dafür mit noch mehr Internationalität – zumindest von dieser Warte her ist das keine schlechte Perspektive.

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