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Top oder Flopp? Sanierungswunde(r) AUA

bierwirthmalanik_webSteigflug unverkennbar, Ziel verfehlt

Als Ende voriger Woche die Zahlen des 3. Quartals von Austrian Airlines bekannt gegeben wurden, lauteten die Headlines in Online, Print, TV und Radio unisono: „AUA weiter in den roten Zahlen“. Neuigkeitswert: null. Denn dass Austrian Airlines heuer die Rückkehr in die Gewinnzone nicht schaffen werden, war seit Juli aufgrund Japan, Nahost und Nordafrika klar. Entscheidend ist somit die Frage, ob und wie sich die Dinge bei der AUA abgesehen von diesen unbeeinflussbaren Faktoren (die immer wieder vorkommen) zum Besseren wenden. T.A.I. ist tiefer in die Sache eingedrungen und stieß dabei – abgesehen vom um 27,7 Prozent verbesserten (aber noch immer negativen) operativen Ergebnis seit Jahresbeginn und einem um 30 Prozent auf 31,5 Mio. Euro gesteigerten operativen Gewinn im 3. Quartal – auf bemerkenswerte Erfolge im Zuge des Turnarounds. Fazit: Der Steigflug ist unverkennbar, die Früchte werden jedoch erst frühestens 2012 vom neuen CEO Jaan Albrecht geerntet werden können.

Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten 2011 trotz der bekannten Beeinträchtigungen um 0,7 Prozent auf 1,549 Mrd. Euro, der operative Verlust wurde um mehr als ein Viertel von -47 Mio. Euro auf -34 Mio. Euro gedrückt. Die Zahl der Fluggäste kletterte um 2,5 Prozent auf 8,575 Millionen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verschlechterte sich hingegen um 3,2 Prozent auf 102 Mio. Euro.

All dies wäre nicht erreicht worden bzw. schlechter ausgefallen, hätte das Unternehmen für heuer nicht „etwas über 100 Mio. Euro an Kosten eingespart“, wie AUA-Vorstand Peter Malanik betont. Gemessen am operativen Verlust des Vorjahres in Höhe von -64,7 Mio. Euro war also ein ausreichender Polster vorhanden, um 2011 zurück in die Gewinnzone zu fliegen. Doch dann hat Japan (Erdbeben, Tsunami, Atom-GAU) mit geschätzten 20 bis 25 Mio. Euro negativ durchgeschlagen, Nahost und Nordafrika ca. nochmals mit demselben Betrag. Auch die touristisch dominierte Bangkok-Route wurde durch Japan in Mitleidenschaft gezogen.

Dazu kam der neuerliche Höhenflug des Ölpreises. Im aktuellen Zwischenbericht des Lufthansa-Konzerns für Jänner bis Ende September 2011 wird diesbezüglich ein Anstieg um 23,7 Prozent oder 913 Millionen Euro auf 4,772 Milliarden Euro ausgewiesen. Für die AUA werden keine gesonderten Zahlen bekannt gegeben, doch dürfte der Mehraufwand für Kerosin T.A.I.-Berechnungen zufolge in der Größenordnung von 50 bis 60 Millionen Euro liegen.

Alles zusammen sorgte dafür, dass die Kostenersparnisse wieder aufgefressen wurden. Deshalb muss dort auch weiterhin der Hebel angesetzt werden. Malanik: „Kosten sind etwas, das immer wieder wie die Schwammerl nachwächst.“ Das betrifft auch den Ölpreis, für den das AUA-Management 2012 einen weiteren Anstieg einkalkuliert.

Entscheidend für die Sanierung der AUA war und ist aber eines: die Langstrecke. Die war bekanntlich – bis auf ein einziges Jahr mit schwarzer Null – in der Vergangenheit chronisch defizitär und wurde nicht zuletzt durch das starke CEE-Netz getragen. Im Vorjahr konnte die Langstrecke erstmals in die Gewinnzone gedreht werden und das substantiell im zweistelligen Millionen-Bereich. Dort ist die AUA-Langstrecke auch heuer unterwegs, trotz Japan. „Wir konnten die Langstrecken-Erträge in Summe nicht weiter steigern, aber durch die Aufwärtstendenz Japan abfedern“, so AUA-Vorstand Andreas Bierwirth.

Erreicht wurde dieser bemerkenswerte Turnaround auf der Langstrecke sowohl durch die Integration des weltweiten Verkaufs in den Lufthansa-Verbund und durch Reduktion interner Kosten. Andreas Bierwirth: „Die Langstrecke liefert jetzt positive Ergebnisbeiträge und ist nicht mehr das, was unser Ergebnis in den Keller zieht.“ Sorgen bereitet zurzeit nur Indien, das durch die zweite tägliche Wien-Frequenz von Emirates ins Negative gerutscht ist. Die unnachgiebig-harte AUA-Haltung gegen die neuerlich erteilte provisorische Genehmigung der 13 wöchentlichen Flüge durch das
Verkehrsministerium (Malanik: „Ein schmerzhafter Schlag für die weitere Entwicklung des Drehkreuzes in Wien.“) ist deshalb verständlich. Malanik spricht von einem „enormen Wettbewerbsdruck in den indischen Markt hinein“, wobei es sich, wie Andreas Bierwirth betont um „kein Mengenproblem“ handle. Die AUA spricht bereits, falls es zu einer Dauerhaften Genehmigung der doppelten Emirates-Wien-Flüge kommt, von einer „Angebots-Adaptierung“ von und nach Indien ab Sommerflugplan 2012.  

Gilt die Langstrecke jetzt als solide Ertragssäule der AUA, hat sich die bis inklusive 2008 „atypisch positive“ (Andreas Bierwirth) Kurz- und Mittelstrecke ins Gegenteil verkehrt. Noch kann deshalb nicht von einem Sanierungswunder AUA gesprochen werden, das „r“ steht vorerst in Klammern, denn einige tiefe Wunden sind nach wie vor da.

Was die Gründe für die Mittelstrecken-Probleme sind und welchen weiteren Herausforderungen sich die AUA gegenüber sieht, darüber mehr im Artikel "Die Blase Wien kommt ans Zerbersten".

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