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TraviAustria geht in Zukunft erfolgreich fremd

Neben Eigenprodukten wie CETS, JetTravel oder ALPS setzt das Unternehmen ab sofort auch auf Top-Lösungen von Partnern, wie Hitchhiker, Cytric oder Peakwork

Seit knapp eineinhalb Jahren hat TraviAustria mit Rudolf Mertl einen neuen Geschäftsführer. Er folgte Bernhard Wegscheider nach, der das Unternehmen zwölf Jahre lang erfolgreich geleitet hatte. Mertl, der zuvor bei der AUA für die Integration in den Lufthansa-Konzern verantwortlich zeichnete, übernahm TraviAustria in einer interessanten Phase: Der IT-Anbieter befand sich mitten in der Integration von JetTravel (Softwareanbieter für Reisebüros und -veranstalter im Mid- und Backoffice), das aus der Konkursmasse von Data Systems Austria erworben wurde, sowie am Beginn einer Restrukturierungsphase, mit der die Weichen für die kommenden Jahre gestellt werden sollten. Was alles geändert wurde, welche Neuerungen es gibt und wie die künftige Strategie aussieht, darum ging es in einem Gespräch von Rudolf Mertl mit T.A.I.

 T.A.I.: Als Sie vor rund eineinhalb Jahren TraviAustria übernommen haben, befand sich das Unternehmen am Beginn einer Restrukturierungsphase. Was hat sich seither alles geändert?

Mertl: „Die ersten Maßnahmen betrafen zunächst einmal die internen Organisationsstrukturen. Die wurden geändert. Ich habe eine Zwischenebene herausgenommen. Wir sind jetzt in vier Bereiche gegliedert: Sales & Marketing, Produkt & Projekt-Management, Entwicklung & Programmierung sowie Operations. In weiterer Folge ging es darum, die intern dadurch gewonnene stärkere Kraft auf den Markt zu fokussieren.
Ebenso wurden die Kosten gesenkt. Das ist nicht über Mitarbeiter erfolgt – wir haben nur um einen weniger, insgesamt sind es jetzt 65 – sondern über externe Zulieferer. So konnten wir im zweiten Halbjahr 2011 die Kosten gegenüber dem Jahr davor um 8 bis 9 Prozent reduzieren. Wir haben Verträge neu verhandelt, das Büro verkleinert und auch Leitungskosten reduziert.“

T.A.I.: Wie sieht es bezüglich der Produkte von TraviAustria aus? Gab es da auch Änderungen?

Mertl: „Wir haben ein breites Spektrum. Das wollen wir auch in Zukunft weiter anbieten. Nur können wir nicht alles selbst machen, dazu haben wir als mittelgroßes Unternehmen gar nicht die Power. Das heißt, dass wir künftig nicht nur mit Eigenprodukten arbeiten, sondern auch als Vertriebspartner für Fremdprodukte agieren. Der Vorteil für unsere Kunden besteht darin, dass sie weiter alles aus einer Hand erhalten, das jeweilige Produkt aber immer optimal ist.“

T.A.I.: Können Sie dazu ein konkretes Beispiel nennen?

Mertl: „Ja, einige. Da wäre zunächst einmal die Player-Schiene – die ist extrem wichtig für die Zukunft. Hier arbeiten wir mit der Firma Peakwork von Ralf Usbeck zusammen. Ergebnis ist die Lösung Powersearch 2.0, die wir im Frühjahr auf den Markt bringen werden und die für Reisebüros dann Echtzeitabfragen ermöglichen wird. Für unsere Buchungsplattform CETS – die im Herbst eine neue, modernere Oberfläche erhielt – ist das eine wirkliche Errungenschaft. Hier erfolgt also die Integration einer fremden Technik in ein eigenes Produkt.
Ein weiteres Beispiel, wo wir künftig mit starken Partnern zusammenarbeiten, betrifft unser Business-Tool für Geschäftsreisebüros und Firmen. Wir haben diesbezüglich einen seit Anfang Jänner wirksamen Vertrag mit dem deutschen Anbieter i:FAO und dessen Produkt Cytric abgeschlossen. Cytric gilt als Mercedes unter den Business Tools, es wurde gemeinsam mit Siemens entwickelt und wird bereits von vielen Ketten und Firmen eingesetzt, in Österreich z.B. von der OMV. Es ist daran gedacht, dass wir mit Cytric mittelfristig unser eigenes Tool TraviBusiness ablösen.“

T.A.I.: Was tut sich im Bereich der Flight-Engine?
 

Mertl: „Auch hier arbeiten wir künftig mit einem Partner zusammen und zwar der deutschen Firma Hitchhiker. Über deren Flight engine sind Flüge einfach und effizient buchbar und zwar nicht nur klassische Airlines, sondern auch Low Cost Carrier. Hitchhiker verfügt zudem über eine optimale B2B- und eine B2C-Lösung. Die Buchungsplattformen sind somit für Reisebüros intern als auch über die Webpage einsetzbar. Ab März bieten wir diese Produkte unseren Kunden an. Mittelfristig soll die Hitchhiker-Lösung unsere eigene Flightengine ersetzen.“

T.A.I.: Seit Beginn an ist TraviAustria Generalvertreter von Galileo. Sind hier auch Neuerungen geplant?

Mertl: „Ja, im Bereich der Produkte. Brandneu ist zum Beispiel der Journey-Reporter, der Reisebüros und Firmen zeigt, wo Kunden oder Mitarbeiter aktuell unterwegs sind, in welchen Destinationen oder welchen Hotels. Das ist vor allem in Krisensituationen wichtig.“

T.A.I.: Was tut sich mit dem Inventarsystem für Reiseveranstalter ALPS?

Mertl: „Derzeit sind wir dabei, die eingangs erwähnten Player-Befüllungen zu ermöglichen. Seit Mitte vorigen Jahres verfügt ALPS außerdem noch über ein Bus-Tool.“

T.A.I.: Wie ist die Integration von JetTravel geglückt?

Mertl: „JetTravel ist historisch gewachsen und da hat es gedauert, um uns einzuarbeiten. Wir mussten erst alle Kunden auf den gleichen Stand bringen und die Funktionalitäten anpassen. Der große Vorteil von JetTravel: es gibt kein Konkurrenzprodukt, das all diese Funktionalitäten kann. Derzeit stellen wir gemeinsam mit den JetTravel-Kunden Überlegungen an, wie wir das System weitergestalten. Die Weiterentwicklung dazu erfolgt bei uns im Haus.“

T.A.I.: Es hat sich also viel getan bei TraviAustria in den zurückliegenden eineinhalb Jahren. Sind Sie mit den wirtschaftlichen Ergebnissen zufrieden?

Mertl: „Das sollte man nie sein. Sie könnten immer besser sein. Generell bin ich davon überzeugt, dass Travi-Austria mit all diesen Maßnahmen und den beschriebenen Produkten gut für die Zukunft aufgestellt ist. Wir sind – und das möchte ich abschließend noch betonen – das einzige Unternehmen in Österreich, das noch am Markt für die österreichische Touristik Österreich-spezifische Lösungen anbieten kann.“

TraviAustria in Stichworten

TraviAustria wurde 1987 gegründet, feiert heuer also sein 25-jähriges Jubiläum. Die größte Beteiligung hält Austrian Airlines mit 69 Prozent, gefolgt vom Österreichischen Verkehrsbüro mit 20 Prozent. Zu den weiteren Gesellschaftern (Anteile zwischen 3 und 1 Prozent) zählen die Reisebüros Mondial, Springer, Raiffeisen Reisebüro, Austrobus und Blaguss. Umsatzzahlen werden im Gegensatz zu früher keine mehr genannt, 2008 waren es um die 9 Millionen Euro.
Wichtigstes Produkt ist die Buchungsplattform CETS (Central European Touristic Solutions), mit denen TraviAustria in 12 Ländern mit 2.500 Reisebüros zusammenarbeitet, die damit auf Angebote von 140 Leistungsträgern Zugriff haben.

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