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Wirtschaftsabschwung? TUI bleibt offensiv

Alles Krise? Nicht bei Pümpelpuempel

Alle spielen Krise, nur nicht TUI in Österreich. Euro-Schwäche, Schulden-Fiasko und Banken-Horrormeldungen zum Trotz hält das Unternehmen unter Führung von Klaus Pümpel, Sena Uzgören und Gottfried Math Kurs. Es ist ein bemerkenswertes Kontrastprogramm, das hier gefahren wird, wie T.A.I. Anfang dieser Woche im Zuge eines langen Gesprächs mit CEO Klaus Pümpel in der TUI-Zentrale in Wien feststellen konnte. „Unsere Einschätzung ist von Optimismus getragen“, betonte Pümpel. Erst knappe zwei Stunden zuvor hatte Erste Bank-Chef Andreas Treichl die Öffentlichkeit über die 1,8 Mrd. Euro Wertberichtigungen informiert, die ihr Ergebnis heuer tief ins Negative drehen. Verschließt sich die TUI-Spitze in Österreich etwa der Realität?

Das Gegenteil ist der Fall. Pümpel gegenüber T.A.I.: „Es wird jedes Jahr schwieriger, klare Einschätzungen zu treffen. Fest steht, dass sich das Geschäft trotz aller Einflüsse kontinuierlich entwickelt und es hat sich trotz temporärer Dellen als krisenresistent erwiesen. Die kommenden zwölf Monate sind extrem schwer einzuschätzen, vor allem, ob die Finanz- tatsächlich zu einer Wirtschaftskrise wird.“ Insgesamt rechnet der TUI Österreich-CEO „nicht mit einer schlechteren Entwicklung, sondern ich gehe davon aus, dass sich das Reisegeschäft auf seinem mittlerweile üblichen Niveau einspielt.

Pümpel auf die Frage, was ihn zu dieser Annahme veranlasst: „In der Wirtschaftskrise Ende 2008/Anfang 2009 gab es im Business-Travel massive Rückgänge und die Reise-Etats wurden gekürzt. Derzeit sehen wir das überhaupt nicht. Die klassischen Indikatoren nach dem Muster „die Firmen stehen auf der Bremse“ gibt es derzeit noch nicht. Es scheint, als ob die allgemeine Stimmung nur durch Meldungen über Banken und Staaten getragen ist.“

Dass die Lage in den Betrieben besser zu sein scheint, als vermutet, hat laut Pümpel ihren Grund: „In den Unternehmen ist der letzte Reinigungseffekt von der Wirtschaftskrise noch nicht so lange her. Die Maßnahmen greifen noch. Hier stellt sich vor allem die Frage: geht man ein höheres Risiko ein, z.B. durch neue Projekte, oder entscheidet man sich für ein bedächtigeres Vorgehen.“ Bei der TUI in Österreich gebe es jedenfalls „nichts, wo man sagt, wir steigen auf die Bremse.“

Im scheinbaren Gegensatz dazu steht allerdings die Meldung von TUI Deutschland bezüglich des Abbaus von 550 Stellen im nächsten halben Jahr. Pümpel: „Bei TUI Deutschland wird nicht nur Personal abgebaut, sondern das Geschäftsmodell geändert, mit Zielrichtung günstiger zu produzieren und zu wachsen. Der Wettbewerb im traditionellen, eher preisorientierten Massenmarkt spielt sich mehr und mehr auch mit virtuellen Konkurrenten ab. Gegen die muss sich das Unternehmen vor allem mit den Preismarken 1-2-Fly und Discount Travel durch eine effiziente und kostengünstige Produktion aufstellen und gleichzeitig mit der Marke TUI im modernen und margenstarken Reisemarkt durch innovative und differenzierte Hotelprodukte angreifen.

Was im TUI Konzern ebenfalls geschieht, ist – wie generell in der Wirtschaft – der Aufbau von hohen Cash-Positionen, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Pümpel: „Cash ist das Wichtigste in unserer Industrie, heute mehr noch als in der Vergangenheit. Sowohl die PLC als auch die AG schauen ganz akribisch auf Cash-Positionen. Die Liquidität zu erhalten, ist am aller wichtigsten.“

Das dürfte gelingen, wie TUI Travel CEO Peter Long Ende September im Zuge eines „Trading Updates“ bekannt gab: „Wir verzeichnen eine gute Cash Flow Entwicklung, die auch zu einer Verringerung unserer Netto-Verschuldung führt.“ Exakte Zahlen über das soeben zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2010/2011 wird die TUI Travel am 5. Dezember publizieren.

Bei ihren Budgets für das neue Geschäftsjahr 2011/2012 ging das TUI-Management in Österreich „generell von einer normalen Entwicklung aus.“ Die aktuellen Buchungen entsprechen laut Pümpel „den Rahmenbedingungen.“ Wobei dem erwähnten „Trading Update“ der TUI Travel zufolge in Österreich der durchschnittliche Verkaufspreis für den Winter 2011/2012 um 4 Prozent höher liegt als im Vorjahr, der Umsatz bisher um 5 Prozent stieg, während die Passagierzahlen auf Vorjahresniveau liegen. Diesbezüglich weist TUI in Österreich eine wesentlich bessere Entwicklung auf, als in Deutschland, wo es aktuell einen Passagierrückgang gibt.

Im Sommer 2011 war es umgekehrt, hier schnitt Deutschland deutlich besser ab, wobei in Österreich der Durchschnitts-Verkaufspreis um 3 Prozent gesteigert werden konnte, der Umsatz um 1 Prozent, während die Passagierzahlen um 1 Prozent rückläufig waren.

Für den Sommer 2012 rechnet TUI Österreich wieder mit Zuwächsen. Klaus Pümpel: „Man darf die Krise nicht planen sonst wird sie zur self-fulfilling prophecy. Ich gehe davon aus, dass wir die Zahlen erreichen werden.“ Speziell für die Destination Österreich ist Pümpel „immer optimistisch“, vor allem was die weiße Saison betrifft: „Österreich ist im Winter international on Top und ich bin überzeugt, dass sich Österreich positiv entwickeln wird. Im Winter muss man nur darauf schauen, dass die Preise nicht in den Himmel wachsen.“

Für den TUI Österreich CEO steht trotz täglich publizierter Krisen-Meldungen eines fest: „Reisen wird eine nachhaltige Wachstums-Angelegenheit sein, das Aufkommen erholt sich, wie die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, schnell. Sehnsucht und Träume sterben zuletzt und da gehören Reisen und Urlaub dazu.“ Ausführliches Interview unter: "Pümpel: 'Es kann immer noch mehr werden'"

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