Kampf der OTA-Giganten
HRS steht durch die Provisionserhöhung und Änderungen bei den AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) – welche vom Deutschen Bundeskartellamt ins Visier genommen wurden (siehe TAI24TOPNews auf www.tai.at) – im Moment im Zentrum der Kritik. Mit 60-Prozent Marktanteil in Deutschland durch den Kauf von Hotel.de hat die Buchungsplattform eine Dominanz erhalten, die problematisch wird. Doch für HRS, das zuletzt eine EGT-Rendite (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) von mehr als 30 Prozent aufwies, ist das trotz dieser guten Zahlen eine Flucht nach vorne. Denn international gesehen ist das Familien-Unternehmen aus Köln ein Zwerg und der Verdrängungswettbewerb der Online Travel Agents (OTA) wird härter.
T.A.I. hat die verfügbaren HRS-Zahlen (2009) mit jenen des Weltmarktführers Priceline (zu dem unter anderem Booking.com gehört) verglichen. Ergebnis: der Umsatz von HRS und Hotel.de zusammen machte mit 142 Mio. Euro nicht einmal die Hälfte des operativen Jahresgewinns (!) von Priceline (umgerechnet 357 Mio. Euro) aus. Der Priceline-Umsatz erreichte damals 1,77 Mrd. Euro, um 2010 auf 2,34 Mrd. Euro zu steigen. 2011 lag das Umsatz-Wachstum zwischen 27 und 32 Prozent (zum Vergleich: Hotel.de wuchs 2011 mit diese Woche publizierten 13,4 Prozent nicht einmal halb so stark auf 41,02 Mio. Euro Umsatz, EBIT 1,19 Mio. Euro).
Priceline legte damit deutlich stärker zu, als der Gesamtmarkt. Laut PhoCusWright ist das Buchungsaufkommen von Europas OTAs 2011 um 19 Prozent auf ein Volumen von 33,4 Mrd. Euro gewachsen. In diesem Tempo dürfte es weiter gehen: laut PhoCusWright wird Europa 2013 die USA als weltweit größten Markt für Online-Buchungen (in Relation zu den gesamten Reise-Buchungen) überholen. Für den Großteil dieses Wachstums werden vor allem die großen OTAs sorgen, die verstärkt nach Osteuropa vordringen.
Das Ganze vollzieht sich vor dem Hintergrund einer Konsolidierungswelle: so fusionierten 2011 Opodo, Go Voyage, eDreams und Travellink, die es zusammen auf einen Marktanteil (inklusive Airline-Buchungen etc.) von geschätzten 12 Prozent bringen, zum neuen Portal ODIGEO. HRS kaufte gegen Jahresende wie berichtet den Konkurrenten Hotel.de. Die beiden brachten es vor vier Jahren europaweit zusammen auf 2,2 Prozent Marktanteil (gemessen an allen Online-Buchungen). Aktuellere Zahlen für die beiden konnte T.A.I. nicht auftreiben. Gestiegen dürfte der Anteil aber nicht sein.
Im Gegensatz dazu legte Booking.com ein gigantisches Expansionstempo hin. Der Marktanteil in Europa an den gesamten Online-Buchungen lag 2007 noch bei 11 Prozent und damit auf Rang drei hinter Expedia (17,2 Prozent) und Travelocity/lastminute.com (12,3 Prozent). 2010 waren es bereits 22 Prozent und im Vorjahr kletterte der Booking.com-Marktanteil laut PhoCusWright auf 27 Prozent.
Damit setzte sich Priceline/Booking.com in Europa an die Spitze, mit Expedia, Lastminute.com, Ebookers und ODIGEO als Verfolger. Zusammen bringen es diese Top-Fünf auf mehr als 60 Prozent des europäischen OTA-Buchungsvolumens. PhoCusWright geht davon aus, dass die Konsolidierungswelle noch weiter gehen wird.
Nur die europäischen Online-Hotelreservierungen für sich genommen, heißt der alles dominierende Player ebenfalls Booking.com. Die Priceline-Tochter bringt es laut PhoCusWright auf einen Marktanteil von rund 50 Prozent.
PhoCusWright geht bei der Analyse noch ein wenig mehr in die Tiefe: im Durchschnitt sind Europas Hotels über 3,5 Online Travel Agents buchbar. Trotzdem erfolgt wie erwähnt die Hälfte der Buchungen über Booking.com, 30 Prozent verteilen sich auf die übrigen OTAs (wobei hier Expedia und ihre Schwestermarken Hotels.com, Hotwire und Venere den Löwenanteil für sich verbuchen können). Lediglich ein Fünftel der europäischen Hotelbuchungen kommt direkt über die Hotel-eigenen Websites zustande.
Die Dominanz der Großen führt europaweit zu dem, was HRS/hotel.de im deutschsprachigen Raum im Kleinen vollzog: zu einer Anhebung der Provisionen. Hand in Hand damit wurden auch „preferred programs“ für Hotels gestartet, die eine bevorzugte Listung bei den Suchresultaten garantieren. Max Starkov, President und CEO von Hospitality eBusiness Strategies, spricht hier von Kommissionen zwischen 18 und 20 Prozent, in manchen Fällen sogar von 25 Prozent.
Zwar sind zuletzt einige, wie Max Starkov es nennt, „Hotel-freundliche Online Travel Agents“ entstanden, die niedrigere Provisionen verlangen, doch werden diese nicht in der Lage sein, die Kommissions-Modelle der etablierten Anbieter, wie Expedia, Orbitz (zu der u.a. Ebookers gehört) oder Priceline zu beeinflussen (weniger Provision bedeuten niedrigere Einnahmen und damit weniger Budget für Werbung).
Zu den neu gegründeten Niedrig-Provisions-Portalen gehören u.a. Mybesthotelrate.com (dahinter steht die Asian American Hotel Owners Association), Global Hotel Exchange (Tom und Melissa Magnuson, deren Magnuson Hotels als die Welt größte unabhängige Hotelgruppe mit 2.000 angeschlossenen Betrieben in Nordamerika und Großbritannien auftritt) oder Roomkey.com rund um die Choice Hotels, Hilton, Hyatt, InterContinental, Marriott und Wyndham Hotel Group.
Max Starkov: „Jeder dieser Hotel-freundlichen Online Travel Agents hat sein eigenes, faires Provisions-Modell entwickelt, aber allen fehlt es an der kritischen Masse, die notwendig ist, um in dem überbesetzten Markt zu reussieren.“
Trotzdem sieht Starkov mittelfristig eine Entspannung auf die Hotellerie zukommen. Der Grund: die Provisionen der OTAs seien, so seine Aussage, mit jenen der Reisebüros verknüpft, die derzeit 10 Prozent verlangen. „In zwei bis drei Jahren wird keine der großen Hotelmarken mehr als 5 Prozent Provision an die Reisebüros zahlen, wenn überhaupt, ähnlich zu jener Entwicklung, welche die Airlines vorgegeben haben“, so seine Prognose. Und: „Das wird zu einem Erodieren der OTA-Provisionen auf ein Niveau von 10 bis 15 Prozent führen.“ Ein gewagtes Statement. Die Zukunft wird zeigen, ob er Recht behält.
Die Big-Player unter den Online Travel Agents
Weltweiter Marktführer ist die Priceline-Group mit Booking.com, priceline.com, Agoda.com und TravelJigsaw (Umsatz 2011 ca. 3 Mrd. Euro).
Auf Platz 2 rangiert Expedia mit expedia.com, Hotels.com, Hotwire und Venere (Umsatz 2011 ca. 2,6 Mrd. Euro).
Dahinter folgen auf Rang 3 die zur Sabre Group gehörenden OTAs Travelocity, lastminute.com und Zuji (die Sabre Holding ist nicht mehr Börse gelistet, daher gibt es keine aktuellen Zahlen; der Umsatz erreichte aber laut Forbes zuletzt rund 2,28 Mrd. Euro).
Orbitz Worldwide belegt mit Orbitz.com, Cheaptickets, ebookers, HotelClub und RatesToGo Platz 4 (Umsatz 2010 rund 575 Mio. Euro, die Zahlen 2011 wurden am 16. Februar nach Redaktionsschluss vorliegender Ausgabe publiziert), vor den beiden zu TUI Travel gehörenden Portalen laterooms und asia-rooms.
Weitere Online Travel Agents die international ebenfalls eine Rolle spielen sind Gullivers, octopustravel, Superbreak sowie HRS/hotel.de.


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