Fiktives Interview mit dem österreichischen Wirtschaftsminister/der Wirtschaftsministerin (kurz und gendergerecht: BM) zum 50. Geburtstag der T.A.I. April 2020.
T.A.I.: Sehr geehrte Frau Bundesministerin / sehr geehrter Herr Bundesminister – wenn Sie auf die Zeit seit 2010 zurückblicken – damals wurde eine Strategie für Österreichs Tourismus verabschiedet und 2015 in revidierter Form fortgesetzt – was sind die größten Erfolge, die Österreichs Tourismus in dieser Zeit erringen konnte?
BM: „Es ist uns allen, und ich meine hier wirklich alle, nämlich Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Tourismusmanager und Tourismuspolitiker, in gemeinsamer Arbeit gelungen, die Marktanteilsgewinne in Folge der Krise 2009/2010 auch in der folgenden Aufschwungphase weiter zu halten. Das gilt sowohl für Nächtigungen als auch Umsätze.
Dabei hat der konsolidierte jährliche Marketingplan, abgestimmt zwischen ÖW und Landestourismusorganisationen, sehr geholfen – die vorhandenen Mittel konnten und können so wesentlich wirksamer eingesetzt werden. Das gute Vertrauensverhältnis zwischen Bund und Ländern hat es auch ermöglicht, kraftvolle österreichweite Aktionen, wie zum Beispiel die konzentrierte Förderung von Schulskikursen, erfolgreich umzusetzen.
Das Zweigstellennetz der ÖW wurde in systematischer Form neu geordnet: In A-Märkten, den für unseren Tourismus wichtigsten, betreibt die ÖW ihre Außenstellen allein, in B-Märkten sind die jeweiligen Außenhandelsstellen mit den Agenden der Österreichwerbung betraut und haben gegebenenfalls eine Tourismusfachkraft im Einsatz. In C-Märkten machen das die Europazweigstellen, die für die gesamte EU bzw. die ETC zuständig sind. Außerdem werben Export und Tourismus Österreichs nunmehr unter einem einheitlichen Zeichen. Eine gemeinsame, nicht zuletzt durch unser Einwirken, auch tourismusfreundliche Visapolitik der EU hilft uns in vielen Ländern beim Akquirieren neuer Gäste.
Erwähnen möchte ich auch, dass die schon 2010 initiierte Arbeitsteilung bei der Förderpolitik zwischen EU, Bund und Ländern nunmehr ihre volle Wirkung entfaltet hat. Das hat sich vor allem bei der Qualitätsoffensive für unsere Thermen bewährt, die in einem harten internationalen Wettkampf stehen, und wo es schon seit geraumer Zeit um Profilierung und Differenzierung, weniger um Investitionen in neue Kapazitäten geht.“
T.A.I.: Welche Baustellen gibt es?
BM: „Nach wie vor den Arbeitsmarkt. Noch immer bilden wir auf einer Seite in unseren Tourismusschulen, deren Vielfalt, manche sagen Wildwuchs, noch zugenommen hat, viel zu viele Absolventen aus, die wegen mangelnder Zukunftsmöglichkeiten im Tourismus in andere Branchen abwandern. Am anderen Ende fehlen uns Hilfskräfte, die es halt braucht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.
Aber immerhin: Die Sozialpartner haben sich, nicht zuletzt auf Grund der Dringlichkeit der Probleme, zu einer gemeinsamen Sichtweise des Arbeitsmarktes zusammengerauft. Aufgrund dieser abgestimmten und durch allseits anerkannte Experten objektivierten Einschätzung der Lage wird es ihnen besser als bisher möglich sein, ohne Aufregung über Karrierebilder, Teilzeitmodelle aber auch notwendige und heutzutage leider nur mehr aufwändig anzuwerbende Arbeitskräfte aus dem Ausland zu reden. Auch darüber, dass Tourismus- und Freizeitwirtschaft immer einen nicht geringen Prozentsatz von Anlernkräften haben werden, wo sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zeitweilig das Geld für ihren weiteren Berufs- oder Studienweg oder einfach nur zur Aufbesserung ihres Haushaltsbudgets verdienen wollen und keine Lebensstellung anstreben. Ein wichtiges Anliegen ist es mir auch, Energieeffizienz im Tourismus wie in der ganzen anderen Wirtschaft zu fördern. Nicht zuletzt wegen der hohen Preise für Erdöl und Erdgas, aber ebenso aus Unweltverträglichkeitsgründen.“
T.A.I.: Apropos Umwelt: Wie sehen Sie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus und was können wir dabei tun?
BM: „Da kann ich nur wiedergeben, was die Experten sagen, die allerdings mehr denn je darüber uneinig sind, welches Ausmaß der Klimawandel annehmen wird, was seine Ursachen sind und in welcher Form er sich auf unser aller Leben auswirken kann. Doch damit beschäftigt sich ja Gott sei Dank die EU in sehr ernsthafter Form. Was wir hier in Österreich tun können, ist es, etwaige mögliche Auswirkungen auf den Tourismus zu mildern – Stichwort Schneesicherheit durch Schneeerzeugung und schonende Erschließung höher gelegener Gebiete im Winter und Förderung attraktiver Garten- und Badelandschaften im Sommer.“
T.A.I.: Und wenn Sie sich noch etwas für die nächste Zukunft wünschen könnten?
BM: „Unbedingt eine Winterolympiade, schon wegen der guten Werbung für das Schneetourismusland Österreich. Und (lacht) natürlich auch, damit alle die Wintersport-Trainer, die wir in die ganze Welt exportieren, einmal ihre zu Hause aktiven Kollegen in heimatlicher Atmosphäre treffen können. Außerdem würde ich mir mehr Aktionen ähnlich der des Jahres 2012 wünschen, als wir den 150. Geburtstag des Österreichischen Alpenvereins für eine großartige Inszenierung des Berg- und Wandertourismus in Österreich genützt haben.“
T.A.I.: Wir danken für das Gespräch.
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