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Die Zukunft des Tourismus

Herausforderungen & Erfolgsfaktoren im Wandel der Zeit

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Mag. Renate J. Danler, Geschäftsführerin HOFBURG Vienna

Die T.A.I. feiert 2010 ihr 40-jähriges Jubiläum, die HOFBURG Vienna 2008/09 ihr 50-jähriges Bestehen als internationales Kongress- und Veranstaltungszentrum. Kann dies denn Zufall sein? Eher kaum, denn in den 1950er und 1960er Jahren wurden ganz wesentliche touristische Einrichtungen – wie übrigens auch die AUA und das Vienna Convention Bureau – geschaffen. Es waren die Jahre der großen Aufbruchsstimmung, die das Entstehen der Kongress- und Tagungsindustrie, wie wir sie heute kennen, erst ermöglichten. Auch jetzt, 2010, erleben wir angesichts der globalen Wirtschaftskrise tiefgreifende Veränderungen im Gesellschafts- und Wirtschaftsleben. Es wird sogar von Paradigmenwechsel gesprochen, kein Stein werde auf dem anderen bleiben.

Diese Zeit der Veränderung birgt neben Risken aber auch viele Chancen für unsere Branche. Auch wenn wir die nächsten Jahre von keinem großen Wirtschaftswachstum ausgehen können, vielleicht sogar mit Rückschlägen rechnen müssen, gilt es neue Konzepte und Modelle zu entwickeln, um mit den gegebenen Ressourcen bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Neue Wege, Kooperationen und Allianzen öffnen sich. Während all dieser Herausforderungen wird uns die T.A.I. gewiss auch weiterhin als treuer, kritischer und konstruktiver medialer Partner begleiten.

Als Frau und Tirolerin, die im Tourismus groß geworden ist, könnte ich unterschiedlichste Entwicklungen beleuchten. Doch in dieser Festschrift setze ich den Schwerpunkt auf die Kongresswirtschaft im allgemeinen und die Herausforderungen eines Kongress- und Veranstaltungszentrums im besonderen, darf ich doch schon mehr als drei Jahrzehnte diese faszinierende Welt mitgestalten. So sei mir ein Blick von Innsbruck über Alpbach, Kitzbühel nach Wien erlaubt.

Grundsätzlich gilt, dass jede Destination ihren Markt hat, sich jedoch nicht jeder Ort als Kongresslocation eignet. Ein klares Vorstellungsbild von den realistischen Möglichkeiten ist dabei wesentlich. Für Österreich zeigt sich, dass der heimische Markt mit seinen Persönlichkeiten und die „unmittelbaren Nachbarländer“ (vor allem der süddeutsche Raum) am wichtigsten sind. Um sich als Kongressdestination aber entwickeln und behaupten zu können, ist ein touristischer Bekanntheitsgrad und eine gute Erreichbarkeit förderlich.

Erfolgsstorys Tirol und Wien

So ist Innsbruck mit seinem Kongresszentrum (eröffnet 1973) dank des Images als Sport- und Universitätsstadt unter den ersteren  im Kongress- und Veranstaltungsgeschäft. Die akademische Welt gibt im Tagungsbereich den Ton an, allen voran die vielen Professoren, die den guten Ruf der Leopold-Franzens-Universität und Medizinischen Universität Innsbruck durch ihre Forschung und ihr Wirken in internationalen Vereinigungen und Verbänden festigen. Aber auch deutschsprachige Dreiländertagungen sind durch die geographische Lage gerne in Innsbruck zu Gast. Ebenso die Strategie, Eigenveranstaltungen zu kreieren, um einerseits Kompetenz zu zeigen und andererseits Terminlücken zu schließen, zeigte sich als erfolgreich. So wurde u.a. auch die „Interalpin“ initiiert, heute die bedeutendste Fachmesse für Winterdiensttechnik und Ski Area Management.

Das Tiroler Bergdorf Alpbach zählt bereits seit 1945 mit seinem „Europäischen Forum Alpbach“, das seither alljährlich im August stattfindet, zu den herausragenden Kongressorten. Ausschlaggebend dabei waren die Initiatoren Otto Molden und Simon Moser, die aus den Kriegswirren heraus, Persönlichkeiten, Wissenschafter, Politiker und Künstler aus aller Welt versammelten, um über europäische Grenzen hinweg Probleme und Perspektiven zu diskutieren. Eine Persönlichkeit, eine Bewegung war also entscheidend, dass eine schmucke Berggemeinde als „Dorf der Denker“ und Kongressdestination weltweit bekannt wurde. Viele Institutionen und Firmen wählen Alpbach als Kongressstätte nicht zuletzt aufgrund dieser wissenschaftlichen Reputation.  

Kitzbühel als mondäner Winter- und Sommersportort hat eine über 100-jährige Tourismustradition. Sportwettbewerbe wie Alpin-Skirennen (Hahnenkammrennen) oder Tennis und Golf dominierten und ziehen auch Fachtagungen mit sich. Sportstadien gibt es daher seit längerem. Hotels mit Konferenzeinrichtungen ergänzen das touristische Angebot. Seit kurzem gibt es aber dank der Wirtschaftskammer Tirol ein multifunktionelles Kongressgebäude, das schon seit Jahrzehnten angedacht, geplant und gewünscht war. Man darf gespannt sein, wie die Gamsstadt sich auch als Kongressstadt positionieren wird.

Wien als Weltstadt ist hier eine Klasse für sich: Die zentrale Lage im Herzen Europas und seine Rolle als Hauptstadt sowie seine Funktion als Brücke zwischen Ost- und Westeuropa, aber auch die Niederlassung von internationalen Organisationen wie beispielsweise die UN (United Nations) waren sicher ein Schlüssel zum Erfolg für die Entwicklung als führende Kongressstadt. Ebenso hat Wien durch die starke universitäre Landschaft, nationale wie internationale Forschungseinrichtungen, aber auch durch Firmensitze von Weltkonzernen neben der bequemen Erreichbarkeit gute Karten in der Hand.

Die drei großen Kongresszentren, ergänzt durch ein hervorragendes Hotelangebot, machen Wien zu der Kongressdestination Nummer 1. Die HOFBURG Vienna, als ehemalige Kaiserresidenz, nur einige Gehminuten von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und kulturellen Einrichtungen, ist weltweit einzigartig als Kongress- und Veranstaltungszentrum. Auch das Austria Center Vienna, das im Jahre

1987 unter Bundeskanzler Bruno Kreisky eröffnet wurde, und die Reed Messe Wien, die im Jahre 2004 ihr Messegelände mit Kongresseinrichtungen aufwerten konnte, ergänzen das Kongress- und Tagungsangebot optimal. Was genau macht nun aber die HOFBURG Vienna so einzigartig und gibt ihr gute Zukunftsaussichten?

Buchungen bis in das Jahr 2020


Seit Bestehen in ihrer jetzigen Konstellation (1969) arbeitet sie mit schwarzen Zahlen und ist eine der ersten erfolgreichen Privatisierungen der Republik Österreich. Obwohl Kongresse und Tagungen nicht über das ganze Jahr stattfinden, verstand und versteht es das Management mit unterschiedlichen Veranstaltungsarten immer Saison zu haben. Im Jänner und Februar ziehen die 17 Traditionsbälle gut 55.000 Besucher an, während Kongresse und Tagungen im Frühjahr und Herbst Hauptsaison haben. Im Sommer erfüllt ein wahrer Konzertreigen (mittlerweile gibt es jährlich an die 100 Konzerte) das Haus, im Herbst sind wir zudem  Schauplatz von Fach- und Publikumsmessen. Der Dezember glänzt durch eine stattliche Anzahl von Weihnachtsfeiern. Und das ganze Jahr über werden Gala-Abende, Bankette und Festveranstaltungen gebucht. Immer wieder dürfen wir auch Drehort für Filme sein. Der breite Veranstaltungsmix, aber auch der erfreulich hohe Anteil von 60 Prozent Stamm- und Wiederholungskunden sind die Basis unseres Erfolges. Mit unseren 35 Sälen auf 17.000 m² machen wir einen Nettoumsatz von rund 10 Mio. Euro (ohne Catering). Ein Spezifikum ist noch der permanente Konferenzsitz der OSCE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) mit 56 Mitgliedsstaaten. Über 65.000 Delegierte und Tagungsteilnehmer machen die Hofburg das ganze Jahr über zum internationalen Treffpunkt.

Buchungen haben wir bereits bis in das Jahr 2020 und darüber hinaus. Wer alles in der Hofburg in der jüngeren Geschichte konferiert hat, liest sich wie ein „Who is Who“ der Zeitgeschichte, und auch die über 700-jährige imperiale Vergangenheit der Habsburger Residenz selbst ist beeindruckend, jeder Saal schreibt buchstäblich Geschichte. Und nicht wenige Kunden lassen sich von der Historie und dem Ambiente für ihre Veranstaltung inspirieren. Zwei Drittel unseres Umsatzes resultiert aus dem Kongressgeschäft. Unser strategischer Fokus liegt auf  mehrtägigen Veranstaltungen ab 300 Personen aufwärts. Insgesamt beherbergen wir jährlich gut 300 Veranstaltungen mit über 300.000 Gästen. Gemeinsam mit dem permanenten Konferenzsitz tragen wir mit einer Wertschöpfung zwischen 180 und 200 Mio. Euro für die Stadt und das Land bei.

Konzentration des Marktes

Die Herausforderung für die Kongressstadt Wien ist sicherlich ihre Attraktivität als Kultur-, Wirtschafts- und Wissensstandort zu erhalten und auszubauen. Neben der herausragenden touristischen Infrastruktur ist exzellente Erreichbarkeit mit guten Fluganbindungen aus aller Welt ganz wesentlich. Österreich sollte trotz der angekündigten Budgeteinschnitte auch weiterhin eine diplomatische Rolle als Drehscheibe der EU- und Weltpolitik spielen. Gerade ein neutrales und kleines Land wie Österreich kann sich hier einmal mehr behaupten. So sollte die öffentliche Hand, Ministerien, Universitäten, auch weiterhin als Kongressveranstalter auftreten und durch Zusammenkünfte, Meinungs- und Erfahrungsaustausch den Wissensstandort Österreich stärken und die Wirtschaft beleben. Das Thema Sicherheit wird angesichts der steigenden Kriminalität immer mehr zu einem Entscheidungsfaktor der Kongressveranstalter. Höchst entscheidend ist es auch für die Zukunft, Persönlichkeiten und Institutionen vor Ort zu haben, die durch ihr bedeutendes Wirken Kongresse und Tagungen nach Wien ziehen.

Im Bereich Marketing und Sales werden neben den bestehenden Kongressmärkten in Europa und den USA auch die zentral- und osteuropäischen Länder, vor allem auch Asien, eine Herausforderung sein. Sie werden nicht nur vermehrt mit ihren Kongressfazilitäten als Mitbewerber am Markt präsent sein, sondern sich auch verstärkt als Teilnehmer und Gast im internationalen Tagungsgeschehen einbringen. Gleichzeitig erschließt sich durch das Internet ein globaler Markt, der uns ungleich mehr Chancen bietet. Wir gehen auch hier von einer Konzentration des Marktes aus: Starke werden noch stärker. Die HOFBURG Vienna positioniert sich hier als erste Adresse Europas, und dementsprechend müssen wir in allen Bereichen ein Center of Excellence sein.

Einzigartig, nicht austauschbar!

Der Spagat zwischen Tradition und Moderne ist gerade in einem historischen und unter Denkmalschutz stehenden Haus immer eine große Herausforderung, gelingt uns aber, wie ich meine, sehr gut. State-of-the-art zu sein in Einrichtung, Ausstattung und Technologie gilt heute im internationalen Wettbewerb als Voraussetzung und ist im Hinblick auf die aufwändigen Inszenierungen auch Schlüsselfaktor im Kosten-/Nutzenmanagement. Neue Technologien wie Videokonferenzen und mobile Services werden in Zukunft sicher kleinere Geschäftsbereiche oder die eine oder andere Geschäftsreise überflüssig machen, doch unser Kerngeschäft dürfte es weniger betreffen, da es ein Urbedürfnis des Menschen ist, sich persönlich kennenzulernen und auszutauschen, wie überhaupt Netzwerke, Allianzen oder Partnerschaften immer gewichtiger werden.

Eine weitere Herausforderung gerade jetzt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die „neue Bescheidenheit“ und auch bestimmte Auflagen seitens der Industrie wie z.B. der Pharma-Kodex. Dies spiegelt sich vor allem im Catering, teilweise aber auch in der Event-Inszenierung, aber auch in der Auswahl von Locations wider. Mit dem Veranstaltungsort „kauft“ man sich ein gewisses Produktimage ein; hier wirkt die Hofburg mitunter als „Luxus-Produkt“. Allerdings zeigt uns die Bilanz der Galaabende und Bankette, aber auch die Ballsaison in den Jahren 2009 und 2010, ein anderes Bild, konnten doch Rekordumsätze in diesem Segment realisiert werden. Hier spielt sicherlich das einzigartige Ambiente der Hofburg eine wesentliche Rolle, da die Räume für sich wirken und kaum zusätzliche Dekoration erfordern. Nachhaltigkeit wird sowohl aus der Kundenperspektive (Richtlinien für „Green Meetings“) als auch aus Sicht des Kongress- und Veranstaltungszentrums (Wettbewerbsvorteil, Kostenmanagement, CSR) immer bestimmender. Dies dürfte auch für den Hofburg-Komplex in den nächsten Jahren ein großes Thema sein. Trotz unseres Denkmalschutzes können wir schon auf gute Maßnahmen verweisen.

Unser breiter Veranstaltungsmix ermöglicht uns eine gute Risikostreuung. Unsere Managementstrategie, mit einem relativ kleinen professionellen Kernteam und erfahrenen Partnerfirmen in Spitzenzeiten zusammenzuarbeiten, ist ein wesentlicher Garant für das gute Betriebsergebnis. Im Vergleich zu vielen anderen modernen Kongresszentren ist und bleibt die Hofburg einzigartig, nicht austauschbar, was uns sehr hoffnungsfroh für die Zukunft macht.

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