Die Luftfahrtbranche steckt derzeit in einem massiven Strukturwandel. Die aktuelle Wirtschaftskrise verstärkt diesen Wandel, sie hat ihn aber nicht ausgelöst: Die Preise sinken, immer weniger Passagiere fliegen Business Class, der Wettbewerb nimmt stetig zu und einst so klare Grenzen zwischen Netzwerkcarriern und Low Cost Carriern verschwimmen.
Vor mehr als 15 Jahren – zu Beginn der Liberalisierung der Luftfahrt in Europa – waren die Unterschiede noch sehr deutlich: Auf der einen Seite die traditionellen Netzwerkcarrier, die sich im Staatsbesitz befanden. Auf der anderen Seite junge, agressive Low Cost Carrier, die mit völlig neuen Konzepten und niedrigen Ticketpreisen den Markt radikal veränderten und sehr schnell Marktanteile eroberten.
Das Konzept der Low Cost Carrier war anfangs sehr einfach: Die niedrigen Ticketpreise gingen mit einer niedrigeren Flexibilität, weniger Service und einem geringeren Komfort einher. Essen und Getränke an Bord gab es nur gegen Aufpreis. Die An- und Abflughäfen lagen häufig abseits der großen Flughäfen und damit abseits der Verkehrsknotenpunkte. Die kleinen Regionalflughäfen brachten den Low Cost Carriern auch den Vorteil, dass die Start-, Lande-, Abfertigungs- und Abstellgebühren günstiger waren. Mit diesem Konzept waren die Low Cost Carrier anfangs sehr erfolgreich. Auf der anderen Seite standen die etablierten Netzcarrier. Sie taten sich anfangs sehr schwer, eine passende Antwort auf die neuen, aggressiven Mitbewerber mit ihren schlanken Kostenstrukturen zu finden.
Die Finanzkrise der letzten zwei Jahre hat den Wandel noch einmal beschleunigt. Die Geschäftskunden sind zunehmend preisbewußter geworden. Viele Unternehmen haben ihre Reiserichtlinien geändert, sodass viele Geschäftsreisende auf Mittelstrecken nicht mehr Business, sondern nur mehr Economy Class fliegen dürfen. Low Cost Carrier wie Air Berlin und Germanwings sind salonfähig geworden und werden auch von Geschäftsreisenden gebucht. Die Folge: Low Cost Carrier kannibalisieren die Netzcarrier immer stärker. Die Netzcarrier sind somit gezwungen, ein Basisprodukt zu konkurrenzfähigen Preisen im Produktportfolio anzubieten. Machen sie das nicht, droht ein starker Verlust von Marktanteilen.
Aus Low werden Maturity Cost Airlines
Aber auch die Low Cost Carrier verändern sich. Sie beginnen ihr Geschäftsmodell zu verändern. Die Kunden verlangen auch von ihnen zunehmend mehr Qualität, und die Low Cost Carrier reagieren, indem Sie sich dem Qualitätsmodell der Netzwerkairlines annähern: Low Cost Carrier führen kostenloses Essen und Getränke an Bord ein. Sie eröffnen Lounges und bauen Vielfliegerprogramme auf. Und sie beginnen, eigene Drehkreuze zu etablieren. Das hat vor allem einen großen Effekt: Der Kostenvorteil der Low Cost Carrier schrumpft. Denn je komplexer ihr Geschäftsmodell wird, desto mehr steigen die Kosten.
Dieser Trend wird dadurch verstärkt, dass die Low Cost Carrier nun mittlerweile auch mit den sogenannten „Maturity Costs“ konfrontiert sind. Bislang haben Air Berlin, Easy Jet oder Ryan Air den Vorteil, als relativ junge Unternehmen keine Senioritätskosten zu haben: Die Mitarbeiter sind jung. Die Flugzeuge sind jung. Entsprechend niedrig sind die Löhne und die Investitionen in die Flotte sind noch hauptsächlich Wachstumsinvestitionen. Aber das beginnt sich nun zu ändern. Die jungen Wilden kommen in die Jahre.
Fazit: Die Geschäftsmodelle der Low Cost Carrier und der Netzcarrier beginnen sich allmählich anzunähern. Was bedeutet diese Annäherung für die Netzcarrier wie Austrian Airlines?
Qualität mit mehr Effizienz
Wir haben eine große Chance, aber um sie nutzen zu können, müssen wir sehr rasch sehr entschlossen handeln. Und genau das tun wir. Wir haben ein Konzept zur Sanierung des Unternehmens, das wir jetzt konsequent umsetzen – Austrian Next Generation. Das Konzept basiert auf zwei Pfeilern: Die Maßnahmen zur Kostensenkung und die neue Marktstrategie.
Mit den umfassenden Maßnahmen zur Kostensenkung bringen wir unsere Kosten auf ein konkurrenzfähiges Niveau. Das verschafft uns den notwendigen Spielraum für eine neue, aktive Marktstrategie. Wir bieten den Kunden ein verbessertes Angebot zu attraktiven Preisen: Wir setzen größere Flugzeuge ein, wir bieten mehr Flüge auf wichtigen Verbindungen an, und wir entwickeln neue Zusatzservices. Das alles zu konkurrenzfähigen, attraktiven Preisen. Dabei ist eines sehr wichtig: Austrian wird kein Billigflieger. Im Gegenteil: Wir sind vielmehr ein Vollsortimenter. Vom kurzen Direktflug mit Biligflugpreisen bis hin zum Business Class Flug auf der Langstrecke haben wir alles im Programm. Wir verbessern unsere Qualität dort, wo es für den Kunden relevant ist – Stichwort: Mehr Abflüge von Fingerpositionen, hohe Pünktlichkeit, verbesserte Flugpläne und ein Catering auf Top-Niveau. Nur produzieren wir diese Qualität nun deutlich effizienter als vorher und sind damit konkurrenzfähig.
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mit dieser neuen Marktstrategie die Zahl der Passagiere im Linienverkehr ab dem Sommerflugplan 2010 um rund 1 Million pro Jahr zu steigern. Wir sind überzeugt davon, dass uns das gelingen wird. Wir werden alles geben, damit wir auch in Zukunft ein starker Partner für die heimische Tourismusindustrie sein werden und T.A.I. so auch in den nächsten 40 Jahren viele Erfolgsstorys liefern werden.
Wir wünschen T.A.I., einem langjährigen Begleiter von Austrian Airlines, alles Gute zum 40. Geburtstag!
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