Liebe T.A.I., zum Jubiläum zu gratulieren freut mich ganz besonders, denn ich war von Anfang an dabei. Es waren explosive 40 Jahre: in der Luftfahrt ging es mit atemberaubendem Tempo immer nur nach oben. Natürlich gab es einige Dellen (Ölschocks, Kriege, Seuchen, 9/11, Finanzkrise, Vulkanasche), aber die kontinuierliche Weiterentwicklung der Luftfahrt hielt Schritt mit anderen Industrien:
Turbojets – Turbofans, Boeing 707 – Boeing 777 – Airbus A 380; Flugzeug- und Triebweksmodifikationen führten zu niedrigerem Treibstoffverbrauch, geringerer Lärmbelästigung und Reduktion des CO2-Ausstosses; operationelle und technische Sicherheit durch neue Technologien und satellitengesteuerte Prozesse; Kooperationen – Code Shares – Allianzen – Mergers; die Liberalisierung brachte verstärkten Wettbewerb zu neuen Destinationen und neue Betriebsformen: Low Cost Carriers; Anpassung der Verkehrsströme mit Huband-Spoke-Systemen, Allianzen oder High Density touristischen Routen; automatisierte Kunden- und Bodenprozesse beschleunigen die Dienstleistungskette. Über die Flugpreise vor 40 Jahren (in österreichischen Schilling) kann man heute nur mehr lachen. Und Flugzeuge braucht man heutzutage nicht mehr kaufen, der Operating Lease erleichtert vieles, (hoffentlich) auch die Wirtschaftlichkeit.
Der Evolutionsdruck
Die Liberalisierung und auch die letzte Finanzkrise haben zur Fitness beigetragen und vieles im Luftverkehr verändert. Aber der Prozess ist noch lange nicht zu Ende. Denn wie sieht der Luftverkehr in 10 bis 15 Jahren aus? Ja, viele denken über die zukünftigen Verkehrsströme, Märkte der Zukunft, neue Technologien, Wirtschaftlichkeitsformen, Dienstleistungseffizienz und kreative Organisationsformen nach – denn gerade jetzt besteht die Möglichkeit, Veränderungen zu setzen. Der griechische Philisoph Heraclitus meinte vor 2.500 Jahren „Nichts ist beständig außer dem Wandel“. Der Wandel hat ja schon begonnen. Eine der Voraussetzungen zur Evolution: die wirtschaftliche Fitness und Offenheit zu Neuem, zur Veränderung.
Was wird neu, was kommt auf uns zu?
Die Mobilität, eines der Grundbedürfnisse der Menschheit, wird nach wie vor steigen, sie wächst unaufhörlich. Der Luftverkehr verbindet Menschen, Länder, Wirtschaftszentren und Kulturen. Er wird weiterhin hervorragende Wachstumschancen haben, der langfristige Wachstumspfad wird – trotz jetziger Finanz- und Wirtschaftskrise – wieder erreicht werden.
Hier meine Ansätze für ein Zukunftsflair in 20 Punkten - was sich bis 2025 verändern wird:
Der soziale Standard wird gehoben sein, jedoch der Unterschied zwischen arm und reich wird stärker ausgeprägt sein. Ohne Zweifel wird durch den Bevölkerungszuwachs auch die Mittelschicht stärker; bei fallenden Flugpreisen wird die Ausprägung für Flugreisen durch Menge (Massentransport) weiterhin stark steigen – der Flugverkehr wird sich alle 15 bis 20 Jahre verdoppeln.
1. Globale Luftverkehrsströme und Marktführer verlagern sich nach Fernost.
2. Globalisierung – Liberalisierung - Privatisierung im Luftverkehr wird verdichtet.
3. Das Wachstum im Luftverkehr entwickelt sich kontinuierlich.
Das Bevölkerungswachstum, die soziologische Entwicklung und der Wettbewerb bringen neue Bevölkerungsschichten zum Luftverkehr, die sich in zunehmender Nachfrage widerspiegeln. Ich gehe von einer ständig wachsenden, aber volatilen Nachfrage aus. Hochgeschwindigkeitszüge haben die Luftverkehrs-Nachfrage bis zu einem Umkreis von 1.000 Kilometern reduziert, wodurch es zu Änderungen der Flugzeugkapazitäten und -reichweiten kommen wird.
4. Technologie und Automatisierung haben absoluten Vorrang.
5. Kapazitäten und Flugzeug-Design ändern sich.
Die steigende Nachfrage und der Trend zum Mengentransport spiegelt sich in neuen, größeren, leichteren und operationell billigeren Flugzeugtypen wider. Damit wird auch das Flugzeug-Design verändert sein, auch bedingt durch technologische Fortschritte und neuartige Antriebsmittel.
Geschwindigkeit: Neue Flugzeugformen entstehen durch aerodynamische Verbesserungen, die Geschwindigkeit wird auch mehrere Mach oder Space Shutteling (Branson) beinhalten.
6. Die technisch-operationelle Sicherheit wird super ausgebaut sein.
Die wirtschaftlichen Staatenverbände auf den Kontinenten (EU, ASEAN, Indien, China, NAFTA) werden auch das Umfeld der technisch-operationellen Sicherheit (Safety) beeinflussen. Die Technologien, Prozesse, Sicherheitsstandards, Kontrollen und Ausbildung werden weltweit harmonisiert sein und so zur höchsten Sicherheits-Performance beitragen.
7. Der Flugbetrieb wird elektronisch geleitet und sicher sein.
Operationelle Sicherheit wird durch satellitengesteuerte Systeme, durch neue Technologien und optimierte Prozessabläufe gegeben sein. Die Pünktlichkeit wird sich durch Single European Sky bzw. Functional Blocks und effizientere Leitsysteme verbessert sein. Die Koordination zwischen Airlines-Flughäfen-Flugsicherung wird optimiert sein.
8. Ein geändertes Konsumverhalten wird sich noch mehr ausprägen und das Fliegen wird für den erfahrenen Airline-Kunden einfacher.
9. Strategieänderung: Vieles, aber nicht alles wird sich ändern.
10. Die Kontinuierliche Kostenreduktion bleibt aufrecht, wird noch verfeinerter.
Es gibt mehr Automatisation, Treibstoffreduktion und Auslagerungen auf Drittleister. Dienstleistungen über dem Durchschnitt werden kostenpflichtig angeboten, um die operationellen Kosten zu senken.
11. Die Prozesse und die Effizienz werden noch genauer, ausgefeilter sein.
Effizienz in Zeit, Kosten und Komfort sowie verbesserte Koordination der Stakeholder erleichtern die Prozesse im Luftverkehr enorm. Die Luftfahrt-Partner werden stärker kooperieren um die Probleme (Umwelt, neue Steuern, Fuel, Infrastruktur in der Luft und am Boden, neue Flugzeugtypen) gemeinsam zu lösen.
12. Infrastruktur in Österreich.
13. Die Intermodalität nimmt – Gott sei Dank – zu.
Intermodalität steigert die Mobilität und spart Ressourcen.
14. Die persönliche Sicherheit.
Security hat einen höchsten Standard erreicht, unterstützt durch neue Technologien; aber nach wie vor ist man gegen Terrorismus nicht geschützt.
15. Umwelt – Ressourcen/Energie.
Die Luftverkehrsindustrie trägt zur Nachhaltigkeit in Emissionsreduktionen und Lärmverringerung bei: enorme Verbesserungen durch neue Flugverfahren, kürzere Flugrouten (Single European Sky), geringeren Treibstoffverbrauch und Gewichtsreduktionen; erreicht wird dies durch Beimengung von Biotreibstoffen, neue Triebwerkstechnologien und neue, aerodynamische Rumpf- und Flügeldesigns für umweltfreundlichere Flugzeuge.
16. Die Wirtschaftlichkeit der Luftverkehr-Stakeholder wird verbessert sein.
Endlich lohnt es sich auch für Investoren wieder interessant in der Luftfahrt anzulegen. Nach wie vor wird es den billigen „Ab-Preis“ geben, aber Fliegen wird durch erhöhte Gebühren und Steuern im wesentlichen teurer. Die Fluglinien werden vielleicht nie mehr diese fantastischen Premium-Einnahmen haben, aber nach Konsolidierungen halbwegs solide Erträge über Konjunkturzyklen hinweg.
17. EAG wird GAG.
Die European Airline Group (EAL) der Lufthansa-Gruppe wird zu einer Global Airline Group (GAG) ausgebaut sein: durch die globale Liberalisierung werden Mergers kontinentübergreifend möglich sein und wechselseitige Beteiligungen mit einer amerikanischen und chinesischen Fluglinie werden gegeben sein. Auch die Air France-Gruppe und British/Iberia-Gruppe werden weltweit verstrickt sein.
Und Austrian Airlines wird ihre Stärken ausgebaut, ihre Kompetenz für Zentral-, Osteuropa und Zentralasien in der GAG gestärkt haben und mit ihrem exzellenten Service punkten.
18. Die Airline-Mitarbeiter
werden zu Spezialisten ausgebildet sein: sie werden fachbezogen gut weitergebildet sein und durch Arbeitsteilung viele Leistungen zukaufen und angekaufte Dienste managen.
19. Luftfahrtpolitik
20. UND: WO SICH NOCH NICHTS GEÄNDERT HABEN WIRD:
Öffentliche Beteiligungen an Verkehrsinfrastrukturen (Flughäfen, Air Traffic Control) werden aus politischen Gründen – nicht nur in Österreich – noch immer diskutiert. Und die Politiker werden auch 2025 froh sein, dass sich der Luftverkehr die Wegekosten nach wie vor selbst zahlt, und nicht subventioniert werden muss. Denn im Luftverkehr herrschen dann Vernunft, Verantwortung und Visionen.
Und T.A.I. wird dann das 55. Jubiläumsjahr angehen.
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