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Die Zukunft des Tourismus

30 Mrd. Mehrumsatz für Österreichs Tourismus

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Rudolf Tucek, CEO Vienna International Hotelmanagement AG

Ich gratuliere herzlichst zum 40igsten Geburtstag der T.A.I. und bedanke mich für die Einladung, einen Beitrag für die geplante Jubiläumsausgabe übermitteln zu dürfen. Der letzte Beitrag anlässlich des 30-jährigen Jubiläums hat sich aufgrund meiner damaligen Funktion hauptsächlich mit den Entwicklungen der Reisemittler beschäftigt. Liest man heute diesen zehn Jahre alten Artikel, so lässt sich in der damaligen Prognose eine hohe Treffsicherheit erkennen. Einzig die Tatsache der Verschmelzung der Technologieträger PC- und Internet-Anwendungen mit den TV-Technologien hat länger gedauert und steht heute – folgt man den Präsentationen der Audioanbieter – unmittelbar bevor. Nicht vorhersehbar war damals der Durchbruch der BlackBerry und iPhone Technologie.

Der Logik meines heutigen Beschäftigungsfeldes – nämlich der Hotellerie – folgend, komme ich gerne der T.A.I. Redaktions-Anfrage nach neuen Prognosen für die kommenden Jahre nach.

Die Herausforderungen, denen sich der Tourismus – insbesondere der Ferientourismus – stellen muss, sind hinlänglich bekannt. Die Forderung nach

  • effizientem, teilweise steuerfinanziertem Marketing,
  • die Notwendigkeit der Verdichtung von Destinationsmarketing, um im Wettbewerb überhaupt wahrgenommen zu werden,
  • die nach wie vor extrem kleinteiligen Betriebsstrukturen,
  • sowie das Problem des schlechten Arbeitgeberimages, verstärkt vor allem durch jene, deren Aufgabe genau das Gegenteil wäre,

sind altbekannte und oft beklagte  Phänomene. Dies wird sich in den kommenden 10 Jahren auch nur für jene ändern, die den Mut aufbringen, bereits eingeleitete Entwicklungen als Chance zu begreifen und entsprechend zu handeln. Zum Glück gibt es viele positive Beispiele, die als Referenz dienen können und die es trotz unnötig schwieriger Rahmenbedingungen immer wieder schaffen. Es wird daher Aufgabe der Medien sein und bleiben, diese Beispiele vor den Vorhang zu holen. Denn meistens sind jene Vorbilder so damit beschäftigt ihre Aktivitäten umzusetzen, dass sie keine Zeit dafür haben oder auch nicht Willens sind, ihre hervorragende und damit verbundene Beispielwirkung entsprechend breit darzustellen.

Doch beginnen wir die simple kaufmännische Gewinn- und Verlustrechnung mit dem Chancenpotenzial im Bereich Umsatz und Ertrag am Beispiel der Ferientouristiker. Selbst gut ausgelastete und erfolgreiche Hoteliers sind im Winter durchschnittlich 100 bis 120 Tage voll belegt. Im Sommer liegt die Auslastung hingegen lediglich bei durchschnittlich 60 Tagen. Nachdem die Marketingaktivitäten aber in der Regel ohne zeitliche Begrenzung durchgeführt werden, liegt das zukünftige Umsatzwachstum logischerweise in der Ausdehnung der Betriebstage (Saisonverlängerung). Damit dies auch umsetzbar wird, müssen sich Unternehmer in den jeweiligen Zielgebieten über die gelernte Saison hinaus zusammenfinden und gemeinsam das touristische Produkt – egal für welche Zielgruppe – anbieten. Dies würde bedeuten, dass es zukünftig ein Zusammenrücken der touristischen Leistungsanbieter (Hoteliers, Gastronomen, Bergbahnen, Skischulen, Sportverleih, etc.) geben muss. Gleichzeitig müssen sich die Unternehmer Schritt für Schritt wieder Vertriebshoheiten zurückerarbeiten, die sie in der Vergangenheit viel zu häufig an Incomer, Veranstalter und Reisebüros delegiert haben.

Die Chancen stehen gut, da die technologischen Möglichkeiten via Internet wie nie zuvor den direkten Zugang zum Kunden ermöglichen. Dazu kommt, dass die Reichweite des World Wide Webs nicht mehr durch Reisekosten, Betriebszeiten – in denen man keine Zeit zum Verkaufen hatte – oder Sprachbarrieren in ihrer Verbreitung beschränkt ist.

Voraussetzung dafür sind jedoch drei Dinge:

1) eine gelebte Kooperationsbereitschaft

2) das gemeinsame Erstellen von „Packages“

3) das Schaffen der gewerberechtlichen Rahmenbedingungen.

Zusammenfließen der Gewerbeberechtigungen

Derzeit ist ein Hotelier, wenn er Einzelleistungen vor Ort zu einem Package zusammenstellt, nach geltender Gewerbeordnung, mindestens Reisemittler bzw. Veranstalter. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist daher, das Gewerbe rechtlich von Reisebüro, Veranstalter und Hotellerie in der Gewerbeberechtigung zusammenzufassen. Ob die Vertriebsführerschaft die Hoteliers oder die Bergbahnen übernehmen, wird eine spannende und vermutlich regional unterschiedliche Entwicklung ergeben. Die Funktion der Kammer oder der freiwilligen Verbände wird die Risikoabsicherung der Leistungsträger im Rahmen der Konsumentenschutzbestimmungen sein.

200 Tage Arbeit und dann?

Ein weiterer wesentlicher Baustein auf dem Weg zum Ganzjahrestourismus auch in den Ferienregionen ist die mit der Saisonverlängerung einhergehende Ganzjahresbeschäftigung. Das derzeitige Faktum, dass die durchschnittliche Beschäftigungsdauer lediglich (inklusive der Ganzjahresbetriebe) 200 Tage im Jahr ist, zeigt deutlich, welche Kraftanstrengungen notwendig sein werden, um dies zu ändern und damit auch das Potenzial, der in den 22 auf Tourismus spezialisierten Ausbildungsstätten heranwachsenden Mitarbeiter, auszuschöpfen.
Der Weg zur Ganzjahresbeschäftigung würde auch wesentliche Personalproblemstellungen wie Image, Mobilitätsanforderungen und Saisoniers deutlich entschärfen.

Wie schnell dies möglich sein wird, hängt wesentlich davon ab, wie schnell die Interessensvertretung und die Politik temporäre Fördermaßnahmen zustande bringen, die es den Unternehmen und Arbeitnehmern ermöglichen, diese Schritte zu setzen.

Rechnet man das Umsatzpotenzial hoch, so ergäbe sich nach vorsichtiger Schätzung ein Mehrerlös von rund 30 Mrd. Dies würde dem österreichischen Tourismus noch mehr Bedeutung bringen, die er derzeit bereits mit rund einem Sechstel am BIP (inkl. Freizeitwirtschaft) einnimmt.

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