40 Jahre T.A.I., das ist mehr als bloß ein Jubiläum. Es ist die beeindruckende Geschichte des Leitmediums der österreichischen Tourismusindustrie und zudem für mich eine große Ehre die folgenden Worte an Sie, werte Vertreter der Touristik, zu richten.
Im Gründungsjahr 1970 war ich auch schon 5 Jahre auf dieser Welt. Dieses Medium blieb mir jedoch noch lange Zeit verborgen. Die T.A.I. bringt uns seit vielen Jahren wöchentlich Neuigkeiten, Visionen und Geschehnisse des Reiselandes Österreich als auch des gesamten Auslands in ansprechender Form näher, und ich bin von der journalistischen Feder aller Redakteure beeindruckt, hin und wieder verbunden mit Schmunzeln.
Die meisten von uns, die tagtäglich und Jahr für Jahr mit größtem Bestreben versuchen, die wirtschaftlichen Ziele unserer Unternehmen zu erreichen, tun dies um den ÖsterreicherInnen die schönsten Wochen des Jahres im In- und Ausland bzw. auch ausländischen Gästen die schönsten Wochen des Jahres im Inland zu ermöglichen.
Im Gegensatz zur Vermutung/Befürchtung eines krisenbedingten Rückgangs der Reiselust der ÖsterreicherInnen, ist diese im Vergleich zu 2008 im Jahr 2009 unerwartet gestiegen. Allgemein ist die Anzahl der Reisenden zwischen 1995 und 2009 um 10 Prozent gestiegen, besonders im Segment der Kurzreisen (2 bis 13 Tage). Der Anteil der längeren Urlaubsreisen (14 Tage plus) ist leicht zurückgegangen. Die ÖsterreicherInnen planen kürzer, aber dafür öfters zu verreisen.
Sehnsucht nach dem Süden bleibt
In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Reiseverhalten der ÖsterreicherInnen kaum verändert. Die Hauptgründe, eine Urlaubsreise zu unternehmen, sind nach wie vor der Bade-, Erholungs- und Familienurlaub. Wobei der Familienurlaub deutlich an Beliebtheit gewonnen hat.
Der Erlebnisurlaub hat bei den ÖsterreicherInnen ebenso an Beliebtheit gewonnen und ist im Vergleich zu 2005 im Jahr 2009 fast doppelt so interessant.
Trotz der Beliebtheit, den Urlaub im eigenen Land zu verbringen, spielt doch bei einem Teil der ÖsterreicherInnen die Angst vor möglicher Wetterunbeständigkeit eine große Rolle, und die Entscheidung fällt aus diesem Grund des Öfteren auf ein Ziel im Süden Europas.
Immer größer wird der Wunsch, Städte und Metropolen kennen zu lernen. Die Tendenz für Freizeit-, Erlebnis- und Themenparks ist leicht sinkend.
Das beliebteste Reiseziel der ÖsterreicherInnen ist nach wie vor das Inland. Rund 30 Prozent verbrachten ihren Urlaub 2009 in Österreich. Der Inlandstourismus kann somit als kleiner Gewinner der Wirtschaftskrise betrachtet werden. Dicht gefolgt, verbrachten mehr als die Hälfte der ÖsterreicherInnen ihren Urlaub im vergangenen Jahr im Süden Europas. An erster Stelle steht unverändert Italien gefolgt von Kroatien, Türkei, Spanien und Griechenland, wobei sich diese Urlaubsländer in den vergangenen Jahren in der Rangfolgen abwechselten. 2009 lag die Türkei erstmals vor Spanien und Griechenland. Außerhalb Europas bevorzugen die ÖsterreicherInnen als Urlaubsziel Asien, die Karibik, Nordamerika, Afrika.
Der wichtigste Vertriebskanal für Reiseveranstalter ist nach wie vor das Reisebüro. Rund 80 Prozent aller Reisenden suchen die persönlichste Form der Reiseberatung, das Internet gewinnt vor allem bei der Urlaubssuche und Buchung immer mehr an Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Onlinebuchungen werden direkt bei den Leistungsträgern wie Fluggesellschaften und Unterkunftsanbietern getätigt. Mehr als 50 Prozent aller Reisenden, unabhängig vom Vertriebskanal, nutzen das Word Wide Web mehrmals zur Recherche ihrer Reiseplanung.
Reisen mit Apple und Google
Die Entwicklung der nächsten Jahre wird primär durch Kundengewinnung und Erhaltung geprägt sein. Web 2.0/3.0, CRM und Markenaufbau werden die Treiber im Onlinegeschäft sein. Margenschwäche, Transaktionsintensität und geringe Kundenloyalität warten auf Lösungen. Amazon, Apple und Google werden Reiseverkauf neu definieren. Unternehmen müssen eine Webpräsenz aufweisen, nicht nur eine Website.
Die Zukunft gehört mehr und mehr der direkten Kommunikation zwischen dem Unternehmen und den Kunden. Die Spielregeln für die klassische Medienarbeit werden dabei gnadenlos auf den Kopf gestellt. Wer nicht bereit ist, diesen Wandel zu akzeptieren und aktiv mitzugestalten, der wird seine Zielgruppe schon morgen nicht mehr erreichen. Der nahezu spielerische Umgang mit dem Web, die Affinität aller Generationen zum Internet trägt unweigerlich dazu bei, Berührungsängste und Hemmschwellen abzubauen und wird Menschen noch stärker ermutigen das Internet für Reiseplanung und -buchung zu nutzen. Zudem bietet das Internet nahezu grenzenlose Vergleichbarkeit aller Reiseangebote.
Die meistgenutzten Web 2.0 Plattformen wie Holidaycheck.com und Tripadvisor.com sowie Wikipedia werden mehr und mehr zur Reisevorbereitung genutzt. Der junge Reisende von heute dokumentiert seine Reisen mit Fotos, Videos und Texten über weitere Social Networks wie Facebook, Twitter und Flickr – eine Revolution im Bereich Online-Fotos – und stellt damit für weitere Interessierte noch mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Der Konsument hat Zugang zu einer Fülle von Informationen und fordert somit die Kompetenz der Counterkräfte.
Eine weitere Zunahme von Onlinebuchungen in den kommenden Jahren ist zu erwarten. In Großbritannien ist der Anteil an online gebuchten Reisen bei 40 Prozent. Neben den Onlinevermarktern und den Reisebüros haben sich in den letzten Jahren alternative Vertriebswege ihre Existenzberechtigung erkämpft. Mittlerweile haben sich Billa mit den Reiseprodukten der REWE-Touristik sowie Hofer mit Eurotours und Tschibo etabliert. Immer wieder versuchen Neuanbieter mit breiter Vertriebsstruktur mehr oder weniger erfolgreich in diesen Markt zu drängen.
Zukunft im Vertrieb selbst bestimmen
Das Reisebüro hat aus meiner Sicht in naher als auch ferner Zukunft seine absolute Berechtigung. Es muss gelingen, die Reisebüromitarbeiter auf hohem Wissensniveau zu halten, stets die innovativste Technik zu verwenden, den richtigen Standort zu wählen und last but not least das Commitment der Reisebüromitarbeiter zu ihrem Unternehmen und ihrer Tätigkeit sicherzustellen. Viele Onlinereisesuchende können in Zukunft von der Vielzahl der Möglichkeiten im Web auch überfordert sein und somit die Nähe zum Menschen in Reisebüros, die den oben angeführten Kriterien entsprechen, suchen. Es liegt also in der Hand von uns Menschen, unsere Zukunft im Vertrieb selbst zu bestimmen.
Nationale Interessensverbände wie der ÖRV und der ÖVT können in der Zukunft eine tragende Rolle für alle touristischen Organisationen spielen. Sie filtern Themen, sie bearbeiten Anliegen, sie vertreten die Interessen der unterschiedlichen Leistungsträger, sie bilden die Schnittstelle zu Ministerien und internationalen Fachverbänden und treten für einheitliche, auch branchenübergreifende Interessen ein.
Durch die enorme Schadstoffentwicklung sind auch die Reiseunternehmen angehalten ökologische Interessen in ihr tägliches Arbeitsumfeld mit einzubeziehen. So nehmen die Unternehmen Thomas Cook wie auch TUI diese Aufgabe sehr ernst und versuchen gemeinsam mit den Leistungsträgern negative Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren.
Ich bin mir sicher, dass diejenigen, die wie ich von der Sparte Tourismus so infiziert sind, die vor uns liegenden Herausforderungen gemeinsam meistern. Denn am Ende des Tages steht für mich bei all dem, wie ich denke und handle immer der Mensch im Mittelpunkt.
Ich wünsche der T.A.I. und ihren MitarbeiterInnen noch eine erfolgreiche Zukunft und bin überzeugt, dass dieses wunderbare Medium uns alle weiterhin so charmant und qualitativ hochwertig in unserem Berufsalltag begleiten wird.
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