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Die Zukunft des Tourismus

Vor der Zukunft noch ein Rückblick: das T.A.I.-Sakrileg

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Günther Greul, ehem. Chefredakteur der ÖGZ, danach stv. Geschäftsführer des Wirtschaftsverlages, seit 2001 freier Mitarbeiter und Kolumnist der T.A.I.

Vier Jahrzehnte sind für das Alter einer Kathedrale ein Klacks. Für eine Fachzeitung, wie T.A.I., sind sie eine Zeitspanne, die doch ein hohes Maß an Standfestigkeit bestätigt: Sie hat den Übergang von einer alten in eine neue Welt geschafft.

In den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts – vor Erscheinen der „tourist austria international“ –  war die Fachpublikationsszene im Sektor Fremdenverkehr, – so wurde der Tourismus damals genannt, – nur dünn besetzt: Neben der „Österreichischen Gastgewerbe Zeitung“ (ÖGZ) aus dem Österreichischen Wirtschaftsverlag gab es im Wesentlichen nur die Zeitung „Gastwirt-Hotelier-Cafetier“ aus dem Kuhn Verlag – in der Branche als „blauer Gastwirt“ bezeichnet. Beide waren Sprachrohre der Standesvertretung, die ÖGZ der Wirtschaftskammer und der „Blaue“ des Freien Wirtschaftverbandes, einer Gruppierung, die auf Grund des Farbcodes in die FPÖ-Ecke gestellt wurde. Tatsächlich war Blau nur die Farbe des Zeitungstitels, die Organisation wurde von einem frustrierten Nationalratsabgeordneten aus dem „schwarzen“ Wirtschaftsbund ins Leben gerufen, gewissermaßen als Gegenpol zur Wirtschaftskammer. Sie ist längst Vergangenheit.

Graue Textwüste

Die „Kammernähe“ in der Berichterstattung war legitim: Die Standesvertretung abonnierte die Zeitung für ihre (Pflicht)Mitglieder zu einem begünstigten Tarif in Form eines Sammelbezuges, hatte die Funktion des Herausgebers und damit natürlich Einfluss auf den Inhalt. Aktuelle journalistische Maßstäbe sollte man hier besser nicht zur Anwendung bringen: Der Vereinsblattcharakter war dominierend.
In der Praxis sah das so aus, dass der Chefredakteur an einer Kammersitzung teilnahm und die Redemanuskripte der Referenten einsammelte. Diesen Papierberg knallte er einem Mitarbeiter auf den Tisch, der die Texte redigierte: Der Grammatik wurde einigermaßen zum Durchbruch verholfen und der rhetorische Einschub „meine Damen und Herren“ so oft wie möglich herausgestrichen – gelegentlich auch nicht. Trotzdem hat sich nie jemand beklagt. Ob das daran lag, dass sich nur wenige Leser durch die aus dieser Methode resultierende graue Textwüste kämpften, sei dahingestellt – wer sich informieren wollte, hatte kaum eine andere Wahl, das war der übliche Standard.

„Nasskopierer“ und Bleisatz

In dieser Kommunikationsidylle war es möglich, dass zwei Redakteure fast im Alleingang eine Wochen- und zwei Monatspublikationen produzieren konnten – unter technischen Bedingungen, die sich von der heutigen Internet- und Handygeneration wohl kaum jemand vorstellen kann: Festnetztelefon mit Wählscheibe, mechanische Oldtimer-Schreibmaschine, deren Qualität nach der Zahl der gerade noch lesbaren Durchschläge gemessen wurde. Vervielfältigt wurde mit einem „Nasskopierer“ – das waren sündteure Geräte, die in mehreren Arbeitsgängen eine feuchte, meist leicht unscharfe Kopie lieferten – natürlich nur schwarz/ weiß. Sie mussten mühsam trocken gewachelt werden. In der Druckerei landeten die Manuskripte bei einem Schriftsetzer, der den Text in eine Linotype-Bleisetzmaschine eingab. Die besten – und hoch bezahlten – schafften pro Stunde 2.400 Zeichen – etwa eineinhalb Manuskriptseiten. Etwa alle fünf Jahre leistete man sich einen Grafiker, der das bis dahin völlig aus den Fugen geratene Rahmenlayout wieder in Form brachte und dem nach diesem „Relaunch“ neu einsetzenden Zerstörungsprozess neue Möglichkeiten eröffnete.

Das Sakrileg des Walter Norden

In diese für heutige Begriffe geradezu vorsintflutliche Zeitungswelt wurde „tourist austria international“ hineingeboren – und erregte ziemliches Aufsehen: In den Nachkriegsjahren war im Fachzeitschriftenbereich außer dem Wirtschaftsverlag und dem erwähnten Kuhn Verlag kaum Neues entstanden, schon gar nicht „unabhängig“ – also ohne Rückendeckung durch eine Standesvertretung. Die Fachmagazine, die heute den Eindruck erwecken, der Markt der Tourismus-Publikationen sei überbesetzt, kamen alle später.

Dass es jemand wagte, in den vermeintlich „geschützten Bereich“ mit einer neuen Fachzeitung einzufallen, erbitterte den damaligen Chefredakteur der ÖGZ so sehr, dass er mit T.A.I.-Gründer Walter Norden nie wieder ein Wort wechselte, obwohl beider Familien durch eine langjährige Freundschaft verbunden waren. Nicht einmal ein Austausch der Medien, wie er auch unter Konkurrenten bis heute üblich ist, kam in Frage. Weil man aber natürlich auch in der ÖGZ-Redaktion wissen musste, was beim „anderen“ drinsteht, wurde ein mühsamer Umweg eingeschlagen – über etliche Jahre.

Kulturwandel

Der Kulturwandel, der sich seit dem Erscheinen von T.A.I. auf dem Markt vollzogen hat, ist allerdings tiefgreifend: Die Zeit der Vereinsblätter ist endgültig vorbei. Ausgelöst wurde dies durch die Veränderung der kommerziellen Situation. Über Vertriebserlöse sind Medien nicht mehr finanzierbar, Publikumsmedien nicht und Fachmedien mit ihren relativ kleinen Auflagen schon gar nicht. Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der Verlage ist der Anzeigenumsatz.

Ältere Semester aus der Verlagsbranche erinnern sich nicht ohne Wehmut an jene Zeit, in der sich das Verkaufsmarketing darauf beschränken konnte, in einem Gassenlokal mit der Aufschrift „Anzeigenannahme“ auf Kunden zu warten, die ganz von selbst das dringende Bedürfnis verspürten, ein Inserat aufzugeben. Der heute notwendige aktive Verkauf setzt – wie in allen Bereichen – entsprechende Produktqualität voraus. Bei Fachmedien ist das nicht die Höhe der Auflage: Dass eine ohnedies überschaubare Zielgruppe voll abgedeckt wird, ist eine Grundvoraussetzung. Entscheidend ist die Akzeptanz, die eine Publikation findet. In eine Zeitung, die ungelesen in der Rundablage landet, investiert die Werbewirtschaft kein Geld. Für die Qualität von Medien gibt es die verschiedensten Definitionen. Allen gemeinsam ist der journalistische Anspruch: Die Leser wollen eine umfassende Darstellung ihrer (Fach-) Welt finden, aus einer kritischen Distanz und ohne politisch eingefärbte Brille. Es ist kein Zufall, dass es keine Parteizeitungen mehr gibt.

Dass sich der Fachmediensektor in den vergangenen 40 Jahren in Richtung dieser professionellen Qualität entwickelte, hat mehrere Gründe, der von den kommerziellen Veränderungen ausgehende Druck ebenso, wie die Tatsache, dass inzwischen auch die Generation von Branchenvertretern abgetreten ist, deren größtes Anliegen es war, sich in „ihrer“ Zeitung möglichst ausgiebig in Bild und Ton wieder zu finden. Eine große Rolle spielte auch die technologische Revolution.

Das Erscheinen von T.A.I. vor 40 Jahren hat diese Entwicklung zu professioneller Qualität im Bereich der Tourismusmedien beschleunigt. Sicher auch deshalb, weil Walter Norden aus der Tageszeitungsszene kam und die Dinge anders – vor allem kritischer – anpackte, als man es in dieser damals beschaulichen Nische der Medienwelt gewohnt war. Diese Offenheit und Unbekümmertheit in der Darstellung wurde für T.A.I. zum Markenzeichen, das auch in Zukunft seine Wirkung nicht verlieren wird.

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