Komm.Rat Joseph Reitinger-Laska, Obmann des Österreichischen Vereins für Touristik (ÖVT)
Als ich vor 10 Jahren einen Beitrag zu 30 Jahren „tourist austria international“ leisten durfte, war die Tourismuswelt noch eine relativ heile. Vieles veränderte sich seither schneller als angenommen, manches überhaupt nicht. Wieder ist der ÖVT, der heuer sein 30-jähriges Jubiläum feiert, von Mag. Christopher Norden und seinem Team 10 Jahre begleitet worden. Einige Beispiele für den Stand der Dinge:
- Schnell ging es mit den Handelsketten und anderen Reiseanbietern fernab vom Reisebüro. Man konzentrierte sich auf einfache Massenware und überließ den Reisebüroprofis die schwierigen Beratungsfälle. Noch immer stimmt der Marktanteil der Profis, aber „Nebenerwerbs-Reisebüros“ sind streng im Auge zu behalten.
- Schnell wurde das Internet zum vermeintlich neutralen Reiseanbieter. Doch schon warnt z.B. der VKI (Verein für Konsumenteninformation) vor rechtlich problematischen Fußangeln. Das Reisbürogewerbe zählt inzwischen zu den abgesichertsten Branchen für den Konsumenten.
- Schnell haben die Reisebüros technisch gleichgezogen. Zuletzt haben die GDS abgelehnt, unfaire Gebühren von ihrem Stammkunden Reisebüro einzuziehen. Dafür wurden nun „neue Gebühren“ z.B. von Lufthansa eingeführt. Eine neue Front für die Standesvertretungen.
- Schnell ging es mit der AUA bergab. Die zumindest mitschuldigen Politiker stellten sich mit 500 Mio. Euro als Morgengabe für die Lufthansa ein. Diese revanchierte sich bis heute mit über 2.000 Kündigungen, was die Republik wieder Unsummen an Sozialleistungen kostet. Unsere Sympathie gehört den nunmehr arbeitslosen Kollegen.
- Schnell änderte sich der Ton in der RSV (Reisebüroversicherungsverordnung)-Abteilung des BMWA (Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit – heute Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend), als MR Malousek in Pension ging. Jetzt hat eine Dame die Leitung übernommen und droht ständig mit dem Entzug der Gewerbeberechtigung. Eine neue Entwicklung, die dringend korrigiert werden muss. Noch sperrt sich das Ministerium in „vatikanischer Weise“ gegen ehrliche Aufarbeitung. Kritik = Majestätsbeleidigung.
- Über Nacht half der vielgeschmähte EU-Vertrag von Lissabon „Tourismus“ erstmalig auf die europäische Bühne. Österreich hat sich noch an seine, in dieser Beziehung mächtige, Rolle zu gewöhnen. Im Tourismus sind wir (fast) Europameister. An solchen Aufgaben hat man allerdings zu wachsen, der Großteil der Branche wünschte sich schon vor Jahren ein Tourismusministerium. Vielleicht erleben es noch einige von uns.
Die Positionen des ÖVTWelche Position nahm der ÖVT in den Jahren 2000 bis 2010 ein? Eine erfolgreiche in der kompromisslosen Verteidigung der Interessen der österreichischen KMU-Reisebüros. Ein äußerst motivierter Vorstand repräsentiert derzeit Mitgliedsbetriebe aus Wien, Niederösterreich, Steiermark und Oberösterreich. In weiteren Bundesländern sind ÖVT-Landesorganisationen geplant.
Leider trat der Fachverband der Reisebüros (WKO) in den letzten Jahren nur halbherzig für die Interessen der Branche ein. Vorsteher-Persönlichkeiten wie Rudi Kadanka weint man heute noch nach. Ich war seit 1985 ohne Unterbrechung Mitglied des Fachverbandsausschusses. Die Kammerwahl 2010 bestätigte durch besonders schwache Wahlbeteiligung, dass KMU`s sich von einer noch immer dem politischen Establishment zugehörigen Kammerorganisation nichts mehr erwarten. Das sollte die große Stunde der freien Verbände sein!
Der ÖVT spielt seit Jahren eine wichtige, aber teilweise ungeliebte Rolle. Wir beschäftigen eine Anwaltskanzlei und führen regelmäßig Verfahren im Interesse unserer Mitglieder. Jedes ÖVT-Mitglied hat pro Jahr das Recht auf ein kostenloses Anwaltsgespräch. Wenn dieser das Anliegen positiv beurteilt, übernimmt der ÖVT Haftungen für Teile der zu erwartenden Kosten. Der ÖVT hat zahlreiche Reiseanbieter aufgrund fehlerhafter Unterlagen kostenpflichtig abgemahnt und deren korrektes und zumeist auch kostenintensiveres Verhalten erzwungen.
Nach dem Besuch des ÖVT-Vorstandes in Brüssel im Februar 2010 sind wir entschlossen, nötigenfalls Musterklagen gegen Lufthansa und Austrian einzubringen. Unser Hauptaugenmerk liegt bei Fluglinien auf absoluter Gleichbehandlung von KMUs und Großbetrieben. Vielleicht führt das endlich auch zur Solidarität dieses Marktsegmentes.
Herrn Bundesminister Reinhold Mitterlehner wurde Ende Februar 2010 eine formelle Dienstaufsichtsbeschwerde zugestellt. Das Wirtschaftsministerium hat unserer Branche hilfreich zur Seite zu stehen und keine unqualifizierten Drohungen auszustoßen. Verständnis dafür sollte man von einem Ex-Kammerfunktionär erwarten dürfen.
Seit Anfang 2010 betreibt der Österreichische Verein für Touristik eine Buchungszentrale für Mitgliedsbetriebe, die keinen Agenturvertrag mit World of TUI und/oder Neckermann/ Thomas Cook errichtet haben. Kein Mindestumsatz, eine minimale Insolvenzversicherung, 10 Prozent Provision auf der Rechnung, attraktive Bonusprovisionen. Kontakt: Generalsekretärin Sylvia Marek, unter Telefon 01/713 03 73.
Sie sehen, der 30-jährige ÖVT ist aktiver denn je – denn wer nicht kämpft, hat schon verloren!
Der ÖVT: we are family.
P.S. Weitere Details über die Arbeit des ÖVT jede Woche in der T.A.I.
Wenn Sie als Benutzer auf TAI.at registriert sind, werden Ihre Kommentare automatisch und umgehend freigeschalten. Kommentare nicht registrierter Benutzer werden vor Erscheinen geprüft.
Wir behalten uns vor, Postings mit Werbung, Spam, Verunglimpfungen, Beleidigungen, etc. zu löschen.