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Die Zukunft des Tourismus

win-win-Situation am Green für den Tourismus

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Dr. Klaus Ennemoser, Ennemoser Consulting, Obmann des Fachverbands Hotellerie

Golf und Tourismus beeinflussen sich wechselseitig positiv. Im Urlaub werden gerne neue Sportarten ausprobiert und diese Zeit auch ganz bewusst genutzt, um jene Dinge einmal zu tun, die das ganze Jahr über zu kurz kommen. Die Sportart Golf zählt dazu. Aktive Golfer suchen ihre Urlaubsdestination ohnehin gezielt nach der Möglichkeit, Golf zu spielen, aus.

Eine Golfanlage ist keine genormte Sportstätte, wie etwa ein Tennisplatz oder ein Fußballfeld. In den unterschiedlichsten Landschaften gelegen, ist jeder Golfplatz anders und hat seinen individuellen Charakter. Golfer haben daher große Lust, möglichst viele unterschiedliche Plätze im Laufe ihres Golfer-Lebens zu spielen. Golfer sind also von vorne herein geborene Touristen!

Geht man in der Geschichte des österreichischen Golfsports zurück, so kann man feststellen, dass die ersten Plätze in den 1920er- und 1930er-Jahren an touristischen Standorten (Achensee, Bad Ischl, Dellach, Igls, Semmering) gebaut wurden. Sehr ähnlich gestaltete sich auch die Golfentwicklung in Deutschland und der Schweiz. Golf hat sich zunächst an Orten mit Sommertourismus etabliert.

Vernetzte Angebote notwendig

Grundbedingung für einen gelungenen Golftourismus ist ein vernetztes Angebot von Golfanlagen und Tourismusbetrieben. Je nachdem aus welcher „Richtung“ nach Golf-Urlaub gesucht wird, sollten die Webseiten weitere Informationen liefern, wie z.B:

Welche Hotels befinden sich im Umkreis von x Kilometern um den Golfplatz?

Welche Golfplätze befinden sich im Umkreis von x Kilometern um das Hotel?

Golfdestinationen

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Golfplatz noch keine Golfdestination. 26 Prozent der Golfurlauber wünschen sich zumindest zwei Golfplätze in der Umgebung des gewählten Urlaubshotels, 50 Prozent möchten mindestens drei Anlagen vorfinden.

Golfer-Typen und Urlaubsverhalten

Es ist fast eine philosophische Frage: „Was ist ein Golfer?“ In Europa spricht man meistens nur von den registrierten Golfern, also jenen Personen, die Mitglied in einem Club sind und ein Handicap haben. International ist dieses System in der Minderheit.

Viele Golfer sind in keinem Club Mitglied. Ebenfalls viele Golfer üben den Sport nur im Urlaub aus. Genauso, wie viele nur im Urlaub Ski fahren oder nur im Urlaub ans Meer fahren, um darin zu schwimmen.

Im Wesentlichen lassen sich vier große Gruppen von Golfern identifizieren:
  • ldie Standort-Golfer
  • die Golf-Nomaden
  • die Urlaubs- bzw. Gelegenheitsgolfer
  • die Golfinteressierten


Diese vier Gruppen zeichnen sich durch ein unterschiedliches Reiseverhalten aus. Die Standortgolfer sind prinzipiell in einem Heimatgolfclub organisiert. Im Urlaub machen sie am liebsten eines: golfen! Häufig sind sie auch weiter innerhalb des Vereines gruppiert, wie z.B. in Seniorenrunden. Diese Gruppen unternehmen jährlich ein bis zwei Golfausflüge innerhalb einer Tagesreisedistanz und engagieren sich bei Vergleichskämpfen. Die Golf-Nomaden sind in Kontinental-Europa noch in der Minderzahl. Die Mitgliedskarte kaufen diese Golfer über eine Agentur oder direkt in einem Club, der Fernmitgliedschaften anbietet. Das Budget wird in Greenfee-Runden umgesetzt, egal ob in der Heimat oder im Urlaub. In den USA beispielsweise machen diese Pay&Play-Golfer die Mehrheit aus.

Urlaubs- und Gelegenheitsgolfer spielen praktisch nur während des Urlaubs Golf, dafür intensiv. Während des übrigen Jahres sind sie selten auf den Plätzen anzutreffen, und sie haben auch selten eine klassische Clubmitgliedschaft.

Golfinteressierte tragen zwar oft lange die Absicht in sich, Golf einmal zu probieren, tun dies aber bevorzugt im nächsten Urlaub. Abseits der Heimatregion machen sie die ersten Versuche auf einer Driving-Range und können sich dabei sicher sein, bei Fehlschlägen nicht vom mitleidigen Blick ihres Nachbarn beobachtet zu werden.

Golfreisen & Ausgaben-Volumen

Vom in Österreich durch Golf generierten Ausgabenvolumen entfallen zirka 60 Prozent auf den Golftourismus. In absoluten Zahlen: Jährlich werden durch österreichische Golfer ungefähr 340 Millionen Euro und durch Golftouristen ca. 520 Millionen Euro ausgegeben. In Summe werden durch Golfer in Österreich jährlich  860 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Best-Practice-Beispiele

Eine Reihe von Regionen setzt im Sommer stark auf den Golftourismus. In Österreich sind diese das Bundesland Kärnten, die Region Kitzbühel, das Waldviertel und einige andere. Kitzbühel hat eine hohe Konzentration von Golfplätzen.

In der Golfregion Kitzbühel finden sich 9 Golfanlagen mit insgesamt 135 Löchern. In den touristischen Haupt-Herkunftsländern von Kitzbühel leben über 3 Millionen Golfer. Während der Saison sind die Kitzbüheler Anlagen mit ca. 35.000 Greenfee-Spielern ausgelastet. Golfer, Begleitpersonen und Golf-Anfänger produzieren ca. 61.000 golf-affine Nächtigungen in Kitzbühel, das sind 15 Prozent oder jede 6. Sommer-Nächtigung. Da Golfer im Schnitt doppelt so viel wie der durchschnittliche Sommer-Tourist ausgeben, entstammt jeder dritte (!) in Kitzbühel ausgegebene Euro von einem Golfer. In Summe wird eine regionale jährliche Wertschöpfung in einer Größenordnung von 50 Mio. Euro durch Golf in Kitzbühel generiert. Selbstverständlich gibt es auch im Ausland ausgezeichnete Musterbeispiele für Golfregionen. So sind in Deutschland in der „golfküste*“ 40 Golfanlagen zwischen Nord- und Ostsee zusammengeschlossen, die sich gemeinsam vermarkten und eine Greenfee-Karte anbieten, ähnlich der österreichischen GolfAlpin-Card.

International sind die Dimensionen noch größer. Für New Yorker werden von Jamaika 3-Tage-Golfpauschalen um 199 US-Dollar inklusive Flug, Hotel und Greenfee angeboten. Die Amerikaner sind überhaupt sehr golfbezogen: sie sind zwei bis vier Mal so lange auf Golfurlaub wie die Europäer und bevorzugen exklusivere Unterkünfte und Golfplätze. In Japan ist Golf sehr teuer, also fliegen viele Japaner übers Wochenende nach Australien zum Golfen. Das ist für sie weit billiger, als eine japanische Mitgliedschaft zu erwerben.

Hat ursprünglich der Tourismus zur Verbreitung von Golf geführt, so ist heute Golf ein nicht mehr wegzudenkender Faktor für den österreichischen Sommertourismus geworden. Auf das Konto „Golf-Tourismus“ gehen jährlich rund 1,8 Millionen Sommernächtigungen und ein jährliches Ausgabenvolumen von 520 Millionen Euro. Darüber hinaus hat Golf einen positiven Imagetransfer auf das Urlaubsland Österreich bewirkt. Golf und Tourismus haben für einander eine win-win-Situation geschaffen. Falls Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sind: Das Team der Ennemoser Wirtschaftsberatung steht Ihnen als Flightpartner gerne zur Verfügung.

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