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Sozialtourismus

In den letzten Jahrzehnten ist eine spezielle Form des Urlaubmachens sanft entschlafen – der Sozialtourismus. Seitdem gammeln Familienheime, Jugendcamps und gewerkschaftliche Urlauberburgen in weiten Teilen Europas vor sich hin, sofern sie nicht schon anderen Widmungen zugeführt oder überhaupt geschliffen worden sind. Kein Wunder, bieten doch heute schon propere 3-Sterne Hotels und gemütliche Pensionen guten Komfort zu Preisen, die im Pionierlager „Spartacus“ gerade noch für triste, schlecht gelüftete Unterkünfte und ungenießbares Essen ausgereicht haben. Jetzt aber erlebt der Tourismus für sozial benachteiligte Schichten der Bevölkerung eine neue Renaissance. Nicht draußen am Rande großer Tourismuszentren, sondern mittendrin. Wo sich die Schönen und Reichen ein Stelldichein bei Champagner und Kaviar geben. In Cortina d’Ampezzo etwa, einem Ort, der den Österreichern nicht nur als Stätte des Triumphes unseres Ski-Idols Toni Sailer geläufig ist, sondern auch als Synonym für gepflegten Luxus auf italienische Art. Und gerade dort, im Mekka hochkarätiger Brillanten und bodenlanger Nerzmäntel, haben die italienischen Finanzfahnder dieser Tage mehr als 42 Personen aufgestöbert, die sich das Benzin für ihren 150.000 Euro schweren Ferrari buchstäblich vom Mund absparen müssen, da sie laut Steuererklärung von 30.000 Euro jährlich ihr Leben fristen. Damit geht es ihnen nur wenig besser als vielen Yachtbesitzern des Landes, die überhaupt kein Einkommen ausweisen. Wenn da nicht mildtätige Verwandte einspringen, können sie sich wohl nur mehr rudernd dem Zugriff der staatlichen Finanzdjangos entziehen.

Für die d’Ampezzo-Flüchtlinge bietet sich indes ein Skiurlaub in einem der schönen österreichischen Wintersportorte an, wo sie dem Zugriff ihres strengen Premiers zwar vorerst entzogen sind, seitens der Beherberger allerdings Barzahlung angesagt sein dürfte. Hier trifft dann dieser Sozialtourismus neuer Art auf die vielen Wintergäste, die zu Weihnachten für dicht-
bevölkerte Pisten gesorgt und damit all jene Lügen gestraft haben, die nun schon seit Jahren gebetsmühlenartig das Ende des Skifahrens ausrufen. Ihnen sollte man Erinnerungsfotos vom Gedränge an den Liftkassen schicken. Sozusagen ein allerletztes Mal. Denn wenn es nach dem, bei den diversen Weltuntergangspropheten so überaus beliebten, Maya-Kalender geht, wird es mit einer Wintersaison 2012/2013 ohnedies nichts mehr werden.

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