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Hinter der Oberfläche

Als Annemarie Richard, Grande Dame der österreichischen Reisebranche, sichtlich gerührt den Preis für ihr Lebenswerk bei der heurigen Gala des Corps touristique Austria entgegennahm, erinnerte sie sich an die Anfänge ihres Wirkens in Oberösterreich. Mit dem damaligen Direktor der Griechischen Tourismuszentrale ist sie durch das ganze Land getingelt, um für einen neu aufgelegten Griechenlandcharter zu werben. Höhepunkt der Veranstaltungsserie war ein Auftritt vor 3.000 Personen in der Linzer Brucknerhalle. Der Erfolg der Aktion war umwerfend – alle Flüge wurden bis zum letzten Platz verkauft. Die allabendliche Sirtaki-Einlage vor begeistertem Publikum hatte sich gelohnt.
Ähnliche Taten wird es aus dem Heldenzeitalter der österreichischen Touristik sicher viele zu erzählen geben. Erstaunlich daran ist nur, dass sie selbst im Zeitalter von Internet, Facebook und Twitter nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Trotz Vollvernetzung des modernen Bürgers erfreuen sich Reisemessen nach wie vor größten Publikumsinteresses. Selbst tausende Facebook- Bekanntschaften machen das freundschaftliche Gespräch bei einem kleinen Braunen nicht überflüssig. Und so gerne Blogs und Bewertungsportale zur Vorbereitung einer Reise studiert werden – der Geheimtipp von Seiten der kompetenten Dame, des freundlichen Herren am Reisebürocounter ist durch nichts zu ersetzen. Auch die Reisebeilagen der Tageszeitungen und die Veranstalter-Kataloge werden immer noch dicker, obwohl doch ohnedies alles bei Google & Co  zu finden ist.
Neue Medien haben also die herkömmlichen nicht überflüssig gemacht, nur ein wenig zur Seite geschoben und mit neuen, aufregend präsentierten und ständig aktuellen Inhalten ergänzt. Niemand kann derzeit genau sagen, wie sich das Informationsverhalten des Publikums weiterentwickeln wird. Sicher scheint nur eines: Bunte Abende zur Stimulierung des Publikums sind heute vielleicht nicht mehr der allerletzte Schrei beim Verkauf von Reisen. Abkommen wird die persönliche Empfehlung, der Kontakt von Mensch zu Mensch aber keinesfalls, wenn es darum geht, Ferienglück zu verkaufen. Eher dürfte die unentwegte Beschäftigung mit der flimmernden Oberfläche von Computerbildschirmen selbst bei ausgemachten PC- Freaks die Neugierde darauf, was sich hinter dieser Oberfläche verbirgt, nur noch weiter anheizen.

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