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Kein leichter Job

Tourismussprecher einer Partei und damit für diese breite Thematik im Parlament zuständig zu sein, ist kein einfacher Job – vor allem für Mandatare, die weder von ihrer Ausbildung, noch von ihrer beruflichen Tätigkeit her einschlägige Erfahrung mitbringen. Die für ihre Arbeit notwendigen Informationen müssen sie sich aktiv erarbeiten, denn von den Branchenvertretern werden sie ihnen nicht aufgedrängt: Häufig nicht einmal namentlich bekannt, werden sie kaum als Exponenten des Tourismus im höchsten Gremium des Staates wahrgenommen. Auch deshalb, weil sie als Ausschuss-Multis kaum Chancen haben, sich entsprechend zu profilieren.

So ist die Tourismussprecherin der SPÖ Heidrun Silhavy Mitglied von zehn Ausschüssen und einem Unterausschuss. Die ehemalige AK- und ÖGB-Angestellte und Kurzzeit-Frauenministerin lieferte als Vorsitzende des Tourismusausschusses die Bestätigung, dass sie mit diesem Wirtschaftszweig wenig am Hut  hat: Sie meldete sich ausschließlich nach Ausschusssitzungen zu Wort, etwa mit dem epochalen Vorschlag, die Beschäftigungsdauer in den Betrieben zu verlängern, die Arbeitsplatzqualität zu erhöhen und die Bezahlung zu verbessern.
Auf zehn Ausschussmitgliedschaften bringt es auch der BZÖ-Tourismussprecher Stefan Markowitz. Der gelernte Elektrotechniker ist Unternehmer („Fahr mit-Börse“), zum Thema Tourismus was bisher wenig von ihm zu hören. In neun Ausschüssen und zwei Unterausschüssen ist FPÖ Tourismussprecher Roman Haider vertreten. Der studierte Betriebswirt ist Unternehmensberater und bringt als Obmann des Tourismusausschusses immerhin seine wirtschaftliche Kompetenz ein. Ein wirkliches Phänomen ist Gabriela Moser. Die karenzierte Mittelschullehrerin ist nicht nur in acht Ausschüssen und drei Unterausschüssen Mitglied und leitet den brisanten „Korruptionsausschuss“, sie ist überdies für die Grünen gleichzeitig Verkehrs-, Telekommunikations-, Bauten- und Tourismussprecherin. Trotzdem schafft sie es, im Tourismusausschuss immer wieder grüne Umweltthemen in Entschließungsanträgen unterzubringen. Mehr geht wohl nicht.
Am besten bedient ist die ÖVP mit ihrem Tourismussprecher: Franz Hörl muss sich zwar auch in sechs parlamentarische Ausschüsse aufteilen, hat aber eine fundierte Tourismusbasis. Er absolvierte die Hotelfachschule samt Auslandspraxis, führt im Familienverband das Hotel Gaspingerhof in Gerlos, ist Geschäftsführer der örtlichen Skiliftgesellschaft und Obmann des Fachverbandes der Seilbahnwirtschaft in der WKO – perfekte Voraussetzungen für eine kompetente Vertretung der Tourismusinteressen auf höchster Ebene.
Dass er bei seinen Wortmeldungen Gegenwind nicht fürchtet, zeugt immerhin von Mut. So trat er im Tourismusausschuss vehement gegen die allgemein geforderte Erhöhung des Budgets der Österreich Werbung auf und gegen den Wunsch nach einer Halbierung der Mehrwertsteuer auf Logis nach deutschem Vorbild. Als die WKO, in der er selbst Spitzenfunktionär ist, mit der Kündigung der Mitgliedschaft bei der Österreich Werbung drohte, bezeichnete er dies als „Schlag ins Gesicht des Tourismus“. Und seinem Parteifreund und Landeshauptmann Platter warf er fehlenden Hausverstand vor, als dieser die Förderung der Stilllegung nicht mehr marktfähiger Betriebe in Erwägung zog.
Fatal ist, dass er mit seinen Argumenten immer wieder daneben liegt. Jüngstes Beispiel ist seine Stellungnahme zur Provisionserhöhung der Buchungsplattform HRS (samt tiscover und hotel.de) auf 15 Prozent. Er meinte, dass sich der Verkauf von tiscover an HRS nun „bitter rächt“ und sprach sich für den Aufbau einer nationalen Buchungsplattform aus, der in Österreich von der ÖW „aktiv verhindert“ worden sei. Als Begründung führte er den Erfolg regionaler Buchungsplattformen in Oberösterreich und im Salzkammergut an sowie der nationalen Plattform der Schweiz, die ihren Mitgliedsbetrieben Buchungen für Provisionen zwischen 2,5 und sechs Prozent ermögliche. Die ÖHV-Präsidenten Peter Peer und Sepp Schellhorn hätten zu einem Boykott von HRS auf Facebook aufgerufen.
An dieser Argumentation ist leider ziemlich alles falsch. Die Österreich Werbung hat nichts verhindert, sondern nur plausibel begründet, warum sie selbst keine Plattform aufbauen kann. Von tiscover musste sich Hörl aufklären lassen, dass das Salzkammergut wie andere Regionen Oberösterreichs Buchungen über tiscover laufen lässt und die Landes-Tourismusorganisation selbst nur eine Informationsplattform ohne Buchungsmöglichkeit betreibt. Die nationale Schweizer Plattform  verrechnet zehn Prozent Buchungskommission, arbeitet mit mehreren Buchungsplattformen zusammen und ist mit einem minimalen Marktanteil keineswegs eine Erfolgsgeschichte. Und die ÖHV hat auf die von einem deutschen Unternehmer eingerichtete Boykottseite auf Facebook zwar hingewiesen, sich aber für eine „Versachlichung der Diskussion“ ausgesprochen, als sie nach wenigen Tagen wegen rechtlicher Bedenken aus dem Netz verschwand.
Um als Tourismussprecher wahr- und ernstgenommen zu werden, darf man sich solche Informationsdefizite nicht leisten. Zumindest der Konsum der einschlägigen Medien gehört zum Pflichtprogramm. T.A.I. wäre ein guter Anfang.

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