Lasst den Niko in Ruh!
Die wichtigsten Dinge sind erledigt. Das Sparpaket ist geschnürt und trifft niemanden, die ÖBB ist saniert, Rente gibt’s erst ab 65, die Regierungsinserate sind eingestellt, das AKH hat mehr Personal denn je und die grüne Vizebürgermeisterin in Wien denkt über einen Fußgängerbeauftragten, Kinderwagenbeauftragten, Hundebeauftragten und Autoverhindererbeauftragten nach. International gesehen ist der Euro so stark wie nie, Griechenland gerettet, Ungarn sowieso, der Nahostkonflikt ist gelöst und Nordkorea wird eine demokratische Republik, ihr Recht geht vom 29-jährigen General Kim Jong-un aus.
Womit wir uns schlichteren Problemen zuwenden können. Der 25-jährige Niko Pelinka soll Büroleiter des Generaldirektors des ORF, Dr. Alexander Wrabetz werden. Seine Jugend, die vom Niko, ist ihm nicht vorzuwerfen, seine Abstammung auch nicht und welcher 25-Jährige würde sich so eine Chance entgehen lassen? Keiner. Landauf, landab ist die Hölle los und haut auf den ehemaligen Stiftungsrat hin.
Leider hat er sich mit einem einzigen Satz als vollkommen Ahnungsloser deklariert: „Ich habe als Stiftungsrat Alexander Wrabetz unterstützt, weil ich der Meinung war und bin, dass er ein sehr guter Generaldirektor ist.“ Ach Niko, das war doch nicht notwendig. Übertroffen wird er nur noch von seiner „Schwester“ im Geiste, der Bundesgeschäftsführerin der SPÖ, Laura Rudas, die wieder einmal eine Talentprobe abgab und zugleich ihre Meinung über den Intelligenzgrad des Bürgers: „Die SPÖ hatte mit der Pelinka-Bestellung nichts zu tun.“
Die Pelinkas, Vater und Onkel, eiern herum, verständlich, Blut ist dicker als Wasser, die ZIB-Redakteure kündigen Proteste an und die ORF Journalisten fühlen sich „verhöhnt“, der Zentralbetriebsrat „trägt den Hasard nicht mit“, Elfriede Jelinek, immerhin Literaturnobelpreisträgerin, verfasst einen wie immer sprachlich furiosen Text und sieht das Ende der Sozialdemokratie. Entschuldigen Sie Frau Jelinek, aber da fuhrwerken schon andere längere Zeit daran herum. Der ernstzunehmende Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Wolfgang Moitzi, der hoffentlich kein zweiter Cap wird, fordert Niko auf, seine Bewerbung zurückzuziehen und Wrabetz bittet ihn, das nicht zu tun. Und alle führenden Politiker hüllen sich in Schweigen, sie meinen, das geht sie nichts an, haben sie doch die Erhöhung der Rundfunkgebühren durchgewinkt wie nichts.
Und Wrabetz lässt sich nicht erpressen, weil er darin Erfahrung hat. Denn wie sonst könnte man es nennen, wenn in Zukunft auch Fernsehbesitzer, die den ORF gar nicht empfangen können, trotzdem die GIS bezahlen müssen. Wäre doch logisch, wenn in Zukunft Nichtraucher eine Tabaksteuer zahlen, autolose Österreicher Mineralölsteuer, und wie erst vor kurzem vom Bauernbund gefordert, Kirchenverweigerer trotzdem Kirchensteuer.
Ein Generaldirektor, der letztendlich die niedrigsten ORF-Quoten seit Jahrzehnten verantworten muss, ein Generaldirektor, der meint, gegen Gesetze verstoßen zu können, indem er bereits vor der Ausschreibung der Positionen die Posten vergibt, ein Generaldirektor, der meint, durch seine Wiederwahl Dankesbezeugungen an die politischen Parteien – alle – abstatten zu müssen, ist kein Generaldirektor, sondern ein Parteibeauftragter. Lieber Niko Pelinka, Ihr Fehler war nicht, sich als Büroleiter zu bewerben, Ihr Fehler war Herrn Wrabetz zum Generaldirektor zu machen. Die hochangesehene „Zeit“ in Deutschland, der man keine parteipolitische Stellung unterstellen kann, titelt: „Sendeschluss – Der Fall Niko Pelinka besiegelt das Schicksal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich. Ein Nachruf“. Dem ist nichts hinzuzufügen.


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