Sünde oder Segen? Diskussion um Frau Holle 2.0
Wird die Erzeugung von technischem Schnee schön geredet? Fachverband der Seilbahnen liefert Fakten zum Thema Wasser und Energie
Der Beitrag „In sieben Tagen Österreich komplett beschneibar“ in der T.A.I.-Ausgabe vom 9. Dezember 2011 hat einige Leserreaktionen hervorgerufen. Vor allem der Umweltaspekt kam dabei zur Sprache, insbesondere der Wasser- und Strombedarf. T.A.I. hat sich in weiterer Folge an den Fachverband der Seilbahnen gewendet. Da es sich um ein wichtiges Thema handelt, kam die Antwort vom Geschäftsführer der Bundessparte Transport Verkehr, Erik Wolf. Der machte deutlich, wie stark hier in den zurückliegenden Jahrzehnten an einer Effizienzverbesserung gearbeitet wurde: „Während in den 80er Jahren für die Produktion eines Kubikmeter Schnees noch 7 kw/h verbraucht wurden, bedarf es dazu heute deutlich unter 1 kw/h.“
Ein weiteres Missverständnis betrifft den Wasserbedarf bzw. den Entzug von Wasser aus dem natürlichen Kreislauf. Wolf: „Durch die Beschneiung wird kein Trinkwasser verbraucht. Zur Beschneiung wird meistens Oberflächenwasser in Speicherteichen gesammelt, durch UV-Anlagen auf Trinkwasserqualität gebracht und der Natur zeitversetzt in Form von Schnee wieder zurückgegeben.“
Entgegen der weitverbreiteten Ansicht hat die gezielte technische Beschneiung laut Erik Wolf „positive Auswirkungen auf die Umwelt, da eine ausreichende Schneedecke den Boden isoliert, Bodenfrost im Frühjahr und im Herbst verhindert und den Boden in niederschlagsarmen Frühjahren durchfeuchtet. Zusätzlich wird die Vegetation vor mechanischen Einflüssen und Verletzungen (z.B. Skikanten, Pistengeräte, etc.) geschützt.“
Ein weiteres Faktum: beschneite Pisten bieten gleichmäßig gute, griffige Schneequalität, die zu einem sparsameren Einsatz von Pistengeräten führt und eine gleichmäßige Schneeverteilung mit geringerer Verletzungsgefahr ermöglicht.
Erik Wolf: „Die Seilbahnen sind sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst. Das ausgewogene Miteinander von touristischer Erschließung, Natur und einem nachhaltigen Energiemanagement ist ein großes Anliegen des Fachverbandes und seiner Mitglieder.“
Wobei die Seilbahnbetreiber laufend erfolgreich Maßnahmen setzen, um den Energieverbrauch im Skigebiet zu reduzieren. Dazu ein paar Beispiele:
• Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang: Dort wurde in eine Fotovoltaikanlage, in Wärmerückgewinnung von Seilbahnantrieb und Gasbetriebene SkiDoos investiert;
• Silvretta-Seilbahn: dort wird neuerdings Erdwärme zur Versorgung eines Restaurants verwendet (Bistro Gampen-Tiefenpumpe); durch Sonnenkollektoren (gesamt ca. 800 m²) wurde eine Einsparung im Bereich der Werkstatt in der Wintersaison 2010/ 2011 in Höhe von ca. 10.000 Liter Heizöl erwirkt;
• Zillertal Arena: unter dem Titel „Solarpower XL“ wurde am Gerloser Vorkogel auf 2.055 Meter Seehöhe ein Solar-Strom-Kraftwerk errichtet, das einen aktiven Beitrag zur nachhaltigen Energiegewinnung leistet. Geräuschlos, emmisionsfrei und in das Landschaftsbild bestens integriert liefert der sogenannte „Alpin Mover XL” mit seiner Nennleistung von 14,8 kWp ca. 35.000 kWh sauberen Strom pro Jahr;
• SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental: Die Hartkaiserbahn in der Familienregion Wilder Kaiser (SkiWelt Ellmau) nützt die Abwärme im Triebwerksraum für die Beheizung der Räumlichkeiten in der Bergbahn-Station und im angeschlossenen Restaurant. Ziel ist es, im Jahr ca. 3.800 Liter Heizöl einzusparen (Betriebszeit: 9h/Tag und 250 Tage im Jahr). Dies entspricht einer CO²-Einsparung von 10,3 Tonnen. Der neue Brixner „Sonnenlift“ (SkiWelt Brixen im Thale) – ein Seilzug-Kleinskilift mit einer Kapazität von rund 900 Personen pro Stunde – wird mit Photovoltaik und damit ausschließlich mit Solarenergie betrieben. Die rund 60.000 Euro teure Photovoltaik-Anlage mit einer 113 m² großen Kollektorfläche wurde auf der neuen Talstation der SkiWelt-Bahn installiert.
All diese Investitionen sind kein Selbstzweck. Wolf: „Für unsere Wintersportgäste zählen optimale Schnee- und Pistenverhältnisse zu den Grundvoraussetzungen – die technische Beschneiung ist somit für die Sicherung des Skibetriebs heute unverzichtbar.“
Weiße Pracht für dreimal Manhattan
Österreichs 255 Seilbahnen verzeichneten im Vorjahrswinter 51,2 Millionen Skier-Days, insgesamt wurden 588,1 Millionen Bergfahrten unternommen. Entsprechend hoch ist die Frequenz auf den Pisten. Ohne professionell erzeugten technischen Schnee wäre dieses Volumen nicht zu bewerkstelligen. Derzeit können rund 67 Prozent von Österreichs Skipisten technisch beschneit werden (die gesamte Pistenfläche erstreckt sich über 254 km² – mehr als das Dreizehnfache des Wörthersees oder mehr als das Vierfache von Manhattan, zwei Drittel davon sind technisch beschneibar). Im Jahresdurchschnitt ist ein Schneeerzeuger (Lanze oder Propeller) 300 bis 400 Stunden im Einsatz. Vom Energieverbrauch her kommt eine Lanze auf ca. 4 kW/h, ein großer Propeller bringt es auf 20 kW/h. Aus 1 m³ Meter Wasser werden unter Beimengung von Luft 2,5 m³ technischer Schnee gewonnen. Pro Tag schafft ein Propeller im Optimal-Fall ein ganzes Norm-Fußballfeld mit 30 cm fertig präparierter Pistenfläche zu bedecken.


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