• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
Prev Next

Ministerielle Spendierhose Mehr Förder-Geld für alle!

Gießkanne wird keine ausgepackt, aber die Fülle an Investitionsanreizen durch die öffentliche Hand, die Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im Zuge der 1. Tourismuskonferenz vorige Woche in Linz präsentiert hat, war doch für Viele überraschend. In Zeiten knapper Budgetmittel war alles andere erwartet worden, nur nicht das. Ihre Fortsetzung finden dabei die von Minister Mitterlehner 2009 eingeführten, erfolgreichen Schwerpunktaktionen, wie jene für den Radtourismus (sie wurde von 1 auf 1,5 Mio. Euro aufgestockt) und die Internet-Offensive im Vorjahr (von 1 auf 2 Mio. verdoppelt). Als nächstes ist ab Herbst 2011 ein Schwerpunkt im Bereich Familientourismus geplant. Mitterlehner: „Es ist mir ein Anliegen, Impulse für die Modernisierung in der Branche zu setzen.“ Diese soll es verstärkt auch in Form des Innovations-Schecks für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) geben, eine Aktion, die seit einigen Jahren erfolgreich von den Bundesministerien für Verkehr, Innovation und Technologie sowie Wirtschaft, Familie und Jugend durchgeführt wird. Im Tourismus fand sie bis dato aber wenig Anklang: von den ausgegebenen 3.900 Schecks à 5.000 Euro landeten nur 33 in touristischen Projekten. Mitterlehner will jetzt eine stärkere Nutzung durch den Tourismus erreichen (gefördert werden Innovationen bei Prozessoptimierung, Produkt und Technologie etc.). Zudem ist auch die Einführung „großer“ Schecks mit 10.000 Euro vorgesehen.

In der Förderpolitik kommt es künftig laut „Aktionsplan Bund und Bundesländer“ (siehe Seite 13) zur Abgrenzung der Zuständigkeit im Sinne der bereits etablierten „Förderpyramide“: für Projekte bis 100.000 Euro ist alleine das Bundesland zuständig, bis zu 1 Mio. Euro gibt der Bund Barzuschüsse. Für noch größere Projekte werden über die Tourismusbank günstige Kredite vergeben, deren Förderkosten bis zu 3 Mio. der Bund alleine trägt, bei noch größeren Projekten werden sie zwischen Bund und Land geteilt. Um ein entsprechendes Fördervolumen zu sichern, gibt es wie eingangs erwähnt sogar zusätzliches Geld: Die ERP-Mittel (European Recovery Program) werden laut Mitterlehner für den Sektor Tourismus ab 2012 um rund 50 Prozent von 33 Mio. auf 50 Mio. Euro pro Jahr angehoben. Um – wie vom Expertenbeirat (siehe Seite 12) empfohlen – neuen Ideen im Tourismus zum Durchbruch zu verhelfen, wird ein Schwerpunkt der Förderung auf Innovationen gelegt: Von 2011 bis 2013 stellen Wirtschaftsministerium und die jeweiligen Bundesländer jährlich eine „Innovationsmillion“ zur Verfügung. Diese Mittel sollen durch die mit der „Förderpyramide“ verbundenen Einsparungen an Verwaltungsaufwand aufgebracht werden.

Da Innovationen im Angebotsbereich vor allem auf Destinationsebene stattfinden, werden auch Kooperationen von Tourismusbetrieben mit branchenfremden Partnern unterstützt, also die gesamte touristische Wertschöpfungskette. Jährlich können bis zu zehn „Leuchtturm-Projekte“ mit bis zu 50 Prozent der förderbaren Kosten unterstützt werden (Hälfte Bund, Hälfte Länder), die Mindestprojektgröße beträgt 150.000 Euro. Das Bundesland trifft eine Vorselektion der geeigneten Projekte, die Abwicklung erfolgt über die Tourismusbank (ÖHT). Der „Aktionsplan“ sieht überdies die Entwicklung eines maßgeschneiderten Innovationsförderprogrammes und einer von Bund und Ländern getragenen Auszeichnung entsprechender Projekte vor. 

Klein-Förderungen einstellen?

Die vom Wirtschaftsminister in Linz vorgestellten KMU-Förderungen sowie die Schwerpunktaktionen à la Radtourismus, Internet und – neu – Familien wurden kurz darauf im Zuge des Berichtes des Expertenbeirates (siehe Seite 12) von Hansruedi Müller (Universität Bern) in Frage gestellt. Er verglich derartige Förderungen mit Mikrokrediten der dritten Welt und forderte die Einstellung derartiger Kleinkredite.
Dazu wird es wohl nicht kommen, nicht zuletzt da Österreichs Tourismus überwiegend kleinbetrieblich strukturiert ist (was zum Teil einen Nachteil darstellt, da es dem Trend im internationalen Tourismus zu größeren Einheiten entgegen steht, in vielen Fällen aber auch ein Vorteil ist, etwa beim Abfedern konjunktureller Schwankungen). Mitterlehner selbst sieht die Klein-Förderungen als „Appetizer“ für die Betriebe.

Add comment

Diskutieren Sie mit auf TAI.at! Bitte halten Sie die Netiquette ein und diskutieren Sie sachlich und respektvoll.

Wenn Sie als Benutzer auf TAI.at registriert sind, werden Ihre Kommentare automatisch und umgehend freigeschalten. Kommentare nicht registrierter Benutzer werden vor Erscheinen geprüft.

Wir behalten uns vor, Postings mit Werbung, Spam, Verunglimpfungen, Beleidigungen, etc. zu löschen.

Security code
Refresh

Suche auf TAI.AT