Der vorerst nicht zu bremsende Höhenflug des Schweizer Franken bringt viele Betriebe, welche die Zinsvorteile dieser Währung bei ihrer Finanzierung ausnützen, in Bedrängnis. „Es ist ein heißes Eisen“, so Univ.-Prof. Leo Chini von der Wirtschaftsuniversität Wien. Gegenüber Juni 2009 hat sich der Wechselkurs zwischen Euro und Franken von 1,5 auf 1,2 verschoben (d.h. 1 Euro sind nur noch 1,2 Franken). Nimmt man die 3,3 Mio. Euro, die ein durchschnittliches 4- und 5-Sternehotel in Österreich an Fremdkapital beim Bilanzvergleich 2009 aufwies, und wären diese zur Gänze mit Franken finanziert worden, dann hätte sich durch die Euroschwäche der Schuldenstand (ohne Tilgung) seither um 800.000 Euro auf 4,1 Mio. erhöht.
„Zwar war der für Fremdwährungskredite maßgebliche Libor in den vergangenen Jahren immer günstiger als der Euribor. Aber das Wechselkursrisiko beherrscht niemand, wie man derzeit beim Schweizer Franken sieht“, so Prof. Chini. Er empfiehlt betroffenen Hoteliers aber, nicht in den Euro zurück zu wechseln (was angesichts der oben beschriebenen Verluste betriebswirtschaftlicher Selbstmord wäre), sondern zuzuwarten: „Die Situation wird sich irgendwann beruhigen.“ Der Zeitpunkt dafür steht allerdings in den Sternen: „Gegenwärtig weiß niemand, auch nicht die Schweiz, ein Gegenmittel“, so der Professor.
Für die Betriebe ausschlaggebend ist der enorme Zinsvorteil, der in den vergangenen Monaten sogar größer geworden ist. Derzeit liegt der 3-Monats Libor für den Franken bei 0,18 Prozent, beim Euribor sind es 1,51 Prozent. Die Zins-Ersparnis (gemessen am oben erwähnten 3,3 Mio. Kredit) bewegt sich damit aktuell um die 43.000 Euro pro Jahr.
Diesem Zinsvorteil stehen allerdings enorm gestiegene Tilgungsraten gegenüber. Lagen diese bei einem 3,3 Millionen Euro Kredit mit 15-jähriger Laufzeit, der 2009 in den Franken (3,96 Millionen CHF) konvertiert wurde, bei ursprünglich umgerechnet 220.000 Euro pro Jahr, so wären dies heuer bereits knapp 274.000 Euro. Der Tilgungsaufwand ist somit um ein gewaltiges Viertel höher, als vor zwei Jahren.
Chinis Tipp an die Hoteliers lautet deshalb, mit der Bank ein Bündel von Maßnahmen zu besprechen, das von Tilgungsfreistellungen über Währungssicherungen und der Änderung der Vertragsbedingungen bis hin zu Nachbesicherungen sowie „Stopp loss“-Vereinbarungen reicht. Kredite in Schweizer Franken würde hingegen derzeit niemand tilgen: „Vernünftige Banken gewähren eine Tilgungsfreistellung.“ Auf keinen Fall dürfen sich Hoteliers zwingen lassen, ihre Franken- in Euro-Kredite zu konvertieren. Univ.-Prof. Leo Chini: „In dieser Hinsicht liegen bereits einige Urteile vor.“
Wenn Sie als Benutzer auf TAI.at registriert sind, werden Ihre Kommentare automatisch und umgehend freigeschalten. Kommentare nicht registrierter Benutzer werden vor Erscheinen geprüft.
Wir behalten uns vor, Postings mit Werbung, Spam, Verunglimpfungen, Beleidigungen, etc. zu löschen.