EU High-level Conference on Tourism

Transparenz & Steuerwahrheit vs. Tourismus-Vollbad im Geldspeicher

Print-Ausgabe 6. Oktober 2017

„Tourismus ist uns wichtig!“ Das betonte EU Parlaments-Präsident Antonio Tajani Ende September im Rahmen der „High-Level-Conference“ in Brüssel. Laut Tajani seien dem Tourismus 10 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung zu verdanken und „bis 2025 werden in dieser Branche 5 Millionen neue Jobs geschaffen.“ Für Impulse sorgen soll u.a. eine neue wohlhabende Schicht in Asien, allen voran in China. Die Reisefreude der Chinesen (2016 rund 122 Millionen Auslandsreisen, plus 4,3 Prozent) will Tajani für Europa nutzen (2016 rund 5,3 Millionen Ankünfte aus China, plus 6,3 Prozent) und deshalb mit zusätzlichen 25 Mio. Euro „Europa als Ganzes“ bewerben.

Doch das von Tajani angekündigte touristische Job-Wunder sei kein Selbstläufer, betonte Hotrec-Präsidentin Susanne Kraus-Winkler: „Es braucht ein abgestimmtes Arbeitsrecht. Temporäre Arbeitsplätze, die rund um die Uhr zu besetzen sind, erfordern flexible Lösungen und nicht neue bürokratische Hürden.“

Márcio Favilla von der Welttourismusorganisation UNWTO betonte, dass nicht Wachstum das Problem sei, sondern dieses nachhaltig zu managen – die Diskussion rund um den „Aufstand der Bereisten“ (Venedig, Barcelona und Mallorca) sei mahnendes Beispiel. Der Präsident der European Travel Commission (ETC), Peter de Wilde, wiederum sprach sich für Visa-Erleichterungen aus: „Eine Visa-Liberalisierung könnte Europa 84 Millionen mehr Reisende und damit 600.000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen.“

Richtig zur Sache ging es bei den Förderungen: 2,4 Mrd. Euro Venture Capital für den Tourismus seien im EU-Programm COSME (Competitiveness of Enterprises and Small and Medium-sized Enterprises) enthalten. Weitere Fördermittel bietet ESI (Europäischer Struktur- und Investitionsfonds) – hier stehen Österreich im Zeitraum 2014 bis 2020 Fördermittel in Höhe von 5 Mrd. Euro zur Verfügung.

Doch Förderungen sind nicht alles: Susanne Kraus-Winkler wünscht von der EU Initiativen zu mehr Gerechtigkeit bei Steuern und Gesetzen. Rechtlich sollte vor allem bei Online-Reiseplattformen (OTA) und Sharing Economy endlich etwas weitergehen: „Transparenz und Steuerwahrheit sind hier nicht gegeben.“ Mehr zur Tagung im TourismusWissen-quarterly (TWq), das Mitte Oktober 2017 erscheint. 

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Erstellt am: 06. Oktober 2017

im Bild, v.l., oben: Antonio Tajani, Susanne Kraus-Winkler, unten: Peter de Wilde,
Márcio Favilla

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