Kulturtourismus

„Once in a Life Time-Ausstellung, die es in dieser Form nie wieder geben wird“

Print-Ausgabe 21. September 2018

Anlässlich des 450. Todestages von Pieter Bruegel d. Ä. landen das Kunsthistorische Museum (KHM) und die Tourismuswerbung Flandern-Brüssel eine Weltsensation

Bei der Ausstellung über Pieter Bruegel den Älteren (2. Oktober 2018 bis 13. Jänner 2019) handelt sich um ein kulturtouristisches Highlight, das es in dieser Form nie wieder geben kann. Der Grund: Die 12 Holztafeln des KHM dürfen aus konservatorischen Gründen nie ihr Zuhause verlassen und Leihgaben für die übrigen Top-Werke werden aufgrund der immensen Versicherungsprämien unbezahlbar. T.A.I. bat Liesbet Vandebroek, Direktorin Tourismuswerbung Flandern-Brüssel, und Paul Frey, Kaufmännischer Geschäftsführer des Kunsthistorischen Museums, im Vorfeld der Ausstellung – es ist weltweit die erste große monographische über diesen bedeutenden Künstler des 16. Jahrhunderts – zu einem Interview.

T.A.I.: Sie haben im KHM-Geschäftsbericht 2017 u.a. die 30-prozentige Steigerung der Tourismuserlöse hervorgehoben. Wie wichtig ist der touristische Gast für das KHM?

Frey: „Sehr wichtig. Die Ergebnisse zeigen, wie gut das Museum mit der Reisebranche kooperiert. Das lokale Publikum mischt sich sehr gut mit dem internationalen. Der Anteil der touristischen an den eigenerwirtschafteten Erlösen geht Richtung 80 bis 90 Prozent.“

T.A.I.: Wie erfasst das KHM die Herkunftsländer seiner BesucherInnen?

Frey: „Das wird mit unserem Ticketing-­System erfasst. Wir sehen laufend, aus welchen Ländern unsere Gäste kommen. Dadurch haben wir das ganze Jahr über durchgängige Zahlen, wissen deutlich mehr über unsere BesucherInnen als vor zehn Jahren und können aktiv auf Märkte gehen. Wir sehen das auch in Relation zum WienTourismus: Wir sind in den letzten zwei, drei Jahren deutlich stärker gewachsen, also deutlich attraktiver für BesucherInnen geworden.“

T.A.I.: Besteht bei der Besucher­Innen-Anzahl noch Luft nach oben?

Frey: „Ja, es gibt bei uns noch genügend Platz – obwohl es bei der Bruegel-Ausstellung schon knapp werden wird.“

T.A.I.: Wie wollen Sie den zu erwartenden Bruegel-Andrang managen?

Frey: „Wir haben bei der Eröffnung der Kunstkammer 2013 ein neues, ausgeklügeltes System aus Vorverkauf und Tagestickets eingeführt. Alle 10 Minuten gibt es Time Slots, abwechselnd für Gruppen und Individualgäste, mit ausreichenden Kontingenten. Damit können wir Staus vermeiden.“

T.A.I.: Wie viele BesucherInnen werden sich gleichzeitig die Bruegel-Ausstellung ansehen können?

Frey: „Das Limit liegt wegen der klimatischen Bedingungen bei 480 Gästen pro Stunde. Die Ausstellung wird sich über die vier Säle 9 bis 12 inklusive Shop sowie die angrenzenden Kabinette erstrecken – in Summe 1.600 bis 1.700 Quadratmeter.“

Vandebroek: „Diese Ausstellung wird einmalig.“

Frey: „Weltweit gibt es von Pieter Bruegel d. Ä. nur 40 erhaltene Gemälde, 30 davon werden wir bei uns haben.“

T.A.I.: Warum ist die Ausstellung auf dreieinhalb Monate limitiert?

Frey: „Das ist bei internationalen Leihgebern so Usus; wir sind mit dem Zeitraum zufrieden. Umgekehrt sind wir auch unseren Gästen schuldig, dass sie unsere Hauptwerke hier sehen. Bei der Bruegel-Ausstellung werden übrigens einige Graphiken aus Gründen der Konservierung schon nach zwei Monaten ausgetauscht.“

T.A.I.: Wieviele BesucherInnen erwarten Sie für Bruegel?

Frey: „Wir rechnen mit ungefähr  400.000 Gästen.“

T.A.I.: Zeichnet sich damit ein neuer Rekord für das KHM ab?

Frey: „Wenn ich die Zahlen von Jänner bis August betrachte, werden wir 2018 über 1,5 Millionen Gästen liegen (Anm.d.Red.: 2017 waren es 1,42 Millionen, im Rekordjahr 2014 rund 1,46). Es sieht auf der BesucherInnen- und Erlösseite sehr gut aus.“

T.A.I.: Profitiert auch der Flandern Tourismus von den Ausstellungen? Sind die gewünschten Effekte durch die Rubens-Ausstellung im KHM (Anm.d.Red.: 17.10.2017 bis 21.01.2018) eingetreten?

Vandebroek: „Der Besucher­Innen-Ansturm ist groß, nicht zuletzt da Antwerpen heuer unter dem Motto ‚Barockstadt 2018. Rubens als Inspirationsquelle‘ das barocke Kulturerbe dieses großen Malers ehrt. Wir glauben, dass Bruegel eine noch stärkere Wirkung haben wird. In Flandern wird es 2019 verschiedene Bruegel-Ausstellungen geben, in mehreren Städten und auch mit Leihgaben aus aller Welt.“

Frey: „Wir können schon jetzt sagen, dass durch diese verschränkten Aktionen vom KHM und der Tourismuswerbung Flandern-Brüssel die Besucher­Innen-Zahlen sowohl der Österreicher­Innen in Flandern als auch der BelgierInnen in Österreich steigen.“

Vandebroek: „Es herrscht großes Interesse in Belgien an der bevorstehenden Bruegel-Ausstellung im KHM. Zeitungen, Onlinemedien und TV-Stationen berichten viel darüber.“

Frey: „Zur Eröffnung Anfang Oktober wird sogar das Belgische Königspaar nach Wien kommen. Bruegel hat eine große Strahlkraft, Gäste nach Wien zu bringen. Es ist eine ‚Once in a Life Time‘-Ausstellung, die es in dieser Form nie wieder geben kann.“

Vandebroek: „Unser Bestreben ist es, die Botschaft zu vermitteln: ‚Kommt in das Land, wo dieser große Künstler gelebt hat.“ 

Die Bruegel-Ausstellung in Stichworten

Das KHM widmet dem bedeutendsten niederländischen Maler des 16. Jahrhunderts die weltweit erste große monographische Ausstellung. Nur knapp über 40 Gemälde aus der Hand Bruegels sind erhalten. Mit 12 Holztafeln, die aus Konservierungsgründen nie auf Reisen gehen dürfen, besitzt das KHM die weltweit größte Sammlung. Leihgaben kommen aus aller Welt, wie die „Heuernte“ (Palais Lobkowitz, Prag), die „Zwei Affen“ (Gemäldegalerie Berlin) oder der „Kleine Turmbau zu Babel“ (Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam). Ergänzt wird die Ausstellung um eine Auswahl an Zeichnungen und Graphiken. Parallel dazu läuft ein internationales Forschungsprojekt, das alle Bruegel-Gemälde technologisch untersucht und wissenschaftlich analysiert.

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Erstellt am: 21. September 2018

Liesbet Vandebroek und Paul Frey sind zuversichtlich, dass die Austellung viele Gäste nach Wien und Flandern locken wird

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