T.A.I.-Gespräch mit Manfred Pletzer, WKO Tirol

Digitalisierung und Ausbildung als siamesische Zwillinge der Zukunft

Print-Ausgabe 20. April 2018

Für den Touristiker, Bergbahnunternehmer und Industriellen steht fest: „Es wird immer genug Arbeit da sein. Die Frage ist, wie Mitarbeiter die dazu nötigen Fähigkeiten erwerben können.“

Wärmepumpenproduktion, Schnaps-Destillerie, Installationsfirma, 250.000m² Einkaufs- und Bürozentren, Bergbahnen und Hotels, vom Walchsee bis zum Wörthersee, die in Kürze mehr werden sollen – das ist die Pletzer-Gruppe mit Sitz in Hopfgarten in Tirol. Sie expandierte zuletzt vermehrt im Tourismus und will dies auch in Zukunft so beibehalten: Firmenchef Manfred Pletzer – er ist u.a. Vizepräsident der Wirtschaftskammer Tirol – plant neben dem Seepark-Hotel in Klagenfurt am Wörthersee (dort gehört den Pletzers auch Schloss Maria Loretto), dem „Stammhaus“ Hohe Salve und dem Familotel in Hopfgarten, dem 2015 übernommenen Hotel in Walchsee sowie einem Hotel am Tegernsee und der Beteiligung am Gesundheits-Luxushotel Lanserhof in Waakirchen nun ein weiteres Haus in St. Jakob am Pillersee, wo von Pletzer kürzlich die Bergbahnen gekauft wurden.

„Eigentlich waren wir immer schon im Tourismus“, sagt Pletzer im T.A.I.-Gespräch. Sein Vater, Anton Pletzer (74), ist auf der Melchalm aufgewachsen, von dort zu Fuß ins Tal in die Schule gegangen (im Winter mit Ski) und war mehr als 40 Jahre Tourismusobmann in Hopfgarten.

Stets geht es um Angebote für Familien (für Manfred Pletzer ist seine Familie, also Ehefrau mit den Kindern im Alter von 6, 9 und 12 Jahren, trotz aller Aktivitäten der Mittelpunkt: „Leben muss leben“) bzw. um „move & relax“ (also Bewegung und Regeneration). Das gilt sowohl für die Hotels, als auch die Bergbahnen. In der Region Pillersee soll rund um die 1.456 m hohe Buchensteinwand eine ganze Destination entstehen, bei der auch der Sommerbetrieb eine wichtige Rolle spielt. Das dort errichtete größte begehbare Gipfelkreuz der Welt, das 30 Meter hohe Jakobskreuz, soll ganzjährig eine Rolle spielen.

Im Bereich der Bergbahnen ist Pletzer Haupteigentümer der Bergbahn Hohe Salve (Umsatz rund 6,48 Mio. Euro), hält eine Beteiligung am Skigebiet Sudelfeld in Bayern (20 Anlagen, heuer wird eine 8er-Sesselbahn gebaut) und besitzt seit November die Mehrheit an der Bergbahn Pillersee (Umsatz rund 3 Mio. Euro). Weiter expandieren will Manfred Pletzer auch in der Hotellerie. Bis 2022 soll die Gruppe über sechs Hotels mit 1.400 Betten verfügen. Die Mitarbeiterzahl wird in Kürze 1.000 übersteigen.

Pletzer sieht „eine klare kaufmännische Strategie und ein kongruentes Controlling“ als Grundlage des Erfolges im Tourismus. 25 bis 30 Prozent GOP (Gross Operating Profit) und 7 Prozent Brutto-Rendite sind in seinen Betrieben die Zielvorgaben. Als mittelfristige Herausforderung sieht er „eine Steigerung der Preise.“ Denn nur „mit guten Preisen können wir auch gute Löhne und die Weiterbildung der Mitarbeiter stemmen.“ Verschleudern führe „langfristig zum Ruin, das geht nur ein paar Jahre gut.“

Die größten Herausforderungen sieht Pletzer in den Bereichen Bildung/Ausbildung und in der Digitalisierung. Beides sei bewältigbar, wie die Beispiele im Industriebereich zeigen. „Es wird immer genug Arbeit da sein. Die Frage ist, wie Mitarbeiter die dazu nötigen Fähigkeiten erwerben können“, meint Manfred Pletzer, der das derzeitige Bildungssystem „für veraltet und schon vom Kindergarten an für ideologisiert“ hält.

Wie steht es um den Ruf der touristischen Arbeitsplätze? Ist der wirklich so schlecht, wie von der Gewerkschaft und Arbeiterkammer behauptet? „Es werden hier immer Äpfel mit Birnen verglichen“, kritisiert Pletzer, „meist wird die Unterkunft und Verpflegung nicht adäquat eingerechnet, auch die Arbeitswege eines Industriearbeiters sind viel weiter, als von der Mitarbeiterunterkunft – meist in der Nähe des Hotels.“ Ebenso seien Halbtagsjobs „für viele interessant, verzerren aber auch die Lohnstatistik. Wenn wir alles einrechnen, kommen wir auf Mindestverdienste von 2.000 Euro.“

Eine Rolle spiele in diesem Zusammenhang auch die Notwendigkeit, veralteten und unzeitgemäßen Betrieben einen geordneten Ausstieg oder Umstieg auf andere Nutzungsformen zu bieten: „Hier ist die Raumordnung und sind die Bürgermeister gefordert“, betont Pletzer, denn „diese Betriebe sind versucht, mit niedrigen Preisen im Wege der Selbstausbeutung der Unternehmerfamilie mit Billigpreisen am Markt aufzutreten. Da sind dann auch keine Neuerungen und Investitionen mehr finanzierbar.“

Nochmals zur Digitalisierung: diese bietet nicht nur Chancen bei der Rationalisierung („So schnell werden nicht Roboter kochen, aber wer weiß, was alles möglich ist?“), sondern besonders auch in der Angebotserstellung: „Wenn ich heute schon weiß, was der Gast morgen will – und das ist auf Grund guter Daten möglich – kann ich ihn überraschen und begeistern.“ Es könnte im Tourismus eine ähnliche Entwicklung geben, wie in der Industrie: rationelle „Produktion“, aber stark individualisiert, direkt auf den Gast zugeschnitten: „Dazu braucht es eben vielleicht nicht mehr so viele, aber gute Mitarbeiter.“ 

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Erstellt am: 20. April 2018

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