Neusiedler See Tourismus

Das Ende des Säulen-Denkens
Zukunft gehört den Themen Clusters

Print-Ausgabe 15. Dezember 2017

Der seit Mai amtierende Chef der Neusiedler See Tourismus GmbH, Stefan Schindler, sagt der „Kleinstrukturiertheit“ von Burgenlands größter Region den Kampf an

Die mit 1,436 Millionen Nächtigungen größte Region des Burgenlandes, der Neusiedler See (er stellt rund die Hälfte des burgenländischen Volumens), hat seit rund 200 Tagen mit Stefan Schindler einen neuen Geschäftsführer. Der touristische Quereinsteiger – er leitete in den zurückliegenden zehn Jahren als Prokurist die Geschicke der Haydnfestspiele – will in der auch bezüglich Tagestourismus starken Region einiges verändern. Allen voran möchte er bei der „Kleinstrukturiertheit“ den Hebel ansetzen, wie Schindler vor kurzem im Rahmen eines Mediengesprächs betonte.

Von den 34 Berichtsgemeinden, über die sich die Neusiedler See Tourismus GmbH (NTG) erstreckt, bringt es lediglich Podersdorf am See mit rund 370.000 Übernachtungen auf eine relevante Größe. Drei weitere (Frauenkirchen, Illmitz und Rust) bewegen sich zwischen 100.000 und 149.000 Nächtigungen. Der Rest liegt deutlich darunter.

Stefan Schindler: „Mein Ziel ist die Vernetzung der verschiedenen Themen-Cluster von Wein, Kulinarik, Natur und Kultur etc. Das Säulen-Denken ist vorbei.“ Schindler begründet auch, warum dies so ist: „Wein alleine ist kein Alleinstellungsmerkmal. Das kann nur durch Vernetzung mit z. B. Natur & Nationalpark oder Radfahren entstehen.“

Hand in Hand damit soll auch die Aufenthaltsdauer erhöht werden. Ebenso möchte Stefan Schindler die Region vom reinen Nächtigungs-Denken wegbringen: „Die Wertschöpfung ist entscheidend und muss gesteigert werden. Bezüglich Infrastruktur ist schon viel geschehen. Jetzt müssen wir die qualitativen Inhalte aus-
bauen.“

Zu den Zugpferden der rund 800 touristischen Betriebe gehören die 4-Sterne Betriebe St. Martins Therme & Lodge nahe Frauenkirchen, Hotel Wende in Neusiedl am See, Seehotel Rust und Birkenhof in Gols sowie das heuer neu übernommene 3-Sterne-Hotel „Stadthaus“ im Zentrum von Neusiedl. Verschiedene Angebote sorgen dabei für Abwechslung bei den Gästen, so bietet etwa die St. Martins Therme & Lodge noch bis 22. Dezember 2017 ein Paket an, das u. a. drei Nächtigungen und eine private zweistündige Seewinkel-Safari enthält. Einige der erwähnten Hotels warten wiederum mit Angeboten rund um Weihnachten und Silvester auf.

Bereits einiges geschehen ist bezüglich Digitalisierung. So gibt es seit April 2016 in Zusammenarbeit mit der lokalen Aktionsgruppe LAG Nordburgenland einen eigenen „Online Betriebs-Coach“: Tina Brunner. 180.000 Euro stehen dafür an Budget zur Verfügung. Betriebe erhalten das Coaching gratis.

Brunner hat rund um den See mehr als 200 Betriebe evaluiert und geprüft, wie diese bezüglich Homepage, Sozial-Media und Online-Buchbarkeit aufgestellt sind. In mehr als 50 Betrieben, die bisher nicht online buchbar waren, wurde dies geändert.

Was dies bewirkt, zeigt das Beispiel der Privatzimmer-Vermieterin Trude Feiler aus Mörbisch (drei Appartements, 10 Betten): „Ich war bisher nicht online buchbar. Jetzt kommen 99 Prozent der Buchungen übers Internet. Soeben habe ich eine aus den USA erhalten.“ Sie werden – sollte es auch mit der Vernetzung der Themen-Cluster funktionieren – mit Sicherheit als Burgenland-Fans ihre Heimreise antreten. 

Artikel teilen per Mail verschicken ausdrucken

Erstellt am: 15. Dezember 2017

am Bild: Stefan Schindler, (c) SteveHaider

Kommentar schreiben

Bitte die Netiquette einhalten. * Pflichtfelder

Nach oben