10 Jahre mira

Österreichische Tagungsindustrie bestätigt auch 2018 stabiles Geschäftssegment

ACB-Magazin Juni 2019

•  Über 21.000 Veranstaltungen in ganz Österreich

•  Anzahl der Tagungsgäste und Nächtigungen steigt kontinuierlich an

•  EU-Ratspräsidentschaft erstmalig als nachhaltige Veranstaltungsserie

Das Austrian Convention Bureau (ACB) und die Österreich Werbung (ÖW) veröffentlichen zum zehnten Mal in Folge die Ergebnisse des Meeting Industry Reports Austria (mira). 2018 verzeichnete die heimische Tagungsbranche ein Gesamtaufkommen von 21.381 Veranstaltungen. Trotz des leichten Rückgangs (- 1,2%) der Anzahl gemeldeter Veranstaltungen wurde bei der Teilnehmerzahl ein absoluter Anstieg von insgesamt 2.626 Personen (+ 0,2%) erhoben. Bei den gemessenen Nächtigungen wurde ebenfalls ein Plus von 4.411  (+ 0,1%) verzeichnet. Die positivste Entwicklung aus den erhobenen Zahlen zeigte die Kategorie der Seminare gegenüber Kongressen und Firmentagungen. Diese konnten als einzige Veranstaltungskategorie bei Anzahl (+2,2%) und Teilnehmern (+7,4%) einen Zuwachs verbuchen. Die durchschnittliche Veranstaltungsdauer blieb in allen Kategorien mit rund zwei Tagen stabil. Der Anteil der Tagungsnächtigungen an den gesamten Tourismusnächtigungen belief sich auf 2,3%. Nach den Erfolgen von 2017 folgte somit ein weiteres solides Jahr, welches die Tagungswirtschaft als stabiles Geschäftssegment bestätigt.

„Der Meeting Industry Report Austria untermauert die Kompetenz Österreichs als eine der führenden Tagungsdestinationen weltweit. Die vielen nationalen und internationa-len Gäste schätzen nicht nur unsere Gastfreundschaft, sondern vor allem auch die ausgezeichnete Angebotsqualität und Innovationskraft der heimischen Unternehmen. Die ‚Jubiläumsausgabe‘ der mira bestätigt auch die Bedeutung des damit verbunde-nen touristischen Aufkommens – und zwar saisonunabhängig und österreichweit. Dar-über hinaus stellt die Tagungsindustrie einen wertschöpfungsstarken Wirtschaftszweig dar, der damit auch wesentlich auf die positive Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Forschungsstandorts Österreich einzahlt“, erklärt Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung.

Der Meeting Industry Report Austria ist europaweit einzigartig und hat sich in den letz-ten zehn Jahren als solide Analyse des heimischen Tagungsgeschäfts etabliert. Der Report bietet die Grundlage für eine bessere Marktbeobachtung sowie Benchmarkvergleiche mit anderen Ländern und ermöglicht das Erkennen und Beobachten von Trends. Außerdem wird durch die Erhebung belegbarer Zahlen die Bedeutung der Branche für den Wirtschaftsstandort Österreich sichtbar gemacht. Zu den Ergebnissen tragen alle Tagungsbetriebe sowie Veranstalter von Kongressen, Firmentagungen und Seminaren in Österreich bei. Das ACB und die Österreich Werbung bedanken sich bei den Convention Bureaus, Tagungslocations und Veranstaltern für die Unterstützung und aktive Teilnahme an der österreichischen Statistik. Die Meldemoral der Branchenmitglieder hat einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtjahresergebnisse und nur durch eine starke Zusammenarbeit erreichen wir gemeinsam Erfolge in und für die Tagungsbranche.

„Die positiven Ergebnisse der zehnten mira sind nicht zuletzt eine Konsequenz der zukunftsweisenden Zusammenarbeit zwischen den neun Convention Bureaus in den Bundesländern und der Österreich Werbung. 2018 haben wir uns gemeinsam der Erarbeitung der Convention-Marke mit dem neuen Motto „Your success is our passion“ gewidmet. Auch in den eigens angefertigten Sujets zu den Themen Konferenz, Kongress, Seminar und Incentive Winter/Sommer spiegeln sich die hohe professionelle Organisation, die Gastfreundlichkeit und die Lage Österreichs im Herzen Europas wider“, resümieren Petra Stolba und Christian Mutschlechner.

Kongresse

Der Meeting Industry Report Austria verzeichnete 2018 österreichweit 4.883 Kongres-se. Die nationalen Kongresse verzeichneten einen leichten Rückgang von 4,3% (- 222 Kongresse). Trotz Rückgang der Anzahl, nahm die Gesamtteilnehmeranzahl (902.885) um 10.576 Personen (+ 1,2%) zu. Kongresse hielten damit 22,8% am Gesamttagungsmarkt und waren mit einem Anteil von 53,3% das teilnehmerstärkste Segment. Die Anzahl der durch Kongresse generierten Nächtigungen belief sich 2018 auf 2.583.600 (+ 2%), was knapp drei Viertel der gesamten Tagungsnächtigungen entspricht. Die durchschnittliche Kongressdauer liegt seit fünf Jahren konstant bei rund zwei Tagen.

Aufschwung internationaler Kongresse

2018 wurden 1.697 internationale Kongresse gezählt, dies entspricht einem Plus von 3,8% (+ 62 Kongresse). Die durchschnittliche Dauer fiel erstmals unter drei Tage (2,96). Die Teilnehmerzahl hielt im Schnitt konstant bei 278 Besuchern, woraus zu schließen ist, dass internationale Kongresse kürzer aber trotzdem gleich groß waren. Im Vergleich zu nationalen Kongressen dauerten internationale im Schnitt einen Tag länger und hatten doppelt so viele Teilnehmer pro Veranstaltung.

Herbst schlägt Frühling

Im Monatsranking lagen 2018 erstmals alle drei Herbstmonate (September, Oktober, November) bei Anzahl und Teilnehmern auf dem Stockerl. Damit ist und bleibt der Herbst mit rund 40% aller Kongresse und Teilnehmer die Kongresshauptsaison. Zum dritten Mal in Folge fanden im November die meisten Kongresse statt, während September 2018 der teilnehmerstärkste Monat war. Die zweitwichtigste Saison für Kongresse war das Frühjahr (März bis Mai) mit fast 30% aller Veranstaltungen und Teilnehmer. Somit spielten sich im Frühjahr und Herbst insgesamt mehr als zwei Drittel des Kongressgeschäfts ab.

Kongressgenerator Wirtschaft & Politik

Auch im Jahr 2018 waren Kongresse, die Wirtschaft und Politik zum Inhalt hatten, mit 35,4 % die mit Abstand wichtigsten. Auf Platz zwei und drei lagen Humanmedizin mit 19,9% und Geisteswissenschaften mit 14,9%. Das Ranking bleibt damit seit 2012 unverändert. Besonders viele Teilnehmer pro Veranstaltung verzeichneten Kongresse der Fachgebiete Humanmedizin (Ø 303), Technik (Ø 255) sowie IT & Kommunikation (Ø 216), während die kleinsten Kongresse im Bereich Geisteswissenschaften (Ø 110) stattfanden. Zum Themengebiet Formal- & Naturwissenschaften fanden überwiegend internationale Kongresse statt (51,6%).

Österreich beliebt bei Großkongressen

Seit Beginn der Aufzeichnungen halten kleine und mittlere Kongresse (bis 500 Teilnehmer) einen Anteil von über 90% des Kongressgeschäfts. Diese waren auch 2018 überwiegend national, wohingegen Kongresse mit über 500 Teilnehmern vorwiegend international ausgerichtet waren. Die Anzahl der Großkongresse (> 2.000 Teilnehmer) blieb mit 16 nationalen und 25 internationalen Veranstaltungen stabil. Österreich ist somit weiterhin eine beliebte Destination für Großkongresse. Diese generieren besonders viele Teilnehmer und Tagungsnächtigungen, was sie zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor macht.

Firmentagungen

Mit 11.089 Firmentagungen verzeichnete diese Veranstaltungskategorie erneut den größten Anteil am Gesamttagungsgeschäft (51,8%). Dennoch wurde ein Rückgang von 152 Veranstaltungen (- 1,4%) gemessen, der auf eine geringere Anzahl an gemeldeten internationalen Tagungen (-8,6%) zurückzuführen ist und auch bei den Teilnehmern (- 4,9%) und Nächtigungen (- 5,4%) eine Abnahme bewirkte. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl sank weiterhin auf 47 Personen und lässt eine Tendenz zu kleineren Firmentagungen erkennen.

Löwenanteil an internationalen Veranstaltungen

Während 2018 um 8,6% (- 280) internationale Firmentagungen weniger gemeldet wurden, konnte bei den nationalen ein Plus von 1,6% (+ 128) erfasst werden. Trotz leichtem Rückgang stellten internationale Firmentagungen mit 63,8% den größten Anteil aller internationalen Veranstaltungen in Österreich. Internationale Firmentagungen waren größer als nationale mit im Schnitt 30% mehr Teilnehmern. Die durchschnittliche Dauer blieb mit rund zwei (national) bzw. drei Tagen (international) stabil.

Seminare

Seminare holten 2018 weiter auf und konnten bei der Anzahl ein Plus von 2,2% verzeichnen (5.409). Der Anteil dieser Kategorie am gesamten Tagungsgeschäft stieg damit auf 25,3% bzw. auf 32,4% aller nationalen Veranstaltungen. Die Teilnehmeranzahl ist mit gesamt 273.717 um 18.791 Personen angestiegen (+7,4%) und es gab durchschnittlich drei Teilnehmer mehr pro Seminar. Die generierten Nächtigungen stagnierten und die Durchschnittsdauer lag konstant bei zwei Tagen.

Beim Themenranking lag wie bei Kongressen Wirtschaft & Politik (33,3%) an erster, Humanmedizin (16%) an zweiter und Geisteswissenschaften (13%) an dritter Stelle. Am meisten dazu gewinnen konnte das Fachgebiet IT & Kommunikation (+ 80,2%). Hier wurde 2018 mit 146 Seminaren ein absoluter Anstieg von 65 gemessen.

Tagungsgeschäft nach Locations

Österreichs Tagungslandschaft verfügt über facettenreiche Veranstaltungslokalitäten. Das Spektrum reicht von modernen wie historischen Kongresszentren über Tagungshotels und Universitäten bis hin zu außergewöhnlichen Locations wie Schlösser, Schiffe und Klöster. Auch hinsichtlich des Veranstaltungsortes gibt es aufgrund der guten tagungswirksamen Infrastruktur in allen Bundesländern eine vielfältige Auswahl. Ob Großstadt oder ländliche Region, am See oder in den Bergen, für jede Veranstaltung findet sich der passende Begegnungsraum.

Die meisten gemeldeten Veranstaltungen fanden 2018 in Kongress- und Konferenz-hotels statt (39,1% aller Kongresse, 85,4% aller Firmentagungen und 58,7% aller Seminare). Kongress-, Messe- und Veranstaltungszentren hatten bei Kongressen (19,3%) und Firmentagungen (7,3%) den zweitgrößten Anteil an Veranstaltungen. Bei Seminaren lagen Universitäten & Bildungseinrichtungen mit 14,1% an zweiter Stelle. Den größten Anstieg bei Kongressen (+ 18%) und Firmentagungen (+ 42,4%) verzeichneten die Kongresszentren, bei Seminaren waren es Palais & Museen. Mit einem Wachstum von 46,3% wurden für diese Tagungslokalität erstmals über 100 Seminare gemeldet. Dass außergewöhnliche Locations Veranstalter ebenfalls ansprechen belegen die Zahlen, wonach in diesen 7,6% aller Veranstaltungen stattfanden.

 Tagungsindustrie in den Bundesländern

Trotz allgemeinem Rückgang bei der Gesamtveranstaltungszahl wurde in den Bundesländern Wien (+ 10,3%) und Vorarlberg (+ 8,5%) ein Anstieg gemessen, welcher vor allem durch nationale Veranstaltungen generiert wurde. Auch Oberösterreich verbuchte Dank einem Zuwachs im internationalen Segment ein Plus von 5,4%. Insgesamt entfielen 62,3% aller gemeldeten Veranstaltungen auf die Bundesländer (- 3,5%) und 37,7% auf Wien, womit die Stadt ihren Marktanteil ausbauen konnte (+ 3,9%). In der Bundeshauptstadt dominierten weiterhin Seminare (41,8%), während die häufigste Veranstaltungskategorie in allen anderen Bundesländern Firmentagungen waren (mind. 46,4%).

Bundesländer im Vergleich

Das Bundesländerranking der Veranstaltungsanzahl zeigt ein konstantes Bild: Wien lag mit mehr als einem Drittel aller Veranstaltungen (37,7%) ungeschlagen auf Rang eins und auch Platz zwei und drei blieben mit Salzburg (16,7%) und Niederösterreich (13%) ident zum Vorjahr. Oberösterreich (7,6%) vergrößerte seinen Anteil und ergatterte Rang vier. Gleichbleibend ist auch der Teilnehmeranteil in den Bundesländern: Wien lag mit 49% vorne, gefolgt von Salzburg (12,5%) und Tirol (8,5%). Oberösterreich (7,8%) landete auch hier mit einem Plus von 9,3% auf Platz vier. Bei den Nächtigungen reihten sich Tirol (12,9%), Salzburg (10,2%) und die Steiermark (7%) hinter Wien (55,2%) ein.

Bundesländer gewinnen von den Landeshauptstädten

Im Jahr 2018 fanden 35,4% aller gemeldeten Veranstaltungen in den Landeshaupt-städten (exkl. Wien) statt. Die Veranstaltungsanzahl in den Landeshauptstädten ist in Summe um 19,3% gesunken, in den übrigen Teilen der Bundesländer hingegen um 1,4% gestiegen. Die Bundesländer (exkl. Landeshauptstädte) konnten somit 2018 wieder mehr Veranstaltungen für sich gewinnen. Kongresse finden fast zur Hälfte (42,4%) in den Landeshauptstädten (exkl. Wien) statt. Besonders hohe Anteile weisen in diesem Segment Salzburg Stadt (9,2%) und Linz (5,8%) auf. Große Gewinner im Bereich der erfassten Teilnehmer waren Eisenstadt (+54,2%), St. Pölten (+25,5%) und Linz (+10,5%). In Folge stiegen in diesen Städten auch die Nächtigungszahlen um 84,7%, 27,2% und 40,2%. Der Anteil von Tagungsnächtigungen an Tourismusnächtigungen in den Landeshauptstädten betrug 10,3%. In den Städten Linz (14,1%), Wien (11,7%) und Eisenstadt (11,5%) war dieser besonders hoch. Weiters entfiel in Oberösterreich ein beachtlicher Anteil an Tagungsnächtigungen (67,4%) auf die Landeshauptstadt Linz.

Green Meetings & Events 1

2010 wurde das Österreichische Umweltzeichen für Green Meetings und Events vom Österreichischen Umweltministerium auf Initiative des ACB entwickelt und damit ein Tool für die Organisation nachhaltiger Veranstaltungen geschaffen. Seither etablierte sich das Label als glaubwürdiges und anerkanntes Gütesiegel für Umweltverträglichkeit in der Branche. Die Kriterien werden regelmäßig aktualisiert und ermöglichen seit neuestem auch die Zertifizierung von Sportveranstaltungen und B2B Messen. 2018 organisierten 77 Lizenznehmer landesweit 271 Green Meetings und 59 Green Events mit über 340.000 Teilnehmern, wobei über 200 der zertifizierten Veranstaltungen in Wien abgehalten wurden.

Ein besonderes „Grünes Highlight“ war 2018 die EU-Ratspräsidentschaft: Ministerin Elisabeth Köstinger hatte sich eine „Green Presidency“ zum Ziel gesetzt: „Als Nachhaltigkeitsministerin war es mir ein besonderes Anliegen, den österreichischen EU-Ratsvorsitz 2018 gemeinsam mit meinen Ministerkolleginnen und -kollegen noch nachhaltiger zu gestalten als bisher. Diesmal wollten wir daher möglichst viele unserer internationalen Veranstaltungen als „Green Meetings“ nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens zertifizieren. Ich bin stolz darauf, dass 100% der Veranstaltungen meines Ministeriums diese hohen Umweltanforderungen erfüllt haben und hoffe, dass wir damit viele Nachahmer in anderen Mitgliedsstaaten finden.“

Insgesamt wurden im Rahmen der Präsidentschaft 249 internationale Veranstaltungen durchgeführt. Davon wurden 147 erfolgreiche Grüne Präsidentschafts-Meetings abgehalten, dies entspricht 59% aller Veranstaltungen. 121 Veranstaltungen fanden im Austria Center Vienna statt. Hier waren sogar über 88% als Green Meetings zertifiziert. „Neben den Partnern Austria Center Vienna als permanente Kongressfazilität und Green Location sowie dem Green Cateringpartner Motto wurden zudem bewusst Hotels mit dem Österreichischen oder Europäischen Umweltzeichen gewählt. So konnte auch wieder eine Reihe Hotels dazu motiviert werden, ihr Management bewusst zu ökologisieren“, freut sich Regina Preslmair, Green Meetings Verantwortliche des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus.

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Erstellt am: 30. Juni 2019

Foto: © ÖW / Christian Lendl

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