Kulturtourismus

„Rubens & Bruegel on Tour“
beflügeln Wien, Frankfurt & Flandern

Print-Ausgabe 22. September 2017

Die Achse zwischen Flandern Tourismus und Wiens KHM erfährt in den kommenden drei Jahren eine zusätzliche Dynamik – es warten kulturtouristische Leckerbissen erster Güte.

300 Jahre gemeinsame Geschichte verbinden: zwischen 1477 -1795 war die stolze Grafschaft Flandern – einst Heimat einiger der berühmtesten Maler der Welt – durch das Haus Habsburg eng mit dem Schicksal Österreichs verknüpft. Diese Bande haben nicht zuletzt durch die Kunst bis heute gehalten. Ab Oktober 2017 werden sie so stark, wie schon lange nicht: Nach fast vier Jahren gemeinsamer Vorbereitung startet „Visitflanders“ in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum (KHM) und dem Städel Museum Frankfurt das Projekt „Rubens & Bruegel – Flemish Masters on Tour“. Dabei wird ein hochkarätiges Ausstellungsprogramm geboten, bei dem die Kunst und Kultur Flanderns im Mittelpunkt stehen. Dem Tourismus der beteiligten Städte und Regionen bieten sich dadurch interessante Möglichkeiten, wie T.A.I. im Rahmen einer Info-Tour nach Antwerpen (vor 400 Jahren größte Stadt Europas, Heimat von Rubens und dem älteren Bruegel) erfahren konnte.

„Flemish Masters on Tour“

Die in Antwerpen vorgestellten Aktivitäten rund um „Flemish Masters on Tour“ lassen einiges erwarten. So eröffnet am 17. Oktober 2017 das KHM die Ausstellung „Peter Paul Rubens: Kraft der Verwandlung“. Rubens (1577 – 1640) hat die europäische Malerei wie kaum ein anderer Künstler geprägt. Das KHM besitzt etwa 40 Rubens Gemälde, darunter Hauptwerke wie das „Pelzchen“ (eine Darstellung von Rubens zweiter Frau Hélène Fourment), das „Haupt der Medusa“ oder Rubens spätes Selbstbildnis. Diese Ausstellung wird mit internationalen Leihgaben, darunter Skulpturen aus der Antike und Renaissance sowie Werke von Tizian und Caravaggio, zu einer spektakulären Schau vereint. Sie ist bis 21.1.2018 in Wien zu sehen. „Anhand exemplarischer Werkgruppen werden Rubens Methoden der Inszenierung – bekannter wie neuer Bildthemen – aufgezeigt und dabei bisher wenig beachtete Aspekte Rubens thematisiert“, betonte Gerlinde Gruber bei der Präsentation in Antwerpen. Die Rubens Ausstellung übersiedelt Ende Jänner in das Frankfurter Städel Museum, wo sie vom 8. 2. bis 21.5. 2018 gastiert.

Das nächste Highlight folgt im Herbst kommenden Jahres. Im Oktober 2018 wird das KHM im Vorfeld des 450. Todestages zum Werk von Pieter Bruegel d.Ä. die weltweit erste große Monographische Ausstellung über diesen grandiosen Vertreter der frühen Niederländischen Renaissance eröffnen.

Drei Themenjahre

Ob Altniederländische Malerei – jene Epoche, die nach Ende der Spätgotik im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts mit der niederländischen, insbesondere der flämischen Malerei einsetzt –, Renaissance oder Barock: Flandern war ab dem Mittelalter führend bei der künstlerischen Bildfindung und inspirierte die Kunstrichtungen dieser Zeit. Über 250 Jahre lang war die Grafschaft Heimat einflussreicher Künstler.

Darauf aufbauend initiiert Toerisme Vlaanderen unter dem Titel „Flämische Meister 2018-2020“ drei aufeinander folgende Themen-Jahre, in denen die drei Epochen (15., 16. und 17. Jhd.) der europäischen Kunstgeschichte in den Vordergrund gestellt werden. Neben vielen bedeutenden Künstlern stehen dabei vorwiegend Leben und künstlerisches Vermächtnis von Peter Paul Rubens, Pieter Bruegel und Jan van Eyck im Mittelunkt.

Am 1.6. 2018 liefert Antwerpen bei einem ausgelassenen Fest unter dem Motto „Antwerp Baroque 2018.Rubens inspires“ den Auftakt für diese Themenjahre. Auch hier wird vordergründig Antwerpens berühmtester Sohn geehrt: Rubens war nicht nur der berühmteste Maler seiner Zeit, sondern auch ein Virtuose der Verwandlungskunst, Buchillustrator, Architekt, Diplomat und beschäftigte sich intensiv mit antiker Literatur und der Geschichte der Baukunst.

Michaelina Wautier

Keine andere Stadt ist so stark von Rubens und seinem Vermächtnis durchdrungen wie Antwerpen, seine Genialität wirkt in der Barockstadt bis heute. So wird im Rubenshaus auch die erste Übersichtsausstellung des Oeuvres von Michaelina Wautier (ca. 1620 – ca. 1682), einer Zeitgenossin von Rubens, präsentiert. Wautier, die von ihrer Ausdruckskraft und ihrem Können her den Männern unter den flämischer Malern um nichts nachstand, wirkte in einer Zeit, in der es nahezu unmöglich war, als Frau in der Kunstwelt Fuore zu machen. Auch heute noch wird Wautier oft nicht entsprechend gewürdigt: in der „Liste flämischer Maler“ auf Wikipedia etwa findet sie keine Erwähnung.

Zurück zu den Männern: 2019 wird Pieter Bruegel (anlässlich seines 450. Todestages) im Frühjahr in Brüssel und im Herbst in Antwerpen allgegenwärtig sein. Zum Abschluss der drei Themenjahre schließlich wird in Gent der Fokus auf Jan Van Eyck und dessen berühmtem Genter Altar gelegt.

Bleibt noch festzuhalten, dass die Info-Tour nach Antwerpen – abgesehen von dem gebotenen Ausblick auf die grandiosen kulturellen Highlights der kommenden drei Jahre – einmal mehr vor allem eines deutlich machte: Ein Besuch in Flandern, der Heimat der bedeutendsten Barock- und Renaissancemaler, bietet sich für Entdeckungen und Erfahrungen derer Geschichte besonders an. Im ganzen Land werden hochklassige Veranstaltungen und Ausstellungen mit internationaler Strahlkraft organisiert - in den nächsten Jahren mehr denn je.

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Erstellt am: 22. September 2017

im Bild:  Liesbet Vandebroek (Direktorin, Toerisme Vlaanderen Wien), Susanne Gosch (Presse & PR, Toerisme Vlaanderen Wien), Gerlinde Gruber (Kuratorin Gemäldegalerie, KHM), Nina Auinger Sutterlütty & Sarah Aistleitner (beide Presse & PR, KHM).

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