Tunesien

Mit Mode und „Couscous Pop“! Tunesiens Chance auf Image-Wandel

Print-Ausgabe 6. Mai 2016

Noch steht für Tourismusministerin Rekik das Thema Sicherheit ganz vorne – doch Mode-Labels und Musik könnten bald zur Werbe-Triebfeder werden

Das einstige Top-Ziel an Nordafrikas Mittelmeerküste, Tunesien, kommt nicht auf Touren. Im Vorjahr sanken die Ankünfte um 25,2 Prozent auf 5,359 Millionen (sie liegen damit ein knappes Drittel unter dem Niveau von vor dem Arabischen Frühling), die touristischen Einnahmen gingen um 35,1 Prozent auf umgerechnet 1,027 Mrd. Euro zurück – ebenfalls ein Drittel unter dem Wert von 2010. Das neue Jahr brachte vorerst keine Trendwende. Doch dies könnte sich ändern: während die seit Februar vorigen Jahres amtierende Tourismusministerin Salma Elloumi Rekik alles nur Erdenkliche unternimmt, um die Sicherheitsstandards in Hotels und touristischen Infrastruktur-Einrichtungen auf Top-Niveau zu bringen, eröffnet sich an anderer Stelle eine tolle Chance für einen Image-Wandel. Er kommt aus der Mode-Branche.

„Die tunesische Mode steht beispielhaft für die Chancen in einem Land der Umbrüche“, meinte vor kurzem in einem Beitrag der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) die Journalistin und Islamwissenschaftlerin Katharina Pfannkuch. Tunesien sei ihr zufolge „nicht nur einer der größten Textillieferanten der EU, sondern auch die Heimat von Designer-Legende Azzedine Alaïa, und die Entwürfe seines Landsmannes Max Azria tragen Weltstars wie Shakira oder Nachwuchsmodels wie Gigi Hadid.“

Auch international erfolgreiche Topmodels hat Tunesien zu bieten: Hanaa Abdessalem war Lancôme-Gesicht, Kenza Fourati wiederum gilt als erstes muslimisches Model, das für das jährliche „Sports Illustrated Swimsuit Issue“ vor der Kamera stand. Katharina Pfannkuch: „Potential ist also da“, doch das Land müsse mehr daraus machen. Sabrina Farhani (die angehende tunesische Ärztin bloggt seit fünf Jahren über Mode und Reisen) sieht es ähnlich: „Da müsste mehr passieren. Es ist ein Tunesien, das man sonst nicht sieht.“

Vorerst setzt Tourismusministerin Rekik – neben Betonung der erfreulichen Tatsache, dass im Dezember das tunesische „Quartett für den nationalen Dialog“ mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde – weiter auf das Thema Sicherheit. Hier greifen dem Land deutsche Sicherheits-Experten unter die Arme: Es wurde von ihnen ein Handbuch für Sicherheit im Tourismus ausgearbeitet, dessen Handlungsanweisungen in allen Hotels, Museen, Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Flughäfen etc. umgesetzt werden; und sie trainieren tunesische Tourismusinspektoren, welche die Umsetzung kontrollieren, eventuell vorhandene Schwachstellen orten und deren Lösung veranlassen sollen. Ministerin Rekik: „Das ist keine ad hoc-Aktion und auch kein Aktionismus. Alles hat Hand und Fuß. Es geht uns um die Gewährleistung einer Sicherheitskette, damit Sicherheit während des ganzen Urlaubes gegeben ist.“

Ob Rekik demnächst auch die Chancen nützen wird, welche sich durch die aufstrebende Mode-Branche des Landes ergeben, wird sich weisen. Das Jung-Designer Ehepaar Claire und Sofiane Ben Chaabane (die Französin und der Tunesier gründeten 2011 das erfolgreiche Modelabel „Lyoum“ mit Sitz in Tunis) ist diesbezüglich bereits aktiv geworden: für ihre diesjährige „Couscous Pop“-Kollektion luden die beiden im Jänner tunesische Musiker für eine Woche nach Hammamet. Während der gemeinsamen Musik-Sessions entstanden nicht nur Fotos für die aktuelle Kampagne, sondern auch das „Couscous Pop Orchestra“. Das soll noch heuer durch Europa touren (siehe u.a. www.facebook.com/lyoumconcept). Ben Chaabane: „Wir wollen ein Tunesien zeigen, das man sonst nicht sieht: komplex und innovativ, widersprüchlich und vielseitig.“ Es wäre schön, künftig mehr davon zu sehen.

Tunesiens Tourismus in Stichworten

Bis vor dem arabischen Frühling steuerte der Tourismus ein knappes Fünftel zum BIP (Brutto Inlandsprodukt) des Landes bei, im Vorjahr waren es nur noch 12,5 Prozent. nach wie vor sind ca. 400.000 Menschen direkt im Tourismus Tunesiens beschäftigt, es gibt 847 Hotels mit zusammen 240.000 Betten. Von den 5,359 Millionen internationalen Gästen 2015 kam nur ein knappes Viertel aus Europa.
Aus Österreich kamen im Spitzenjahr 1999 rund 139.000 Gäste nach Tunesien, 2003 waren es nur noch 70.000, fünf Jahre später wurden wieder 100.000 erreicht, um 2011 auf 30.000 zurückzufallen.

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Erstellt am: 06. Mai 2016

Chance auf Image-Wandel: Tunesiens Tourismusministerin Salma Elloumi Rekik

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