Interview Rania Al-Mashat

25.000 Zimmer am Mittelmeer.
Alle Kraft voraus für New El Alamein

Print-Ausgabe 6. April 2018

Im Interview mit Ägyptens Tourismusministerin Rania Al-Mashat ging’s um das Mega-Projekt an der Nordküste sowie die Erwartungen für 2018.

Im Zuge einer langen Karriere als Berichterstatter in der Tourismusbranche kommt es immer wieder zu Überraschungen. Die jüngste ereignete sich auf der diesjährigen ITB beim Termin mit Ägyptens neuer Tourismusministerin: Rania Al-Mashat erwies sich in dem Gespräch als kompetenteste und professionellste PolitikerIn, mit dem/der jemals ein Interview geführt wurde – und derer gab es in den zurückliegenden Jahrzehnten unzählige, sowohl national als auch international. Zu Österreich hat Al-Mashat, seit sie ihr Land einmal beim Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog vertrat, einen besonderen Bezug.

Die für die ITB angesetzte obligatorische Ägypten-Pressekonferenz war abgesagt worden. Stattdessen gab es individuelle Gesprächstermine mit Rania Al-Mashat auf dem Ägypten-Stand. Nach einer kurzen Wartezeit – Al-Mashat’s Terminkalender war dicht durch getaktet – war es dann soweit, an einem großen Besprechungstisch im ersten Stock des Ausstellungsstandes, mit Blick über die Messehalle. Smalltalk zum Aufwärmen? Fehlanzeige. Keine Höflichkeitsfloskeln, kein Herumgerede, gleich in medias res.

T.A.I.: Bereits einen Tag nach Ihrer Bestellung sind Sie mit zehn der größten Investoren des ägyptischen Tourismus zusammengetroffen. Ägypten hatte 2017 erstmals seit langem wieder einen starken Aufwärtstrend, ist aber noch weit von den Spitzenwerten von 2010 entfernt. Es sollten also ausreichend Kapazitäten vorhanden sein. Wozu dann das Treffen mit den Investoren?

Rania Al-Mashat: „Lassen Sie mich mit dem Vorjahr beginnen. Wir sind sehr zufrieden mit 2017, es war ein wichtiges Jahr und 2018 wird ebenfalls stark. Jetzt erholen sich auch die Quellmärkte in CEE und Skandinavien. Besonders viel erwarten wir uns heuer von der Rückkehr der Gäste aus Russland und Großbritannien. Jeder ist optimistisch und zuversichtlich.

Das von Ihnen angesprochene Treffen mit den Investoren steht im Zusammenhang mit dem von Präsident Sisi im Vorjahr eingerichteten ‚Supreme Council of Tourism‘, dem er selbst vorsteht. Zu den vorrangigen Aufgaben des Gremiums zählen die Förderung von Aktivitäten im Bereich des Tourismus und Erarbeitung eines Generalplans für die Schaffung neuer Tourismuszonen.“

T.A.I.: Braucht Ägypten zusätzliche Tourismuszonen?

Al-Mashat: „Ägypten hat in den letzten drei, vier Jahren viel in Infrastruktur investiert. Drei neue Flughäfen werden in diesen Wochen ihren Betrieb aufnehmen: der Sphinx International Airport zwischen Kairo und Alexandria, der New Capital Airport und der Bredwell Airport auf dem Sinai. Es entstehen auch viele neue Stadtviertel, alle mit einem ökologischen Fokus, darunter eines an der Nordküste bei El Alamein, bekannt durch die große Schlacht im Zweiten Weltkrieg. Die New El Alamein City wird neben 5.000 Wohnungen auch eine Universität beherbergen, ein Opernhaus, eine Bibliothek und ein Museum. Auch eine Tourismuszone wird dort entstehen, direkt am Mittelmeerstrand mit rund 25.000 Hotelzimmern.“

T.A.I.: Macht sich Ägypten damit nicht selbst Konkurrenz zu bestehenden Destinationen am Roten Meer und im Süd-Sinai?

Al-Mashat: „Nein, New El Alamein City ist nicht als Konkurrenz gedacht, sondern als Ergänzung, mit 365 Tagen Betrieb. Es geht nicht nur um Strandaufenthalte, sondern es wird eine integrierte Stadt. Derzeit gibt es rund 3.000 Hotelzimmer an der Nordküste, wir wollen dort 25.000 neue Hotelzimmer errichten. Auch im Bereich Tourismus-Ausbildung setzten wir dort Initiativen. Vor kurzem wurde mit der Hotelfachschule Lausanne ein Kooperationsabkommen unterzeichnet, mit der an der Universität in New El Alamein City ein touristisches Trainings-Center aufgebaut werden soll. Es geht um Mitarbeiter-Trainings für alle ägyptischen Regionen.“

T.A.I.: Ihr Land erzielte seinen bisherigen Bestwert 2010 mit 14,5 Millionen internationalen Ankünften und rund 12,5 Mrd. US-Dollar touristischen Einnahmen. Im Vorjahr waren es 8,3 Millionen und 6 Mrd. Dollar. Wann glauben Sie, werden die Rekordzahlen wieder erreicht?

Al-Mashat: „Ich gehe nicht nach Ankunftszahlen. Entscheidend sind die Einnahmen und sie lagen im Vorjahr erstmals wieder deutlich über jenen vom Suez-Kanal (Anm.d.Red.: diese betrugen 2017 rund 5,3 Mrd. Dollar). Ich hoffe, dass wir sehr bald wieder den Spitzenwert von 2010 erreichen werden, aber ich will mich diesbezüglich nicht auf ein bestimmtes Jahr festlegen.“

T.A.I.: Wie sind Sie mit dem Aufkommen aus Österreich
zufrieden?

Al-Mashat: „Ich habe auf der ITB viele Reiseveranstalter getroffen, jeder ist bereit, das Geschäft zu entwickeln. Österreich hat übrigens bei den Ägyptern einen besonderen Stellenwert: durch den ägyptischen Song ‚Euphoric
Nights in Vienna‘. Jedem, der von Ihrem Land nach Ägypten kommt, singen meine Landsleute den Song gerne vor.“ 

Kurzportrait Rania Al-Mashat

Mit Rania Al-Mashat (42) steht erstmals in der Geschichte Ägyptens eine Frau an der Spitze des Tourismusministeriums. Vor drei Jahren unter die 50 einflussreichsten Frauen in Ägyptens Wirtschaft gewählt, war sie bis zu ihrer Bestellung seit August 2016 in Washington DC im Spitzenmanagement des IWF (Internationaler Währungsfonds) tätig.

Ihr Doktorats-Studium hat sie an der University of Maryland absolviert, war danach vier Jahre beim Internationalen Währungsfonds (IWF), avancierte 2005 zur jüngsten stellvertretenden Gouverneurin der Ägyptischen Zentralbank (in dieser Zeit unterrichte sie auch an der Universität in Kairo und wurde 2014 vom World Economic Forum zu den „Young Global Leaders“) und war ab Mitte 2016 bis zu ihrer Ernennung zur Ministerin im Management des IWF (Internationaler Währungsfonds) tätig.

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Erstellt am: 06. April 2018

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